Elektromobilität

Elektro-Dreirad im Paketdienst: So macht Pakete liefern Spaß

von Ralf Bielefeldt

Der Elektro-Dreirad Tripl soll den City-Lieferverkehr auf drei emissionsfreie Räder stellen. Eine vielversprechende Win-Grins-Situation für Kurierfahrer.

Elektro-Dreirad Tripl
Belugawal mit drei Rädern: Mit dem Elektro-Dreirad Tripl liefert unter anderem DPD Pakete aus. Foto: Tripl

Das erfahren Sie gleich:

  • Das dänische Tripl ermöglicht emissionsfreien Paketdienst auf der letzten Meile
  • Das leichte Elektro-Dreirad hat eine City-Reichweite von rund 100 km
  • Großstädte wie Berlin und Hamburg sind das ideale Einsatzgebiet – das DPD-Paket kommt bereits mit dem Dreirad

Ein Belugawal im Paketdienst

Aus der Ferne sieht das Tripl aus wie ein Schrumpf-Belugawal auf Rädern: nach oben gewölbte Front, lustige Scheinwerfer-Äuglein knapp über der Straße, Grundfarbe weiß. Vom Fahrer ist von vorn nicht viel zu sehen: ein bisschen Oberkörper, dazu ein behelmter Kopf. Dabei hockt er komplett im Freien, auf einer Art Sitzstrebe, höhenverstellbar und angenehm weich abgepolstert. Unter ihm stromert das Antriebsrad im 13-Zoll-Format, die Füße ruhen wie bei einer fetten Harley-Davidson lässig auf zwei breiten Trittbrettern.

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Im Dreirad durch den Lieferverkehr

Vorm Fahrer erstreckt sich über eine Länge von 1,25 Meter der Laderaum; manövrierfreudige 90 Zentimeter breit und 71 cm hoch. Macht 750 Liter Stauvolumen bei maximal 290 Kilogramm Zuladung, Fahrer inklusive. Schöpft man die voll aus, bringt der dänische E-Lastesel Tripl 596 kg auf die Waage. Die nächst größere motorisierte Fahrzeugeinheit im Zustelldienst – der Kleintransporter – wiegt ein Vielfaches. Und muss vor Pollern unweigerlich kapitulieren. Tripl-Kuriere hingegen kurven einfach darum herum. Und gelangen so bestenfalls bis direkt vor die Haustür des Paketempfängers.

Elektro-Dreirad Tripl mit geöffnetem Laderaum
Der packt was: Der Tripl bietet 750 Liter Stauvolumen und schafft maximal 290 Kilogramm Zuladung. Foto: Tripl

Man braucht schon ein gesundes Selbstbewusstsein, um mit dem Tripl Pakete auszuliefern.

Aufmerksamkeit ist den Tripl-Fahrern gewiss, weiß Roland Prejawa, Geschäftsführer von Urban Cargo in Berlin: "Man braucht schon ein gesundes Selbstbewusstsein, um mit dem Tripl Pakete auszuliefern. Jeder guckt, wirklich jeder. An der Ampel, in der Fußgängerzone – wer keinen Spaß hat an Kontakt und Gesprächen, sollte lieber ein normales Lastenfahrrad nehmen." Das macht aber nicht so viel Laune. Und kostet deutlich mehr Kraft, als den leichtfüßigen Elektro-Lastenstromer (Wendekreis: 7,5 Meter) durch die Straßen zu zirkeln.

Das DPD-Paket kommt mit dem Dreirad

Günstig ist der Spaß auch noch: Den TCO (Total Cost of Ownership – Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus) beziffert Tripl-Mutter EWII Mobility, eine Tochter des dänischen Energieunternehmens EWII, auf rund 0,11 Euro pro Kilometer. Kein Wunder, dass immer mehr Logistikdienstleister auf den Dreiradzug aufspringen: DPD zum Beispiel hat erste Tripl-Erfahrungen in Hamburg gesammelt, dort kommt das DPD-Paket auch mit dem Dreirad, Berlin soll folgen. "Entscheidend für uns ist, wie wir die Nachbeladung sinnvoll regeln können", sagt Peter Rey, Senior Referent Media Relation bei der DPDgroup. 28.000 Pickup-Points in 230 Ländern weltweit, vier Millionen Pakete täglich, 60.000 sogenannte Versandexperten – in so einem Logistikreich wollen neue Lieferketten sorgfältig geplant sein.

Die Lieferungen müssen im Zweistundentakt zum Kunden.

Roland Prejawa und sein Smart-Delivery-Unternehmen Urban Cargo haben es da einfacher. Der Berliner zählt zu den Pionier-Nutzern des elektrifizierten Hartplastik-Lastdrahtesels. Seit November 2016 steuern seine Mitarbeiter mit dem Dänen-Dreirad einen "Paket-Hub" in der Spree-Metropole an. Größter Auftraggeber ist ein großer amerikanischer Internetversandhandel, der im Kudamm-Karree ein Depot betreibt. Im Zweistundentakt müssen die "Prime"-Lieferungen zum Kunden. Die 100 Kilometer Reichweite, die EWII Mobility für sein Tripl verspricht, seien für den Karree-Radius völlig ausreichend.

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Elektro-Dreirad Tripl mit Fahrer in der Großstadt
Stadtgefährt: Das Tripl schafft maximal 45 km/h und kann mit einer Ladung rund 100 Kilometer weit fahren. Foto: Tripl

Fahrspaß im Paketdienst

Geladen wird zwischendurch oder über Nacht. Acht Stunden dauert es, bis der maximal 8,64 kWh starke Lithium-Ionen-Akku an einer 230V-Steckdose voll aufgeladen ist. 3,4 kW leistet die E-Maschine. Das reicht für Tempo 45. Viel schneller möchte man mit dem 2,41 Meter langen Teil vermutlich auch gar nicht unterwegs sein: Zwei Räder vorn, eins hinten – fahrphysikalisch bedarf es durchaus einiger Kraft, die Vorderachse mit dem Lenker in die gewünschte Richtung zu bugsieren. Erst recht, wenn der Stauraum voll ist. Fahrspaß kommt trotzdem auf.

Im Heimatland Dänemark ist das Tripl multifunktional im Einsatz: Carlsberg hat zwei Modelle zu mobilen Zapfanlagen umfunktioniert, die über Festivalgelände cruisen. Städte wie Fredericia nutzen es als Straßenkehrer- und Mini-Müllfahrzeug. Urban Cargo will seine Berliner Flotte weiter ausbauen. Der Logistikdienstleister beschäftigt mittlerweile über 20 Mitarbeiter. Zukunftsträchtiges Motto: "CO2-frei bis zur letzten Meile".

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