Elektromobilität

Elektrifizierung des städtischen Busverkehrs: Hier fahren E-Busse

von
Sabrina Lieb

22.000 Dieselbussen geht es an den Kragen: aio zeigt, welche Regionen ihren ÖPNV mit E-Bussen ausstatten wollen und wo bereits erste Elektrobusse fahren.

Drei neue Elektrobusse für die Hamburger Hochbahn.
Drei neue Elektrobusse für die Hamburger Hochbahn: Die Hansestadt ist Vorreiter in Sachen elektrifizierter ÖPNV. Foto: Siemens AG

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo die Elektrobusse bald zum Einsatz kommen sollen
  • Welche Städte bereits E-Busse in der ÖPNV-Flotte haben
  • Wie sich die Ladung der Busse einrichten ließe: Drei Methoden für die Infrastruktur

Der öffentliche Nahverkehr in Deutschland wird allmählich elektrisch und mit der wachsenden Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs soll es den Dieselbussen nun endlich an den Kragen gehen. Denn auf der einen Seite stellt die Bundesregierung eine Milliarde Euro bereit, damit sich die Städte endlich ihren Schadstoff-Problemen stellen. Auf der anderen Seite ziehen die Entscheidung der Verwaltungsgerichte immer mehr Fahrverbote für Diesel in deutschen Städten nach sich.

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So sorgte Anfang September ein Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden für besonders Aufsehen. Danach muss Frankfurt – mit 300.000 einfahrenden Arbeitskräften täglich wohlgemerkt Deutschlands Pendlerhauptstadt – bis zum 1. Februar 2019 einen Luftreinhalteplan in Kraft setzen. Davon betroffen sind alle ÖPNV-Dieselbusse. Damit dürfen die Fahrzeuge nur noch dann auf die Straße, wenn sie mit einem entsprechenden Filter nachgerüstet wurden.

Elektrobusse für deutsche Städte

Die Stadt am Main hat bereits seine ersten fünf E-Busse bestellt. Weitere Regionen, die verstärkt auf elektrische Busse im ÖPNV setzen werden, sind die Städte Berlin, Hamburg, Köln und München. Hier sind insgesamt rund 3000 Elektrobusse geplant.

Jüngstes Beispiel kommt aus Offenbach: Um die regionale Elektromobilität voranzutreiben und die Elektrifizierung des ÖPNV anzuschieben, hat die Stadt just einen Förderbescheid über vier Millionen Euro erhalten. Mit dem Geld soll die Stadt Elektrobusse und entsprechende Ladestationen in der Region einrichten. Das Ziel: Bis 2022 soll die Hälfte der Busflotte der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) elektrifiziert werden. Insgesamt 36 Elektrobusse sollen dann in Zukunft auf Offenbachs Straßen unterwegs sein.

Den Zuschuss für die ersten sieben davon hat das Land Hessen mit Mitteln aus dem Europäischen Fond für regionale Ermittlung ermöglicht. Die vier Millionen Euro decken knapp zwei Fünftel der Projektgesamtkosten in Höhe von 10,6 Millionen Euro. Dabei fällt ein erheblicher Teil der Ausgaben auf den Umbau des Betriebshofes und der entsprechenden Infrastruktur sowie auf die Einrichtung der Stromversorgung.

Einsatz von E-Bussen in Deutschland

via Europressedienst Bonn

Ab 2020 nur noch emissionsfrei: Hamburg ist Vorreiter

Insgesamt sind rund 22.000 Dieselbusse im deutschen ÖPNV unterwegs. Sie sind verantwortlich für rund 20 Prozent des Schadstoffausstoßes vor Ort. Mit seinem Vorsatz, ab dem Jahr 2020 nur noch lokal emissionsfreie Busse anzuschaffen, setzt sich derzeit Hamburg am stärksten für die E-Mobilität in Deutschland ein. So haben sich dort die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein für den Kauf von zehn Elektrobussen der deutschen Firma Sileo aus Salzgitter entschieden.

Aufgrund der hohen Reichweite seien die neuen E-Busse sofort auf allen Diensten einsetzbar, so die VHH-Geschäftsführer Müller und Görnemann. Je nachdem, wie groß die Elektrobusse sind und auch, wie viele Personen darin transportiert werden sollen, erreichen die elektrischen Busse heutzutage eine garantierte Reichweite von mindestens 250 Kilometern. Im Realbetrieb sind bis zu 400 Kilometer Reichweite möglich.

Von den bekannten Lithium-Ionen-Akkus bis hin zur Lithium-Eisenphosphat-Batterie – genau wie bei Elektroautos sind auch bei Elektrobussen unterschiedliche Batterie-Technologien am Start.

Elektrobusse aufladen: Nachtladung oder Zwischenladung?

Emissionsfreie Elektrobusse bieten Städten und Gemeinden die Möglichkeit, ihre Abgas- und Lärmbelästigung durch den ÖPNV drastisch zu reduzieren. Für die zumeist nächtliche Aufladung der Elektrobusse in den Depots nutzen diese teilweise auch Energie aus regenerativen Quellen.

Zwar lassen sich die E-Busse auch im laufenden Fahrbetrieb an entsprechenden Haltestellen aufladen. (Damit würde auch die Reichweite kein Problem mehr darstellen.) Jedoch zieht gerade diese sogenannte Zwischenladung deutlich höhere Inventionen der Betreiber nach sich. Auch würde das Laden der Elektrobusse tagsüber den Verkehr zusätzlich belasten. Nämlich dann, wenn die Taklung der E-Busse sehr eng ist und die Gefahr eines Rückstaus an Haltestellen besteht.

Grundsätzlich haben Busanbieter aber die Möglichkeit, ihre Busse und die entsprechenden Ladestrukturen an die Bedingungen des jeweiligen Einsatzortes anzupassen. Ob Nachtlader oder Zwischenlader: Welche Aufladetechnik der E-Busse sich final durchsetzen wird, steht noch nicht endgültig fest, jedoch werden aktuell drei Varianten von Elektrobussen mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen diskutiert:

Batteriebus mit Nachtladung

Der Akku des Busses wird einmal pro Tag – üblicherweise über Nacht – an entsprechenden Ladesäulen im Depot wieder aufgeladen.

Idealer Einsatz bei kurzen Tagesfahrleistungen sowie bei kleinen Flotten, sofern keine starke Infrastruktur für die Stromversorgung zur Verfügung steht.

Nachteil: Große Flotten mit weiten Fahrstrecken können diese Möglichkeit nicht nutzen.

Batteriebus mit Gelegenheitsladung

Der Akku des Busses ist meist kleiner als die Batterie der Nachtlader und wird bei Gelegenheit tagsüber während der Betriebszeit, typischerweise an den Endhaltestellen, wieder aufgeladen.

Idealer Einsatz bei großen Tagesfahrleistungen des Busses.

Nachteil: Erfordert lange Wendezeiten an den Endhaltestellen, um die Batterien wieder aufzuladen. Erfordert Nähe zu Unter- oder Umspannwerken an den Endhaltestellen, damit die Energieversorgung der Ladegeräte garantiert wird.

Elektrobus mit Brennstoffzelle

Der jeweilige Bus erzeugt den Strom für den Elektroantrieb in einer Brennstoffzelle an Bord. Dazu wird er an einer Tankstelle mit Wasserstoff betankt.

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Idealer Einsatz bei großen Tagesfahrleistungen des Busses. Ideal für große Flotte, um die Infrastrukturkosten auf viele Fahrzeuge umlegen zu können. Eine flexible Streckenplanung sowie der Einsatz des Busses auf wechselnden Linien ist möglich.

Nachteil: Benötigt vorhandene Wasserstoff-Infrastruktur oder -Quelle nahe dem Busdepot.

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