Technik

Ekranoplan: Bodeneffektflugzeug für Passagierflüge in Russland

von
Marten Zabel

Die Rückkehr des Seemonsters: Das einst militärische Bodeneffektflugzeug Russlands, das Ekranoplan, soll jetzt Zivilisten über weite Ebenen transportieren.

Ein Konzeptbild des Bodeneffektflugzeugs Chaika A-050.
Das Bodeneffektflugzeug Chaika A-050 soll künftig auch in der zivilen Luftfahrt Ressourcen sparen. Foto: Alekseev’s Central Hydrofoil Design Bureau

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das "Flugboot" Ekranoplan sein Comeback in Russland feiert
  • Wie das Bodeneffektflugzeug funktioniert
  • Warum das Flugzeug nach dem Kalten Krieg nicht nur in Russland von der Bildfläche verschwand

Bodeneffektflugzeuge sollen in Russland bald als Zivilflugzeuge zum Einsatz kommen. Bereits zwischen 2020 und 2022 sollen die ersten Maschinen des Typs Chaika A-050 bis zu 100 Passagiere entlang der großen sibirischen Ströhme transportieren. So soll das "Ekranoplan" Hafenstädte und Städte im Inland miteinander verbinden.

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Aber auch im militärischen Sektor feiert das Bodeneffektflugzeug sein Comeback. Der russische Vizepräsident sagte kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, dass eine große Militärversion ab 2027 in Dienst gestellt werden solle.

Bodeneffektflugzeuge können über die Tundra fliegen, über Wasser und über Eis. So ein Fluggerät könnte tausend Kilometer über die Tundra zurücklegen – dort gibt es keine Bäume und Häuser.

Alexander Bedritsky, Berater des russischen Präsidenten

Wie funktionieren Bodeneffektflugzeuge

Bodeneffektflugzeuge nutzen einen besonderen Verwirbelungseffekt in geringen Flughöhen und können dort hohe Reisegeschwindigkeiten bei geringem Kraftstoffverbrauch erreichen: Unter den Flügeln entsteht zusätzlich zum normalen Auftrieb ein Art Luftkissen, da die Luft zwischen Boden und Flügel zusammengedrückt wird: der Bodeneffekt. Diese Verwirbelung benötigt eine sehr geringe Flughöhe.

Offiziell werden Bodeneffektflugzeuge übrigens als Schiffe behandelt. Und in dem Sektor sind sie vermutlich das Schnellste, was in den kommenden Jahrzehnten technisch möglich sein wird.

Die Geschichte des Ekranoplan – Flugzeuge in Russland

Das originale große Bodeneffektflugzeug der sowjetischen Armee war im Westen als Kaspisches Seemonster bekannt. In den 1960ern fielen Analysten des westlichen Militärs nämlich erstmals riesige Gischtspuren auf, als sie Luftaufnahmen des Kaspischen Meeres untersuchten. Etwas sehr Großes bewegte sich dort also sehr schnell. Es war schneller als ein Boot, bewegte sich aber dicht genug über dem Wasser, um Luftabwehrradare zu unterfliegen – und genau dafür hatte das Militär es auch konstruiert.

Ein A-90 Orlyonok, ein Bodeneffektflugzeug in einem Militärmuseum in Moskau.
Bisher waren die Bodeneffektflugzeuge auch in Russland eher Ausstellungsstücke fürs Museum. Foto: Shutterstock / Photo_works

Die Sowjets selbst nannten die Mischung aus Flugzeug und Schiff KM oder als Fahrzeugtyp Ekranoplan. Das Flugzeug war mit einem maximalen Startgewicht von 494 Tonnen und mehr als 90 Metern Länge tatsächlich ein Monstrum. Mit seinen kurzen Flügeln mit 36 Metern Spannweite konnte es allerdings nur unter Einsatz des Bodeneffekts. Mehr als zehn Meter über den Wellen waren damit nicht möglich, was den Einsatzradius des Flugzeugs auf den eines Bootes beschränkte – nämlich über dem Wasser. Dafür war es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 650 Kilometern pro Stunde aber auch sehr schnell.

Die Nachfolger des Seemonsters

Ein Nachfolger des KM war die Lun-Klasse, die in den 1970ern entwickelt und 1987 in Dienst gestellt wurde. Es war mit einer Länge von knapp 74 Metern ein wenig kleiner als sein Vorgänger, dafür aber nicht mehr länger Testfahrzeug, sondern fertiges Kriegsgerät: Bewaffnet mit zwei Geschütztürmen mit Maschinenkanonen sowie sechs Werfern mit Lenkraketen für den Einsatz gegen Schiffe und Bodenziele war es für den Kampf bereit. Die längeren Flügel ließen es im Notfall sogar ohne Bodeneffekt auf bis zu 7500 Meter Höhe fliegen, wenn es Landmassen zu überspringen gab.

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Nach dem Ende des Kalten Krieges gab es nur vereinzelte private Initiativen, wie etwa ein Konzept, das Boeing 2002 vorstellte. Der Pelican ULTRA (Ultra Large Transport Aircraft) sollte eine Flügelspannweite von rund 150 Metern haben, wurde aber nie gebaut. Im April 2017 war das erste Mal die Rede davon, Bodeneffektflugzeuge wie das Ekranoplan für Expeditionen in die Arktis und am Polarkreis einzusetzen.

Mit dem neuen Projekt will die russische Regierung das Bodeneffektflugzeug jetzt endgültig wieder in den alltäglichen Betrieb aufnehmen. Ähnlich wie beim Überschallflugzeug wird so eine Technik, die ursprünglich für den militärischen Einsatz gedacht war, für den zivilen Luftverkehr genutzt.

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