Leben

Eine Roboter-Spinne macht Pflanzen mobil

von Marten Zabel

Ein Ingenieur baut aus Roboter-Spinnen Untersätze für Pflanzen, mit denen sie mobil werden. So wird aus der Topfpflanze ein interaktives Lebewesen.

Die Roboter-Spinne von Sun Tianqi steht auf einem weißen Tisch. Sie trägt eine Pflanze.
Sukkulent auf Wanderschaft: Mithilfe der Roboter-Spinne kann die Pflanze ihren Standort wechseln. Foto: Sun Tianqi/Vincross

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum eine Roboter-Spinne eine Pflanze trägt und sie immer zum Licht führt
  • Wieso der Erfinder mithilfe des Hexapods Pflanzen mehr Freiheiten ermöglichen will
  • Wie der Sukkulent mit Menschen interagieren kann

Normalerweise stehen Pflanzen nur an einem Ort und reagieren auf das, was um sie herum passiert, irgendwo zwischen passiv und gar nicht. Der chinesische Robotik-Experte und Unternehmer Sun Tianqi wollte das ändern: Bereits eine zweite Version seines Kunstprojekts "Sharing Human Technology with Plants" krabbelt in Videos durch seine Arbeitsräume. Das Exoskelett für Topfpflanzen soll diesen ganz neue Möglichkeiten geben, mit ihrer Umwelt zu interagieren.

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Tianqi nutzte eine sechsbeinige Roboter-Spinne seiner Firma Vincross und ersetzte die Außenhülle durch einen eigens designten zweischichtigen Blumentopf. Dann programmierte er den Bot für Verhaltensweisen, die der Pflanze zuträglich sind: Die bionische Pflanze wandert herum und sucht sich sonnige Plätzchen zum Verweilen.

In der Sonne dreht sich der Topf hin und her, um allen Blättern Licht zu verschaffen. Wird es zu heiß, sucht sich der Roboter Schatten. Zudem kann der Roboter mit Menschen spielend interagieren: Ist er zufrieden, führt er einen Tanz auf – benötigt die Pflanze Wasser, trampelt der Roboter wütend auf der Stelle herum.

Eine Roboter-Spinne mit Pflanzenaufsatz

Mit seinem Projekt will Tianqi die Möglichkeiten und das Leben einer Pflanze auf das nächste Level anheben. Wie er anmerkt, gibt es unter den Lebewesen keine, die weniger Freiheiten haben als Pflanzen.

Das zeigte sich auch, als er zu der Idee inspiriert wurde: Auf einer Ausstellung für Sonnenblumen im Jahr 2014 sah Tianqi eine tote Blume, die das Pech hatte, an einer schattigen Stelle zu stehen. Sein Gedanke: Wenn die Pflanze sich hätte bewegen können, nur zehn Meter weit, dann hätte sie gesund leben können. Also hat er den Hexapod als Gehhilfe entwickelt.

Seit Milliarden Jahren können sich Pflanzen nicht bewegen. Werden sie geschnitten, gebissen oder aus der Erde gezogen, können sie ebenso wenig dagegen tun, wie wenn es zu kalt, zu heiß, zu feucht oder zu trocken ist.

Wenn Menschen Technologie nutzen, um an für sie eigentlich unmögliche Orte wie die Tiefsee oder den Weltraum zu gelangen, könnte das auch Pflanzen eine interessante Sache sein, so der Künstler, Ingenieur und Unternehmer: Pflanzen könnten mit menschlicher Technik erfahren, wie sich ein Tier fühlt.

Ob sie das genießen weiß er zwar nicht, aber Tianqi fand, es sei einen Versuch wert.

Portraitaufnahme von Sun Tianqi
Ein Herz für Pflanzen: Künstler und Erfinder Sun Tianqi. Foto: Vincross

Ein Sukkulent im Hexapod auf Wanderschaft

Bei der Wahl der Pflanze entschied sich Tianqi für einen Sukkulenten, also eine saftreiche Pflanze (Kakteen sind zum Beispiel Sukkulente). Tatsächlich gäbe es für die Cyborg-Pflanze als Haustier oder Mitbewohner aber noch interessantere Alternativen: Mit einer Venus-Fliegenfalle an Bord wäre das Projekt direkt zu einem echten Raubtier geworden – zumindest aus der Sicht kleinerer Insekten.

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Dann wäre die Sensorik für den Idealstandort allerdings mit dem Faktor „guter Jagdgrund“ um eine sehr komplexe Variable reicher geworden. Auf jeden Fall bleibt das Projekt Sharing Human Technology with Plants ein interessantes Konzept, das durchaus noch künftige Roboter-Hybriden inspirieren dürfte.

Tipp: Wenn Sie wissen wollen, was Roboter heute noch alles können, lesen Sie doch auch unsere Artikel über die humanoiden Roboter von Boston Dynamics oder über den Roboter-Hund des MIT.

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