Elektromobilität

Flixzug: Das sind die Vorteile und Nachteile von Flixtrain

von Leonie Butz

Flixtrain baut sein Streckennetz aus. Der DB-Konkurrent fährt nun doppelt so oft zwischen Stuttgart und Berlin. aio klärt die wichtigsten Fragen.

Foto: Flixtrain

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sieht der Angriff von Flixtrain auf die DB eigentlich aus?
  • Welche Vorteile und Nachteile bietet der Flixzug?
  • Fahrzeit, Fahrpreis, Strecke, Gepäck: Wir beantworten die wichtigsten Fragen
  • Ist der Fernbus-Gigant wirklich eine Gefahr für die Deutsche Bahn?

HKX, Locomore ... – die Liste der Unternehmen, die der Deutschen Bahn im Fernverkehr-Bereich Konkurrenz machen wollten, ist nicht lang. Und eins haben die Anbieter bisher gemeinsam: Sie sind bei dem Versuch gescheitert. Jetzt ist der Fernbus-Riese Flixbus in das Geschäft mit den Fernbahnen eingestiegen: mit Flixtrain.

Flixtrain erweitert Angebot früher als geplant

Neben den bereits existierenden Verbindungen zwischen Stuttgart und Berlin bzw. Hamburg und Köln hat Flixtrain Anfang Juni 2018 angekündigt, zwei neue Fernzüge einzusetzen und das Streckennetz auszudehnen.

Ab 21. Juni wird der Flixtrain zukünftig zweimal täglich zwischen Stuttgart und Berlin verkehren. Der zweite Zug rollt ab 19. Juli zusätzlich zwischen Hamburg und Köln. Aufgrund der positiven Resonanz verdoppelte der DB-Konkurrent sein Angebot damit früher als geplant. Ursprünglich wollte Flixzug seine Taktung zwischen Stuttgart und Berlin auch erst im Juli erhöhen.

Wir rechnen damit, dass wir unser Ziel von 500.000 Zuggästen bis Ende des Jahres zu übertreffen.

André Schwämmlein, Geschäftsführer Flixmobility

Ebenfalls neu ab Juli: Gegen Gebühr können Fahrgäste einen Sitzplatz reservieren. Wer einen Fensterplatz bevorzugt, zahlt dafür 3,99 Euro, sonst sind es 3,49 Euro.

Nach drei Monaten zieht Flixtrain eine erste positive Zwischenbilanz: "Mit bis zu 500 Passagieren pro Zug liegt die durchschnittliche Auslastung zwischen 50 und 70 Prozent", teilte das Unternehmen mit. "Wir rechnen damit, dass wir unser bisher gestecktes Ziel von 500.000 Zuggästen bis Ende des Jahres noch deutlich übertreffen können", so Geschäftsführer André Schwämmlein.

Die Vorteile und die Nachteile von Flixtrain

Die Fahrgäste nehmen das Angebot von Flixtrain dankbar auf. Als Vorteile des Bahnkonkurrenten werden immer wieder genannt:

  • der günstige Preis von 9,99 Euro
  • die Pünktlichkeit
  • die freundlichen Mitarbeiter
  • die Sauberkeit
  • die niedrigen Preise im Bistro (Snacks ab 1,50 Euro)

Als Nachteile von Flixtrain nennen die Fahrgäste:

  • die wenigen Steckdosen im Abteil
  • das nicht stabil funktionierende WLAN
  • die fehlenden Großraumabteile (nur Sechser-Abteile)
  • die Schwierigkeit, das Flixtrain-Gleis im Bahnhof zu finden

Die wichtigsten Fragen rund um den Flixzug:

Für Interessierte an dem Flixzug-Angebot stellen sich bisher trotzdem noch einige Fragen rund um Fahrpläne, Preise, Reisezeiten oder Stationen.

Wie lange braucht der Flixzug und was kostet ein Ticket?

Hamburg Hbf. - Köln Hbf.

  • Fahrzeit: zwischen 3:58 Stunden und 4:23 Stunden
  • Fahrpreis: zwischen 9,99 Euro und 49,99 Euro

Köln Hbf. - Hamburg Hbf.

  • Fahrzeit: zwischen 3:54 Stunden und 4:19 Stunden
  • Fahrpreis: zwischen 9,99 Euro und 49,99 Euro

Berlin Hbf. - Stuttgart Hbf.

  • Fahrzeit: zwischen 7:13 Stunden und 7:43 Stunden
  • Fahrpreis: zwischen 9,99 Euro und 99 Euro
  • Hinweis: In Berlin hält der Zug an den fünf Stationen Berlin-Lichtenberg Bf., Berlin Ostkreuz, Berlin Ostbf., Berlin Hbf. und Berlin Zoo Bf.

Stuttgart Hbf. – Berlin Hbf.

  • Fahrzeit: zwischen 6:25 Stunden und 6:43 Stunden
  • Fahrpreis: zwischen 9,99 Euro und 99 Euro
  • Hinweis: In Berlin hält der Zug an den fünf Stationen Berlin Zoo Bf., Berlin Hbf., Berlin Ostbf., Berlin Ostkreuz und Berlin-Lichtenberg Bf.

Die Preise beziehen sich auf eine Fahrkarte für einen Erwachsenen, Kinder fahren bis zum fünften Lebensjahr kostenlos mit. Je nachdem, wie früh die Fahrt gebucht wird und wie hoch die Nachfrage ist, variiert der Preis stark.

Ist der Flixzug tatsächlich günstiger als die DB?

Zwar sind viele Strecken mit dem Flixzug theoretisch ab einem Startpreis von 9,99 Euro zu bereisen – meist sind die Preise aber nur dann verfügbar, wenn die Tickets mindestens einen Monat vor der Fahrt gekauft werden.

Wer mit Kindern reist, sollte zudem bedenken, dass die Kleinen in der Regel den gleichen Preis zahlen wie Erwachsene. Nur für Kinder bis fünf Jahre ist die Reise kostenlos, Kinder zwischen sechs und 14 Jahren fahren zum ermäßigten Preis. Bei der Deutschen Bahn hingegen fahren Kinder bis einschließlich 14 Jahre kostenlos mit – in Begleitung mindestens eines Erwachsenen.

Wann sich eine Fahrt mit dem Flixzug lohnt – und wann die DB doch die besseren Konditionen hat – das lässt sich ganz einfach über ein Vergleichsportal feststellen. Tickets von der Deutschen Bahn und Flixtrain lassen sich etwa über goeuro.de gut vergleichen.

Ist der Flixzug langsamer als die DB?

Auf der Strecke zwischen Berlin und Stuttgart ist der Flixtrain knapp 30 bis 45 Minuten langsamer als die schnellste Verbindung der Deutschen Bahn. Hier ist der Flixtrain also tatsächlich etwas im Nachteil.

Auf der Strecke zwischen Hamburg und Köln braucht der Flixtrain den Vergleich nicht scheuen. Sowohl der Flixzug als auch die Deutsche Bahn benötigen für diese Strecke rund vier Stunden.

Welche Stationen fährt der Flixtrain an?

Das Streckennetz des Flixtrain
Diese Strecken fährt der Flixzug: Hamburg Hbf - Köln Hbf und Berlin Hbf - Stuttgart Hbf. Foto: Flixbus

Der Flixzug zwischen Stuttgart und Berlin hält zwischendrin in Vaihingen, Heidelberg, Weinheim, Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Fulda, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg.

Der grüne Flixtrain zwischen Köln und Hamburg hält in Düsseldorf, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Münster und Osnabrück.

Der Nachtzug zwischen Hamburg und Lörrach hält in Hannover und Freiburg.

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Sollen noch mehr Strecken und Verbindungen folgen?

Ja. Die bisher geringe Anzahl an Verbindungen will Flixtrain zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 erhöhen. Aber: Beliebte Städte-Verbindungen und Zeiten sind chronisch überfüllt. Wer eine Lücke findet, der nutzt sie – wie es Flixtrain mit dem HKX-Slot getan hat. Um das Angebot auszuweiten, hat das Unternehmen einen Antrag an die Bahntochter DB Netz gestellt.

Einer Mitteilung von Flixtrain zufolge sollen Flixzüge ab Ende des Jahres auch zwischen Köln und Berlin sowie zwischen München und Berlin rollen.

Wie viel Gepäck darf man im Flixzug mitnehmen?

Wer denkt, im Zug dürfe man im Gegensatz zum Flugzeug nahezu unbegrenzt Gepäck transportieren, der irrt. Vor der Buchung bei Flixtrain wird man explizit auf die Gepäckbestimmungen hingewiesen: „Jeder Fahrgast kann 1 Reisegepäckstück (max. Maße pro Gepäckstück: 80 x 50 x 30 cm, max. 20 kg), das mit seinem Namen und seiner Adresse versehen ist, sowie 1 Handgepäckstück (42 x 30 x 18 cm, 7 kg) mit sich führen.“

Klingt wie im Flugzeug – inwiefern diese Bestimmungen auch bei den Fahrgästen eingefordert werden, ist bislang nicht bekannt. Bei der Deutschen Bahn gibt es jedenfalls keine Gewichtsvorgabe. In den DB-Beförderungsbedingungen heißt es lediglich: „Neben Handgepäck darf ein Reisender ein Stück Traglast mit sich führen. Tragelasten sind größere Gepäckstücke oder Gegenstände, die von einer Person alleine getragen werden können.“

Dürfen Fahrräder im Flixzug mitgenommen werden?

Ja, Flixtrain ermöglicht die Fahrradmitnahme. Wichtig sei, rechtzeitig einen Platz fürs (maximal 25 Kilo schwere) Fahrrad zu reservieren. Der Preis: „Der Transport der Fahrräder kostet 9 Euro pro transportiertem Fahrrad unabhängig von der Länge und dem Fahrpreis der Strecke.“

Bei der Deutschen Bahn kostet die Fahrradmitnahme im Fernverkehr ebenfalls 9 Euro, für Bahncard-Inhaber sind es 6 Euro.

Betreibt Flixtrain die Züge selbst?

Nein, auf beiden Strecken betreiben kleine Bahnunternehmen die Züge. Auf der Strecke Hamburg - Köln hat Flixtrain das Nürnberger Unternehmen BahnTouristikExpress gleich von HKX übernommen.

Auf der Strecke Berlin - Stuttgart hat der Fernbus-Gigant ebenfalls den Betreiber vom Vorgänger übernommen. Wie bereits bei Locomore stellt das tschechische Unternehmen Leo Express die Züge.

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André Schwämmlein, Geschäftsführer Flixmobility

Gibt es bei Flixtrain auch Nachtzüge?

Seit Kurzem bietet Flixtrain nicht nur eine alternative Möglichkeit zur Deutschen Bahn. Es bietet sogar einen Komfort, den die Bahn seit 2016 selbst nicht mehr bereithält: Nachtzüge.

Zwischen Hamburg und Lörrach fahren die Schlafwagen – je nach Saison – bis viermal pro Woche. In etwas mehr als 12 Stunden verbindet Flixtrain so die Hansestadt mit dem südlichen Zipfel von Baden-Württemberg. Das sind die Verbindungen des Nachtzuges:

Hamburg Hbf. - Lörrach Autozugbahnhof
Nebensaison: Sonntag und Freitag: 20:08 - 8:30 Uhr (12:22 Std.)
Hauptsaison im Juli: Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag: 20:08 - 8:30 Uhr (12:22 Std.)

Lörrach Autozugbahnhof - Hamburg Hbf.
Nebensaison: Samstag und Montag: 19:30 - 7:11 Uhr (11:41 Std.)
Hauptsaison im Juli: Donnerstag, Samstag, Sonntag und Montag: 19:30 - 7:11 Uhr (11:41 Std.)

Vorteile und Nachteile des Nachtzugs
Der günstige Preis ist auf jeden Fall ein riesiger Vorteil: Bereits ab 19,99 Euro ist eine Fahrt – inklusive Liege und Bettwäsche – verfügbar.

Ein direkter Vergleich mit der Deutschen Bahn ist hier zwar nicht möglich, denn die betreibt selbst keine Nachtzüge mehr. Aber die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben die Strecken übernommen – jetzt fährt dort der Nightjet.

Die Tickets lassen sich noch über die Seite der DB kaufen. Und ein Vergleich der Strecke Hamburg - Freiburg (im Breisgau) zeigt, dass ein Platz im Schlafwagen bei ÖBB sehr viel teurer ist: Der Sparpreis ist ab 49 Euro erhältlich. Enthalten sind hier jedoch ein kleines Frühstück, ein Weckservice und Getränke für den Abend.

Wer viel Wert auf Privatsphäre legt, der kann auch im Einzelabteil schlafen – die Preise liegen hier zwischen 129 und 239 Euro, je nach Ausstattung. Das ist zwar teuer, aber immerhin gibt es die Möglichkeit. Bei Flixtrain gibt es keine Einzelabteile.

Zusätzlich sind die Wagen der ÖBB rund eineinhalb Stunden schneller als der Flixtrain – ob das bei einer Nachtfahrt wirklich entscheidend ist, muss jeder für sich selber herausfinden.

Ein Wagen des DB-Konkurrenten Locomore – in der Signalfarbe Orange.
Mit Flixtrain erneut auf den Schienen: Nach der Pleite im Kampf um einen Platz auf deutschen Trassen, gehen die Züge unter dem Fernbus-Anbieter Flixbus wieder ins Rennen. Foto: FlixBus

Fazit: Flixtrain ist eine Gefahr für die DB

Die Angriffe von HKX und Locomore waren vor allem an drei Dingen gescheitert: am Geld, an der Vermarktung und am politischen Willen. Flixtrain scheint die Lösung für alle drei Herausforderungen zu besitzen. Die enormen Trassenpreise – eine einzige Fahrt zwischen Berlin und Stuttgart kostet rund 3200 Euro, hinzu kommen rund 650 Euro Stationsentgelte – ist angesichts der großen Nachfrage kein Problem für die Flixzug-Betreiber.

Und selbst die Politik, die sich als Eigentümer der Deutschen Bahn nicht unbedingt für Konkurrenten einsetzte, lobt den Flixtrain. Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann begrüßt "das Engagement von Flixtrain, auf einer weiteren wichtigen Verbindung in Deutschland unterwegs zu sein." Wettbewerb im Fernverkehr stärke den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene, findet Ferlemann: "Zusätzliche Anbieter sind gut für die Kunden."

Mit dem Fernbus-Erfolg bewies Flixbus bereits zuvor, dass es möglich ist, einen Markt völlig umzukrempeln. Innerhalb von vier Jahren entwickelte sich Flixbus vom kleinen Unternehmen zum größten Anbieter auf dem Fernbusmarkt in Deutschland – mit einem Marktanteil von 93 Prozent.

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Kein Wunder, dass André Schwämmlein selbstbewusst sagt:

Schon mit FlixBus haben wir bewiesen, dass Mobilität nicht teuer sein muss. Durch die Integration von FlixTrain wird das Angebot für Reisende in Deutschland jetzt noch attraktiver.

aio meint:

Ein Angriff auf die Deutsche Bahn braucht vor allem einen langen Atem. Im Fernbus-Geschäft überzeugt Flixbus mit gutem Angebot und Innovationen. Ob der Angriff mit Tiefpreisen auf den Schienen ein ebensolcher Erfolg wird, muss sich erst noch zeigen – spätestens, wenn Flixtrain weitere Strecken und Verbindungen für sich erobert hat.

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