Elektromobilität

Eine Frage der Balance: Sind E-Bikes für Kinder sinnvoll?

von Gertrud Teusen

Wenn Eltern aufs E-Bike steigen, können die Kleinen beim Familienausflug schwer mithalten. Sind Pedelecs oder E-Bikes für Kinder eine sinnvolle Lösung?

Ein Junge mit Helm auf einem Fahrrad.
Ob auf dem Pedelec oder auf dem normalen Fahrrad: Kinder sollten immer mit Helm fahren. Foto: Shutterstock/Rachel Juliet Lerch

Das erfahren Sie gleich:

  • Ob Kinder überhaupt Pedelecs fahren dürfen
  • Welche Ausrüstung sie brauchen
  • Wann E-Bikes für Kinder sinnvoll sind – und wann nicht

Das E-Bike wird immer beliebter und erschließt sich ständig neue Zielgruppen. Schon lange ist es kein „Senioren-Mobil“ mehr. Es ist bei den Familien und damit auch bei den Kindern angekommen.

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Ja, es gibt sie wirklich, die Kinder-Bikes mit Elektroantrieb. Ob dieser Elektromobilitäts-Trend nun wirklich zum Mitmachen lohnt, entscheidet bei vielen Eltern in erster Linie der Preis: Ein Kinder-Pedelec ist rund fünfmal so teuer wie ein „normales“ Kinderfahrrad.

Dürfen Kinder überhaupt E-Bike fahren?

Der Begriff „E-Bike“ ist heute sozusagen das Synonym für „elektrisch unterstützte Fahrräder“ und damit sind dann zumeist Pedelecs gemeint. Das ist dann die Art von Elektrofahrrädern, bei denen sowohl Muskelkraft gefordert ist, als auch ein Elektromotor bis maximal 250 Watt das Strampeln unterstützt. Die Geschwindigkeit ist auf 25 km/h beschränkt.

Da diese Pedelecs einem Fahrrad gleichgestellt sind, gibt es weder eine Altersbeschränkung noch eine Führerschein bzw. Versicherungspflicht. In der Tat gilt beim Mieten der Junior-Pedelecs eine Altersempfehlung von 14 Jahren. In Ausnahmefällen dürfen aber schon Zehnjährige einmal Probefahren.

Im Klartext: Ein regelrechtes Kinder-E-Bike gibt es nicht!

Mehr Power für Kids? Darauf sollten Sie achten

Für viele Kinder und Jugendliche ist das Fahrrad das Verkehrsmittel schlechthin. Ein Stückchen Freiheit auf zwei Rädern, die man sich nur ungern durch uncoole Fahrradhelme und anderes Sicherheitszubehör vermiesen lässt. Es ist auch erstaunlich, wie viel Tempo die jugendlichen Radler erreichen könne, wenn sie nur ordentlich in die Pedale treten.

Doch in etwas schwierigerem Gelände wäre so ein bisschen Motorunterstützung schon ganz nett. Die Initiative zum Pedelec für den Nachwuchs geht aber in der Regel von den Eltern aus, denn auf der gemeinsamen Fahrradtour soll Chancengleichheit gelten. Hier ein Überblick worauf man vor dem Kauf achten sollte:

Der Preis

Pedelecs für Kinder sind teurer als normale Kinder- oder Jugendräder. Es geht dabei nicht nur darum die richtige Rahmengröße im Verhältnis zur Körpergröße zu finden – das wäre zu kurz gedacht. So oder so kostet ein Pedelec für Kinder zwischen 1750 und 3500 Euro.

Das Tempo

Experten sind sich einig: Die Geschwindigkeit von Pedelecs für Kinder sollte man zunächst drosseln, denn gerade auch Jugendliche sind mit einer konstanten Geschwindigkeit vom 25 km/h oft überfordert. Rad-Entwickler Robin Krichel, der das „ben-e-bike“ als erstes Kinder-E-Bike entwickelte, rät Eltern, Kinder nicht gleich mit der Höchstgeschwindigkeit starten zu lassen. Vorbildlich bei diesem Hersteller: Eine speziell für Erwachsene geschriebene Gebrauchsanleitung verrät, wie man das Tempo zunächst drosselt.

Das Gewicht

Pedelecs sind generell schwerer als normale Fahrräder. Diesen Umstand unterschätzen viele, obwohl er gerade für Kinder und Jugendliche einen großen Unterschied macht. Durchschnittlich wiegen solche Pedelecs (mit Motor) 20 Kilo und die lassen sich von leichtgewichtigen Kindern nicht so ohne weiteres stemmen.

Ein junge auf einem elektrischen Mountainbike.
In schwierigem Gelände können E-Bikes auch für Kinder sinnvoll sein. Foto: Shutterstock/moreimages

Der Fahrradhelm – darauf kommt es an

Beim Pedelec-Ausflug sollten Kinder und Erwachsene natürlich einen Helm tragen. Das gilt natürlich auch fürs normale Fahrradfahren. Dabei sollte man nicht auf Schnäppchen schauen oder Helme unbedingt online kaufen, eine gute Beratung ist die bessere Wahl.

Darauf sollten Sie achten:

  • Ein guter Helm hat wirksame Lüftungsöffnungen, Luftkanäle im Innern und breite Befestigungsriemen
  • Die Größe des Helms muss der Kopfform des Trägers genau anpassbar sein
  • Die Kinnriemen sollen breit, weich und hautfreundlich sein
  • Die Riemen zum Verstellen sollen einfach zu bedienen, aber nicht zu leicht verstellen sein
  • Der perfekte Helm sitzt fest auf dem Kopf und rutscht nicht hin und her

Erst in die Pedale treten, dann entspannt cruisen

Eine traurige Wahrheit ist, dass viele Kinder nicht mehr lernen, Rad zu fahren. Genauso wie immer weniger Schüler schwimmen können. Die Gründe sind vielschichtig und bewegen sich zwischen zu wenig Freizeit, überbehütetem Aufwachsen und sozialer Benachteiligung. Dabei ist Radfahren, ebenso wie Schwimmen, wichtig für die körperliche Entwicklung und Auslastung. Dementsprechend fallen auch immer mehr Grundschüler in der Verkehrserziehung (die oft eine Fahrradprüfung beinhaltet) durch.

Immer mehr Grundschüler können nicht mehr richtig Fahrrad fahren. Etwa 72 Prozent haben damit Probleme, bei manchen hapert es schon beim Aufsteigen.

Der Gesamtverband Versicherungswirtschaft e.V. (GDV)

Der Gesamtverband Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) führt regelmäßig Umfragen bei Lehrern und Verkehrserziehern zur Verkehrssicherheit von Grundschülern durch. Demnach hat sich die Unsicherheit bei Dritt- und Viertklässlern in Bezug aufs Fahrradfahren stetig erhöht und liegt etwa bei 72 Prozent.

Wenn die Kinder daran scheitern, gleichzeitig den linken Arm auszustrecken und geradeaus zu fahren, dann hilft nur üben, üben, üben. Denn tatsächlich können alle Kinder Radfahren lernen – sofern sie die Zeit und Gelegenheit haben, es auszuprobieren und zu trainieren. Die beste Einstiegshilfe ist übrigens der Tretroller, der hilft, die Koordination und das Gleichgewicht auszubilden. Bevor man also überhaupt über ein Kinder-E-Bike nachdenkt, sollte das normale Fahrradfahren kein Problem mehr sein.

Ein Fuß steht auf dem Pedal eines E-Bikes.
Nur wer auf dem normalen Fahrrad sicher ist, sollte auch mit dem Pedelec unterwegs sein. Foto: Shutterstock/Microgen

Auf Tour mit den Großen – ja, nein, vielleicht

Wenn der Spaß an gemeinsamen Aktivitäten das alleinige Kriterium wäre, dann würde viel für ein klares „Ja“ zum Kinder-E-Bike (bzw. Pedelec) sprechen. Ein deutliches „Nein“ gibt es nur für Kinder unter zehn Jahren – und eben solche, die nicht gelernt haben überhaupt Fahrrad zu fahren. Die meisten Experten der Fachpresse und der Verbände argumentieren mit „ja, aber…“.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sieht die Entwicklung durchaus kritisch. „Für den Alltag halten wir das für keine gute Idee", meint Stephanie vom ADFC. Denn schließlich sei (nicht nur) für Kinder die Bewegung wichtig. Allerdings schränken alle Experten ein: Ein Elektrofahrrad ist allenfalls bei längeren Touren im Urlaub sinnvoll. Und genau daran hatte der „ben-e-bike“- Entwickler Robin Krichel gedacht, nämlich um:

Familienfrieden bei gemeinsamen Ausflügen zu sichern.

Robin Krichel, Fahrrad-Entwickler von ben-e-bike

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