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Eine faltbare Drohne rettet Wintersportler vor Lawinen

von Sabrina Lieb

Verschneiter Berg in den Alpen
Besonders abseits der Pisten ist die Gefahr groß, von einer Lawine erfasst zu werden. Moderne Technik soll die Berge jetzt sicherer machen. Foto: Unsplash/Matthijs van Schuppen

Das erfahren Sie gleich:

  • Nach einer Lawine zählt bei der Rettung jede Minute
  • Eine Rettungsdrohne folgt dem LVS-Gerät des Verschütteten und zeigt Helfern dessen Position an
  • Mit der Lawinenausrüstung sollen ab 2019 Skitouren sicherer werden

Lawinen sind für Wintersportler der Albtraum schlechthin. Bei einem Lawinenunglück könnte eine Rettungsdrohne verschüttete Personen schnell lokalisieren.

Schreckensszenario Lawinen

Lawinen sind ein faszinierendes Naturphänomen, sofern man sie aus der Ferne beobachten kann. Lebensgefährlich wird es, wenn man den gleitenden, stürzenden Schneemassen zu Nahe kommt. Beim Wintersport zum Beispiel. So verzeichnete Österreich in der letzten Wintersaison insgesamt 22 Lawinentote, in der Schweiz wurden die letzten Weihnachtsfeiertage von gleich drei tragischen Lawinen-Unglücken in drei Tagen überschattet. Eine Lawinenverschüttung ist für Ski- und Snowboardfahrer, aber auch für Schneeschuhwanderer das Schreckensszenario schlechthin. Eine neue Rettungsdrohne könnte bei einem Lawinenunglück für schnelle Hilfe sorgen.

Die Rettungsdrohne verfolgt das LSV-Gerät

Warum, wann und wo genau eine Lawine losbricht, ist nicht wirklich vorhersehbar. Was dabei passiert ist, dass ein Gemisch von mehr oder weniger Luft mit vorwiegend körnigen Schneeteilchen rutscht, fließt oder herab kollert und dabei frei zu Tal fällt. Damit erreicht das Zusammenspiel von Masse und Geschwindigkeit eine enorme Zerstörungskraft. Für Wintersportler, die von einer Lawine überrascht werden, bedeutet eine Verschüttung komplett von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, totale Hilflosigkeit und Atemluft für nur noch wenige Minuten. Die einzige Chance, rechtzeitig gefunden zu werden, sind Kameraden, mit denen man unterwegs ist. Und die stehen – sofern sie nicht selbst verschüttet oder verletzt sind - vor der großen Herausforderung, die Verschütteten in wenigen Minuten zu finden und auszugraben.

Eine Drohne über einem verschneiten Berg
Per Knopfdruck hebt sie ab: Die Drohne ortet ihren Besitzer und führt Retter so an die Position des Verschütteten. Foto: Bluebird Mountain

Um die Suche nach Lawinenverschütteten und die sofortige Kameradenbergung zu unterstützen, hat das Hamburger Start-up Bluebird Mountain eine Rettungsdrohne für Lawinenopfer entwickelt. PowderBuddy ist dabei eine faltbare Drohne für Skifahrer, Snowboarder und alle Menschen, die sich in lawinengefährdeten Gebieten aufhalten. Der faltbare Quadrokopter wird dabei in einer Röhre mit einer Größe und einem Gewicht von etwa einer Thermoskanne am Rucksack angebracht, ohne den Sportler jedoch bei seinem Wintertreiben einzuschränken.

Die Drohne startet automatisch und verfolgt das LVS-Gerät des Trägers in sicherem Abstand zur Lawinenoberfläche.

Ist eine Lawine in Sicht und kann der Wintersportler sich nicht mehr in Sicherheit bringen, so genügt ein simpler Zug am Auslösegriff, und das neue Lawinensicherheitsprodukt wird aus seiner Hülle katapultiert, startet automatisch und verfolgt das LVS-Gerät (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät) des Trägers in sicherem Abstand zur Lawinenoberfläche. Dabei kommt die Rettungsdrohne auf eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde und bleibt dabei exakt an der Stelle stehen, wo der Verschüttete unfreiwillig angehalten wurde. So können die Helfer den Verunglückten nach der Lawine schneller finden, als wenn sie sich allein auf das LSV-Gerät des Verschütteten auf Sendebetrieb und ihr eigenes im Suchbetrieb verlassen müssten.

Mehr Sicherheit auf Skitouren

Die vier Gründer Markus Müller, Konstantin Kollar, Moritz Obermeier und Daniel Leppert suchen seit jeher selbst das Naturerlebnis fernab der gesicherten Skigebiete. Den Winterurlaub verbringen die jungen Männer am liebsten auf unberührtem Tiefschnee in den österreichischen Alpen. Trotz Ausrüstung und Vorbereitungsmaßnahmen hatten die Absolventen der Technischen Universität in Hamburg und der Uni Göttingen jedoch das Gefühl, im Ernstfall Verschüttete nicht rechtzeitig finden zu können, wenn es auf einer ihrer Skitouren ein Lawinenunglück gibt.

„Schon nach wenigen Minuten bekommen Verschüttete Atemnot, selbst wenn der Schnee Lufteinschlüsse hat. Dann wird das ausgeatmete CO2 zum Problem. Je nach Situation sinkt nach rund zehn Minuten die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide“, sagt Konstantin Kollar. Der verfestigte Schnee durch die Lawine wird hart wie Beton. Dadurch wird es für die Verschütteten nahezu unmöglich, sich selbst zu befreien. Im Februar will das Team 25 Rettungsdrohnen intensiv im alpinen Hochgebirge testen, bevor PowderBuddy dann offiziell zur Wintersaison 2019 auf den Markt kommt.

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