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EEG-Umlage und Erneuerbare-Energien-Gesetz einfach erklärt

von
Michael Penquitt

Fast jeder hat schon von dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und der EEG-Umlage gehört. Aber was hat es damit auf sich? aio beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ein Strommast auf einem Feld, aufgenommen aus der Vogelperspektive.
Wo kommt der Strom her, der hier durch die Leitung fließt? Das EEG soll dafür sorgen, dass es regenerative Energiequellen sind. Foto: Getty Images/EyeEm

Das erfahren Sie gleich:

  • Was nach dem EEG zu den Erneuerbaren Energien zählt
  • Warum Strom aus regenerativen Energiequellen gefördert wird
  • Wieviel Geld Betreiber von Photovoltaik-Anlagen bekommen

Die Elektroautos geben derzeit viel Grund zur Hoffnung und sind ein elementarer Bestandteil der angestrebten Energiewende. Im Gegensatz zu klassischen Verbrennern mit Diesel oder Benzin stoßen sie lokal keine CO2-Emissionen aus und tragen so zum Schutz unserer Umwelt bei. Daher fördert die Bundesregierung derzeit den Kauf eines solchen E-Autos mit einer Umweltprämie.

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Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Ob das Elektrofahrzeug im Verbrauch tatsächlich umweltfreundlich ist, hängt von dem Strom ab, der das Auto antreibt. Wo kommt die Energie her? Und wie wurde der Strom hergestellt? Das sind die entscheidenden Fragen.

Der Schlüssel zu echtem Klimaschutz sind sogenannte erneuerbare Energien – darüber sind sich alle einig. Das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien, im Volksmund Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG genannt, soll den grünen Strom fördern, damit wir in Zukunft nicht mehr von umweltbelastenden fossilen Brennstoffen abhängig sind.

EEG: Was zählt zu den erneuerbaren Energien?

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wird die Erzeugung von Strom aus den folgenden erneuerbaren Energieträgern gefördert:

  • Wasserkraft
  • Windkraft
  • Solarenergie (z.B. Photovoltaik)
  • Geothermie
  • Biomasse

Der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung steigt von Jahr zu Jahr: Im vergangenen Jahr waren es laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme bereits etwas über 40 Prozent. Der größten Anteil davon entfällt auf die Windenergie. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil bei nur 16 Prozent. Dieses Wachstum ist mit Sicherheit auch ein Verdienst des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Wie funktioniert das EEG?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist erstmalig im Jahr 2000 in Kraft getreten und wurde seitdem mehrmals überarbeitet – zuletzt 2017. Das Gesetz dient mehreren klar definierten Zwecken. Es soll...

  • im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung ermöglichen
  • langfristig die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung verringern
  • fossile Energieträger schonen
  • die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien fördern

Unter der Angabe von Zwischenzielen sollen so bis 2050 mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen. Und das funktioniert so: Das EEG verpflichtet alle Netzbetreiber, vorrangig Strom aus erneuerbaren Energien abzunehmen. Der Preis, den Anlagenbetreiber pro Kilowattstunde Ökostrom erhalten, liegt in der Regel deutlich über dem Marktpreis.

Damit soll gewährleistet werden, dass weiterhin verstärkt in den Ausbau von Ökostrom produzierenden Anlagen investiert und die Energiewende vorangetrieben wird.

Ist Strom aus regenerativen Energiequellen etwa unrentabel?

Würde man Ökostrom erzeugen, um ihn anschließend zu verkaufen, würde man ohne das EEG tatsächlich eher Verlust machen. Dass Erneuerbare-Energien-Technologien sich finanziell allein genommen nicht rechnen, wenn man den durch sie erzeugten Strom ins Stromnetz speist, liegt an der Art und Weise, wie sich der Strompreis in Deutschland üblicherweise berechnet.

Die Strombörse orientiert sich an den laufenden Kosten bei der Stromerzeugung. Und die sind bei beispielsweise PV-Anlagen sehr niedrig, weshalb Ökostrom eigentlich für wenig Geld zu haben ist.

Was hier zu Buche schlägt, sind eher die hohen Investitionskosten für eine solche Anlage, die ohne die EEG-Förderung nicht ausgeglichen werden könnten. Diese taucht in Form der EEG-Umlage auf, die auf den regulären Strompreis aller Verbraucher gerechnet wird. Die Höhe der Umlage wird regelmäßig durch die Übertragungsnetzbetreiber festgelegt und beträgt für das Jahr 2019 6,405 Cent pro Kilowattstunde.

Seit der EEG-Novelle aus dem Jahr 2017 gibt es zudem eine Neuerung: Die Höhe der Förderung, die bei den Anlagenbetreibern ankommt, wird durch teils internationale Ausschreibungen festgelegt. Wer anbietet, Strom aus Solarenergie, Windenergie oder Biogas mit möglichst niedriger Förderung zu erzeugen, hat die besten Chancen, den Zuschlag zu erhalten. Trotz eines deutlichen Wachstums der erneuerbaren Energien ist die EEG-Umlage dadurch stabil geblieben und ist nicht weiter gestiegen.

Greift das EEG auch bei der Photovoltaik-Anlage auf meinem Dach?

Sollten Sie eine Solaranlage installiert haben, die Ihren Haushalt komplett autark mit Strom versorgt, bekommen Sie keine zusätzliche Förderung durch das EEG. Nur falls Sie die überschüssige Energie ins Stromnetz einspeisen, gibt es ein wenig Geld. Doch auch so amortisieren sich die Kosten für eine solche Anlage in der Regel innerhalb von 10 bis 15 Jahren.

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Anders bei zu Mietshäusern gehörenden PV-Anlagen: Hier kann der Betreiber der Anlage den Mieterstromzuschlag geltend machen, der im EEG der aktuell geltenden Fassung von 2017 verankert ist. Pro gelieferter Kilowattstunde bekommt der Betreiber mehrere Cent Förderung. Meistens handelt es sich bei diesem um einen professionellen Stromlieferanten oder die Stadtwerke, denen die Dachfläche vom Vermieter zur Verfügung gestellt wird.

In dem Fall schließen die Mieter wie gewohnt einen Vertrag mit ihrem Stromanbieter ab. Anschließend können sie in aller Regel indirekt von der Förderung profitieren und mit einem niedrigeren Strompreis rechnen, da der Betreiber die Förderung in den Strompreis einfließen lässt. Die Regelung gilt allerdings nur für Photovoltaik-Anlagen, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 2017 installiert wurden. Weitere Informationen zum Mieterstromzuschlag finden Sie auf der Seite der Bundesnetzagentur.

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