Technik

EEG im Job: Chinesische Firmen messen Hirnströme ihrer Arbeiter

von
Paul Bandelin

In China überwachen einige Firmen die geistigen Aktivitäten ihrer Beschäftigten. Angeblich dient das Hirn-Tracking nur dem Gesundheitsschutz.

Vor einem orangen Hintergrund ist eine aufgeschnittene Walnuss zu sehen.
Harte Nuss: Ob EEG-Messungen wirklich Aufschluss über Emotionen geben, ist umstritten. Foto: Pixabay/ulleo

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Unternehmen Gehirn-Tracking und künstliche Intelligenz kombinieren
  • Wieso das Screening chinesische Arbeiter vor psychischen Erkrankungen schützen soll
  • Wie die Überwachung in China immer weiter zunimmt

Tracking und künstliche Intelligenz

Allein die Vorstellung, den Chef im Nacken sitzen zu haben, treibt in Deutschland vielen Arbeitnehmern schon den Angstschweiß auf die Stirn. Was aber, wenn er noch einen Schritt weitergeht und sich im Kopf einnistet? Chinesische Unternehmen sind dabei, diese von der Regierung unterstützte Schreckensvision nach und nach im eigenen Land zu etablieren – unter dem Deckmantel der Gesundheit.

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Mittels eines EEG werden dabei die Hirnströme der Arbeiter gemessen, berichtet die South China Morning Post. Unterschiedliche Firmen setzen die Technologie bereits ein. Wie viele es genau sind, darüber gibt es keine detaillierten Informationen. Fest steht hingegen nur, dass sie aus den Bereichen Militär, Elektrotechnik und dem Bahnwesen in China kommen.

Die ultraleichten Helme der Arbeiter sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet: Das Tracking liest aber nicht wirklich Gedanken. Die Hirnwellen werden drahtlos an einen Computer übertragen. Der analysiert mithilfe künstlicher Intelligenz, ob die kognitiven Aktivitäten auf eine Negativemotion schließen lassen – beispielsweise eine drohende Depression oder Angst.

Hirnscan soll Chinas Arbeiter schützen

Das Werkzeug, mit dem die Unternehmen ein neues Level der Überwachung über ihr Team bekommen, ist jedoch noch nicht vollends ausgereift. So herrscht in der Neurowissenschaft nach wie vor Uneinigkeit darüber, in welchem Maße die beim EEG gemessenen Hirnwellen einen Aufschluss über die menschliche Emotion geben können.

Einige Jobs bedürfen einer hohen Konzentration – dort ist kein Raum für Fehler.

Jin Jia, Universität Ningbo

Offiziell hat die Technologie eine prophylaktische Wirkung. Bei den Arbeitern sollen Probleme erkannt und behandelt werden, noch bevor sie sich vollständig ausgeprägt haben und so eine Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. Wird eine anhaltende Negativemotion festgestellt, reagiert das Unternehmen darauf.

Jin Jia, Privatdozentin an der Universität Ningbo, die in das Projekt involviert ist, meint dazu: „Spricht das System eine Warnung aus, bekommt der betreffende Arbeiter einen oder zwei Tage frei, oder er wird an einen weniger kritischen Posten versetzt.“

Berichten zufolge läuft das System schon länger und kann erste Erfolge vorweisen. Der Elektro-Konzern State Grid Zhejiang Electric Power beispielsweise konnte seinen Umsatz in den vergangenen vier Jahren um zwei Milliarden Yuan (etwa 260 Millionen Euro) steigern. Laut Cheng Jingzhou, CEO des Konzerns, ein Verdienst der emotionalen Überwachung.

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Ein Angestellter im Anzug sitzt mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen vor seinem Laptop
Angeblich soll das Tracking Angestellte vor Überlastung schützen. Foto: Shutterstock / MemoriesStocker

Auch polizeiliche Überwachung nimmt zu

Die EEG-Überwachung von Arbeitskräften ist in China nur die Spitze des Eisbergs. Privatsphäre hat hier traditionell keinen besonderen Stellenwert und wird auch jetzt wieder immer weiter eingeschränkt. Chinas Regierung erhöht in den kommenden Jahren die Zahl der öffentlichen Kameras drastisch, überwacht soziale Aktivitäten und schränkt das Internet ein.

Ob die erhobenen Daten noch für weitere Angelegenheiten verwandet werden, ist nicht bekannt. Regierung und Wirtschaft halten sich dahingehend bedeckt. Zu Unstimmigkeiten zwischen zwischen Betrieb und Arbeitnehmer soll es hingegen nicht kommen: „Anfangs dachten die Arbeiter, wir könnten ihre Gedanken lesen. Deshalb kam es zu Unbehagen und Ablehnung. Mittlerweile haben sich aber alle daran gewöhnt“, sagt Jin Jia.

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