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ecoRobotix: Weniger Herbizid dank autonomen Unkrautvernichtern

von
Paul Bandelin

Ein mechanischer Rover soll in der Schweiz ab 2019 die Unkrautvernichtung auf den Feldern übernehmen – so soll die Landwirtschaft umweltschonender werden.

Ein Acker mit jungen Pflanzen.
Unkrautbekämpfung ist teuer und aufwändig – zumindest bisher. Foto: Shutterstock / igorstevanovic

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein neuer Rover die Unkrautvernichtung effektiver machen soll
  • Warum Smart Farming die Zukunft ist
  • Wie das Start-up Blue River ebenfalls einen intelligenten Traktor baut

Das Schweizer Unternehmen ecoRobotix hat einen Rover entwickelt, der eine schonende Landwirtschaft ermöglichen soll – und das Leben der Farmer nachhaltig verändern könnte. Der Roboter kann bis zu 12 Stunden am Tag autonom über die Felder rollen.

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Dabei identifiziert er per Kamera Unkraut, das zwei Roboterarme gezielt mit einer Mikrodosis Herbizid besprühen. Die Schweizer haben die Vision, die Prozesse in der Landwirtschaft umweltschonender zu gestalten. Ein Schutz der Ressourcen und der Umwelt ist das Ziel.

Effektivere Unkrautvernichtung durch neuen Rover

Laut den Herstellern in der französischsprachigen Schweiz, genauer gesagt in Yverdon-les-Bains, verbraucht der Rover bis zu zwanzigmal weniger Herbizide als herkömmliche Geräte, wie Traktoren oder Flugzeuge. 2019 soll er auf den Markt kommen und könnte in der Landwirtschaft für einen Paradigmenwechsel sorgen.

Wie kann man Robotertechnik einsetzen und künstliche Intelligenz, um die Negativfolgen der Landwirtschaft auf die Umwelt einzudämmen?

Steve Tanner, Ingenieur und Miterfinder des Rover bei ecoRobotix

Denn oftmals müssen Farmer viele teure Herbizide von den großen Landwirtschaftsmoguln kaufen und dabei tief in die Tasche greifen. Der deutsche Chemieriese BASF hat bereits Investitionen in das Unternehmen angekündigt.

Smart Farming ist die Zukunft

Der Rover ist mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet, die beim Passieren der jeweiligen Pflanzen unmittelbar erkennt, was sich unter ihr befindet und dann ein Herbizid abgibt – Smart Farming ist die Zukunft. Landmaschinen werden zunehmend autonom.

Das 130 Kilogramm schwere Fahrzeug mit zwei großen Solarmodulen ist robust gebaut: Das Design erinnert etwas an eine Tischtennisplatte. Um voranzukommen, sind an den vier Beinen jeweils Räder montiert, die den Rover durch die Ackerfurchen führen. Mittels GPS navigiert er sich durch die engen Pflanzenreihen und das – dank der Solarmodule auf dem Rücken – sogar bis zu zwölf Stunden am Stück.

Über ein Smartphone lässt er sich zudem aus der Ferne steuern. Um von einem Feld zum nächsten zu gelangen, lädt ein Traktor den Rover einfach auf. Die Bauern sparen so Kosten – Herbizide und Arbeitskraft –, und auch die Umwelt profitiert von der Schweizer Erfindung.

Landwirte und Unternehmen mit besonders großen Ackerflächen nutzen sogar Flugzeuge, um Unkrautvernichtungsmittel und Pestizide über die Felder zu verteilen. Das geht zwar schnell, verbraucht aber bedeutend mehr Chemikalien als eigentlich nötig. Diese Gifte landen dann im Grundwasser, von wo aus sie schnell den Weg ins Trinkwasser finden.

Der autonome Rover ecoRobotix.
Der ecoRobotix fährt, angetrieben durch die Sonne, völlig autonom. Foto: ecoRobotix Ltd

Start-up Blue River entwickelt intelligenten Traktor

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Rover ein Modell für die Zukunft ist. Das Start-up Blue River befasst sich mit dem gleichen Thema, hat aber eine andere Herangehensweise. Die dortigen Ingenieure haben einen Traktor samt Anhänger entwickelt, der Unkraut automatisch erkennt und besprüht.

Er läuft zwar nicht komplett autonom, verfügt dafür aber über andere Qualitäten. So kann er jede Art von Pflanze, über die er fährt, sofort identifizieren. Er nimmt nicht nur die Anzahl wahr, sondern klassifiziert sie auch exakt. Eine ähnliche Präzision legt eine autonome Spargelernte-Maschine an den Tag.

Bei der Umsetzung eines autonomen Roboters zur Unkrautbekämpfung ist die größte Herausforderung die Erkennung des Unkrauts.

Steve Tanner, Ingenieur und Miterfinder des Rover bei ecoRobotix

Laut den Machern ist dank dieser Technologie eine Einsparung von bis zu 90 Prozent der Herbizide möglich. Eine auf dem Traktor sitzende Person schafft zudem an einem Tag die Arbeit von acht bis zehn Menschen.

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Die neuartigen Technologien machen es möglich, dass nur ein Bruchteil der derzeit produzierten Pestizide auch wirklich auf den Feldern landen müsste. Farmer könnten in Zukunft mit einem Traktor oder Rover erheblich viel Geld sparen, müssten aber vorab viel in die Maschine investieren – was kompliziert ist, da viele Landwirte seit Jahren rückläufige Einnahmen haben. Es wäre somit ein finanzielles Vabanquespiel, das viele nicht gewinnen können.

Ein weiteres Problem vieler Landwirte ist, dass die Unkräuter Resistenzen gegen die Herbizide entwickeln und somit immer mehr und neue Gifte nötig sind – ein Teufelskreis.

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