Elektromobilität

EcoKart: Elektro-Go-Karts machen E-Mobilität in Portugal populär

von Michaela Gerganoff

In Portugal gibt es keine Bahn mit Elektro-Go-Karts. Wir haben António Pereira getroffen, der mit EcoKart Portugal diesen Zustand verändern möchte.

Mehrere leere EcoKarts auf einer Kartbahn.
Kart trifft Umweltschutz: In Portugal sind Elektro-Go-Karts auf der Mini-Rennstrecke angekommen. Foto: Shutterstock / Mark_KA

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie mit EcoKart jedes Go-Kart elektrisch werden soll
  • Warum Elektro-Go-Karts noch mehr Fahrspaß versprechen als das herkömmliche Go-Kart
  • Wie António Pereira aus seinen Eco-Kart-Events eine Art Mini-Formel-E machen will

António Pereira ist vernarrt in Go-Karts. Die lauten Verbrenner-Motoren in den klassischen Mini-Rennwagen kann er aber nicht mehr mit seinem Gewissen vereinen. Deshalb veranstaltet er seit 2005 Eco-Kart-Events – seit 2011 sind seine Events frei von Verbrennern.

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Mit aio hat der EcoKart-Gründer über Elektro-Go-Karts in Portugal, den Umbau von alten Go-Karts, Eco-Events rund um das Thema Elektromobilität und den Sound für das leise Eco-Kart gesprochen.

aio: Wie sind Sie zu Karts gekommen?
António Pereira: Schon als kleiner Junge war ich in Sport mit Motoren vernarrt. Aber meine Eltern konnten es mir nicht ermöglichen, Rennen zu fahren. Als ich dann erwachsen war und eine Kommunikations- und Event-Agentur hatte, fing ich an, als Amateur Karts zu fahren. Zufällig habe ich dann auch seit 2000 jahrelang ein VIP-Go-Kart-Event für den Standort Portugal organisiert. Und 2005 war ich für eine Eco-Kart-Veranstaltung in Lissabon zuständig. Das war der Moment, als in meinem Kopf ein Hebel umgelegt wurde: "Polluting for fun? No way!". 1 Liter verbranntes Benzin sind 2,6 kg Carbon!

Wie war die Technik damals?
Rückblickend gesehen waren diese Modelle noch keine echte Alternative: Sie bestanden aus bleihaltigen Batterien, fuhren nur 20 Minuten und mussten dann sechs Stunden wiederaufgeladen werden. Die Ladegeräte waren riesig – so groß wie Kühlschränke!

EcoKart: Das Go-Kart wird elektrisch

Und wie ging es dann weiter?
2008 hörte ich mit der großen Go-Kart-Veranstaltung auf. Ab 2011 bin ich dann auch keine Rennen mehr gefahren. Ich konnte das nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Immer wieder sprach ich mit Verantwortlichen bei Unternehmen darüber, aber ich stieß überwiegend auf taube Ohren. 2015 sagte mir eine Bekannte: „António Pereira, jetzt ist die Zeit reif für EcoKart!“ Sie ist jetzt die Patin des Projekts.

Es gibt tausende von Go-Karts weltweit. Was soll man mit denen machen? Verschrotten?

Was ist denn das Ziel von EcoKart Portugal?
Es ist mehr eine Plattform, kein Unternehmen. Im Grunde sind wir eine Art Nachhaltigkeits-Botschafter mit mehreren Missionen: Wir zeigen, dass Elektro nicht erst die Zukunft ist, sondern schon die Gegenwart. Anders als in Deutschland gibt es in Portugal noch keine einzige Elektro-Kartbahn. Wir wollen die Besitzer der 30 Indoor Kartbahnen davon überzeugen, dass sie ihre Fahrzeuge auf Elektro umrüsten. Dabei kooperieren wir mit Universitäten, wie dem Lisbon Engineering Institut. Es gibt tausende von Karts weltweit. Was soll man mit denen machen? Verschrotten? Neue kaufen? Das ist keine nachhaltige Lösung – ein irre großer Fußabdruck. Wir bieten an, das bestehende Kart zum Preis eines neuen Benziners umzurüsten.

Von welchem Betrag sprechen wir?
Ein qualitativ hochwertiges Go-Kart kostet in Portugal etwa 6500 Euro plus Steuern. Das ist die Summe, die man investieren muss. Ohne Extras, wie Remote Control usw. Ein Eco-Kart ist ein Computer auf Rädern! Aber wir bieten dazu zwei Sets Batterien an, damit immer eines laden kann, während das andere fährt.

Antonio Pereira in einem EcoKart.
António Pereira in einem seiner grünen EcoKarts. Foto: Ecokart Portugal

Voller Fahrspaß mit Elektro-Go-Karts

Mich interessieren auch technische Details.
Gerne! Das Kart hat einen 10 Kw Motor mit 15 Kw Spitze. Besitzern einer Kartbahn empfehlen wir zur Sicherheit 75 Ampere Batterien mit einem 105 oder 140 Ampere Ladegerät. In einer Indoor Kartbahn – da besteht der dringendste Handlungsbedarf wegen der hohen Emissionen – fahren sie 45 Minuten. Die andere Batterie braucht 32-40 Minuten Ladezeit. Das ist schon ein Riesenschritt, wenn man bedenkt, dass man vorher zwei Flotten benötigte: eine im Gebrauch und die andere an der Steckdose.

Wie hoch sind die Stromkosten?
Die regulären Mietkarts kosten 6 Euro pro Stunde an Benzin. Nach der Umrüstung ist es nur noch 1 Euro! Mit Solarpanels noch weniger. Das kann man auch an die Nutzer weitergeben.

Sobald man losfährt, steht die volle Kraft zur Verfügung

Ist das Fahrvergnügen im Elektro-Go-Kart anders?
Im Vergleich zum Benziner: viel mehr Spaß! Man hat sofort Power! Sobald man losfährt, steht die volle Kraft zur Verfügung. Das ist man bei einem Verbrennungsmotor gar nicht gewohnt – da muss die Power in einer binären Kurve erst aufgebaut werden. Der Motor muss quasi aufheulen, damit man die Spitze erreicht. Bei Eco-Karts programmieren wir sogar eine Negativkurve, da man für den Start mehr Kraft braucht und danach weniger. Sobald man etwa 60 km/h erreicht hat, braucht man weniger Energie mit dem positiven Nebeneffekt: Man fährt länger autonom.

Zwei EcoKarts mit EcoKart-Gründer Antonio Pereira.
Grün – innen und außen. Die Elektro-Go-Karts von EcoKart machen den Mini-Rennsport umweltfreundlich. Foto: Ecokart Portugal

Eco-Karts: Von Öko-Rennen und der Mini-Formel-E

Herr Pereira, welche anderen Aktivitäten verfolgen Sie mit EcoKart Portugal?
2016 hat das erste Elektro-Kart – von dem ich weiß – an einem 24 Stunden-Rennen teilgenommen. Dieses System haben wir in einen Zweisitzer gebaut. Den Prototyp haben wir im März präsentiert,. Damit machen wir jetzt eine Roadshow. Wir veranstalten "Solidarity Eco Lapse" und "Green Experience", um die Öffentlichkeit für Elektromobilität zu sensibilisieren.

Für die "Solidarity Eco Lapse" bauen wir eine kleine Strecke und dann darf man neben unserem Fahrer ein paar Runden drehen – gegen eine Spende für wohltätige, sozialen Organisationen und Verbänden, die das Geld dringend benötigen. Die "Green Experience" ist eine Nummer größer, da bringen wir die Elektro-Welt zusammen: E-Bikes, Elektro-Roller, Elektroautos, Solarautos, verschiedene Lademöglichkeiten, wie Strom und Solartechnik. Übrigens sind beide Veranstaltungen Teil der offiziellen "Green European Mobility Week".

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Wie finanzieren Sie sich?
Das ist nicht ganz einfach. Wir brauchen wirklich viel Geld. Allein der Prototyp lag bei 10.000 €. Wir sind in Gesprächen mit Sponsoren und beantragen Förderprogramme für den Sport. Nächstes Jahr wollen wir das "EcoKart Race" veranstalten. Eine Art Mini-Formel-E: Rennen innerhalb der Städte, an 4-6 Standorten in Portugal. Es sind alles Team-Rennen, denn Teamgeist ist uns ganz wichtig, inklusive einem Modell für Paraplegiker. Das passen wir extra an. Und rundherum findet das "Green Experience"-Event statt.

Ich kann Dir jeden Sound einbauen, von Astin Martin über Ferrari. Sogar Mozart.

Aus Ihrer Erfahrung – womit lassen sich Ihre Gesprächspartner überzeugen?
Der erste Schritt ist erreicht, wenn man sie ins Eco-Kart setzt und eine Runde dreht. Dann ist schon die Hälfte der Vorurteile ausgeräumt. Es gibt immer Einwände wie: "Aber Senor Pereira, mir fehlt das Motorröhren". Dann antworte ich immer: "Ich kann jeden Sound einbauen, von Astin Martin über Ferrari. Sogar Mozart."

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