Elektromobilität

E-Tretroller: Sind die Verleiher schuld an den vielen Unfällen?

von
Marten Zabel

In den USA sind elektrische Tretroller voll im Trend. Doch fehlende staatliche Regulierungen sorgen für eine Welle von Verletzungen mit den E-Scootern.

Eine Frau auf einem E-Tretroller auf dem Fahrradweg – im Hintergrund sind parkende Autos zu sehen.
Wer wann und in welchem Alter oder Zustand E-Tretroller fährt, das kontrollieren die Hersteller-Firmen kaum. Foto: Shutterstock / Stav krikst

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum besonders in den USA die Zahl der Unfälle auf Scootern mit Elektroantrieb steigt
  • Weshalb Nutzer die Gefahren der E-Tretroller unterschätzen
  • Wie Jugendliche in den USA trotz gesetzlichen Restriktionen an die Elektro-Tretroller kommen
  • Warum bei den Firmen vor allem die Sicherheit im Fokus stehen sollte

Die Notaufnahmen der USA haben in diesem Sommer eine ungewöhnliche Welle von Verletzungen aus Verkehrsunfällen verzeichnet, die sich auf den Boom der Elektroscooter-Branche zurückführen lässt. Gebrochene Handgelenke und Schultern, Schädeltraumata, zertrümmerte Nasen und Gesichtsknochen sind das Resultat des neuen Fortbewegungsmittels, das in den meisten Städten praktisch keine Regulierung kennt.

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Die Anbieter der elektrischen Leihroller verteilen ihre PLEVs (Personal light electric vehicle) zu Tausenden auf die Großstädte der USA und inzwischen auch in europäischen Städten wie Paris und Wien. Und die Betreiber machen es den Nutzern dort sehr einfach. Lediglich bei Registrierung müssen Nutzer einen Führerschein vorweisen, danach können sie ohne Helm und ohne echte Einweisung aufsteigen und losfahren.

Gefährlich unterschätzte E-Tretroller

Die Folgen sind zum Teil fatal. Die Gefahr im Stadtverkehr ist ähnlich groß wie bei einem Motorrad, allerdings ohne dass Schutzkleidung verpflichtend wäre.

Außerdem unterschätzen Nutzer die Gefahr häufig, weil die E-Tretroller eher aussehen wie Spielzeug. Ein Tutorial als App und ein paar Aufkleber mit Sicherheitshinweisen auf den Rollern ersetzen eben keinen Kurs zur Benutzung eines Kraftfahrzeugs.

Die Scooter-Firmen sichern sich in den USA ab:

  • Sie betreiben Lobbyarbeit gegen staatliche Regulierungen
  • Sie machen es zum Teil der Nutzungsbedingungen, dass sie nicht verklagt werden können
  • Sie betonen, dass Sicherheit einen hohen Stellenwert habe

Dagegen spricht aber, dass sich die Unternehmen in vielen Fällen weigern, zumindest das Alter ihrer Kunden zu überprüfen. Und die Wartung der Fahrzeuge durch ein loses Netzwerk von Amateuren sorgt zum Teil ebenfalls für Probleme, da Mängel wie etwa defekte Bremsen erst durch einen Mieter entdeckt und gemeldet werden müssen – im schlimmsten Fall also, wenn es schon zu spät ist.

Jugendliche nutzen die Elektro-Scooter

Auch die Alterskontrolle funktioniert bei den Anbietern nach dem gleichen Prinzip wie etwa beim Eröffnen eines Google-Accounts oder eines Profils auf Facebook: Mit der Nutzung versichert der Kunde, 18 oder älter zu sein – mehr Überprüfung gibt es nur bei wenigen Diensten in den Städten, die dies explizit durchgesetzt haben.

Entsprechend gibt es in vielen Gegenden eine große Zahl Jugendlicher, die auf riskante Art mit den Rollern durch die Stadt fahren, ohne dies eigentlich zu dürfen. Die Polizei kontrolliert die jungen Fahrer zwar vielerorts, die Betreiber wollen ihre Nutzungszahlen – und die Einnahmen – aber nicht mit Überprüfungen senken.

Elektro-Tretroller: Fokus auf die Sicherheit

Die Elektro-Scooter verbinden die Elektromobilität mit dem inzwischen wieder abgeflauten Hype um kurzzeitig leihbare Fahrräder. In Deutschland sind die rechtlichen Bedingungen für die Fahrzeuge schwieriger als in den USA – hier scheitert es derzeit noch an einer Zulassung als Fahrzeugklasse.

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Theoretisch brauchen die Fahrzeuge hierzulande ein Versicherungskennzeichen und der Fahrer einen Führerschein, sobald die elektrischen Geräte schneller als sechs Kilometer pro Stunde fahren können. Das Fahren auf Fuß- und Radwegen ist zudem verboten – wenngleich viele Nutzer ihre Privatroller genau dort einsetzen.

Die Branche ist trotz aller Hindernisse im Wachstum. Großunternehmen wie Uber und Google haben in die Start-ups investiert und erhoffen sich die Eroberung der städtischen Mobilität auf Kurzstrecken. Damit dabei nicht nur der Profit, sondern auch die Sicherheit im Auge behalten wird, müssen die Behörden Regeln aufstellen und Verstöße hart sanktionieren. Sonst sind weiterhin leicht vermeidbare Unfälle das Resultat der E-Scooter. Schließlich soll das Fahren mit E-Scootern Spaß machen – und nicht gefährlich sein.

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