Elektromobilität

E-Scooter: Erster Sharing-Dienst startet in Bamberg

von Thomas Pitscheneder

Schnell mit einem elektrischen Fahrzeug durch die Stadt fahren? Sharing-Dienste für E-Scooter machen das möglich. Hier geht es bald in Deutschland los.

E-Scooter auf dem Weg durch die Stadt.
Wer bald mit dem E-Scooter durch deutsche Städte fahren möchte, muss nicht zwingend ein eigenes Exemplar kaufen. Sharing-Dienste bringen sich bereits in Stellung. Foto: Shutterstock / Leika production

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Sharing-Systeme die Mobilität in Städten revolutionieren
  • Welche Anbieter in Deutschland E-Scooter verleihen wollen
  • Warum sie alle noch auf die Bundesregierung warten

Ein Fahrzeug leihen, statt es zu besitzen: Dieses Konzept hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Vorreiter waren hierbei Anbieter für Carsharing. Car2Go, DriveNow & Co. sind mit ihrem Angebot sehr erfolgreich. Der Markt wuchs so stark an, dass in großen Städten wie Berlin, München und Hamburg mittlerweile an jeder Ecke ein Fahrzeug mit Motor steht, das sich schnell buchen lässt. Doch damit nicht genug, denn Dienste wie Coup und Emmy verleihen auch E-Roller für wenige Kilometer. Das kann eine Alternative für den öffentlichen Nahverkehr sein.

Doch moderne Mobilität startet nicht erst bei Autos und Rollern, sondern fängt schon im Kleinen an. Nicht zuletzt deshalb erfreuen sich E-Scooter steigender Beliebtheit. Nachdem bald auch die StVZO-Zulassung gegeben ist, wollen Sharing-Anbieter den Dienst für Scooter aufnehmen. Eine US-Firma fängt schon etwas früher an – in Bayern.

E-Scooter zur Miete: Flexibel mobil in der City

In den USA und in Teilen von Europa funktioniert das Konzept bereits sehr gut: Per App reservieren sich Nutzer einen E-Scooter in der Nähe. Am Gefährt angekommen lässt es sich innerhalb weniger Sekunden entsperren und die Fahrt kann beginnen. Die Abrechnung erfolgt dabei meist auf die Minute genau. Am Zielort angekommen, lässt sich die Miete über das Smartphone beenden.

So lassen sich in erster Linie die letzten Meter zum Zielort überbrücken. Die faltbaren Roller zum Treten sind deshalb auch als "Last Mile Vehicle" bekannt. Die Herstellung übernehmen zum Teil bekannte Firmen wie Segway, aber auch zahlreiche Start-ups. Manche davon stammen aus dem Silicon Valley, wo die E-Scooter nicht nur auf dem Arbeitsweg zum Einsatz kommen, sondern oft auch innerhalb großer Firmengebäude.

Scooter-Sharing bald auch in Deutschland

Damit diese schnelle Art der Fortbewegung auch hierzulande Einzug hält, bemühen sich mehrere Firmen um den Aufbau von Geschäftsgebieten in Deutschland.

Bird: Frei wie ein Vogel – zunächst in Bamberg

Die Scooter von Bird lassen sich ganz einfach per Smartphone-App anmieten. Einen ersten Probelauf in Deutschland plant die US-Firma bereits in wenigen Tagen – im bayerischen Bamberg. Ausgewählte Tester sollen so kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen können.

Um das Problem der fehlenden Zulassung zu umgehen, kommen die E-Scooter per Sonderzulassung auf die Straße. Kommt endlich der Startschuss für den Betrieb der Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr, stockt Bird auf 100 Roller auf und öffnet den Dienst für alle Nutzer der App – also auch für alle rund 76.000 Einwohner von Bamberg.

Der Dienst hat keine festen Stationen, sondern schickt seine elektrischen Tretroller durch die ganze Stadt. Damit sich die Nutzer dabei nicht verletzen, startet das Unternehmen immer wieder Aktionen. Für über 50.000 Kunden gab es deshalb etwa einen kostenlosen Helm.

Weil in den USA die großen Massen an Rollern Straßen, Wege und Parks verstopfen, sollen Bird-Mitarbeiter in Bamberg regelmäßige Kontrollfahrten unternehmen. Außerdem will das Unternehmen die Scooter täglich um 21 Uhr einsammeln und gegebenenfalls reparieren.

Selbst wer den Dienst nicht aktiv nutzt, kann davon profitieren. Bird baut dafür eine Auflade-Community auf, deren Mitglieder eine kleine Vergütung bekommen, wenn sie die Akkus der Roller über Nacht bei sich zu Hause aufladen lassen.

Wind: E-Scooter-Sharing aus und für Berlin

Hinter dem neuen Dienst Wind steckt ein Unternehmen aus der deutschen Hauptstadt. Der Firmenname Byke lässt bereits vermuten, dass dahinter ein Verleih von Fahrrädern steckt. In Frankfurt, Berlin, Duisburg, Mülheim und Essen lassen sich bereits seit längerer Zeit Räder für die Stadt per Smartphone-App mieten. Jetzt kommt auch ein Roller-Sharing dazu.

In den USA läuft der Dienst bereits, eine Frühfinanzierung spülte kürzlich knapp 20 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Die sind für den Aufbau einer Infrastruktur in Europa gedacht. Dazu dürfte auch die Heimat Berlin gehören. Praktisch bei Wind: Durch das Freeflow-System lassen sich die Roller überall abstellen und anmieten. Das Entsperren erfolgt per Bluetooth.

Bird arbeitet an der steten Vergrößerung seiner Lade-Community, über die sich Geld verdienen lässt. In über 100 Städten ist das Sharing bereits am Start.

Tier Mobility: Noch ein Start-up aus Berlin

Die Scooter von Tier Mobility rollen bisher nur durch die Innenstadt von Wien. Dort startete das Unternehmen im Oktober seinen Dienst. Doch das soll nur der Anfang sein, denn die Firma will ganz Europa erobern. Dafür sicherte man sich Tier Mobility 25 Millionen Euro von Investoren. Das Geld soll den Marktstart in weiteren Ländern ermöglichen.

Neben einer Grundgebühr in Höhe von einem Euro kostet die Minute 15 Cent. In welchen Städten Tier Mobility in Deutschland starten möchte und welche Anzahl von Roller dabei zur Verfügung stehen soll, verrät das Unternehmen bisher nicht.

Lime: Elektro-Roller mit Startschwierigkeiten

Ähnlich wie bei Byke, liegt die Kernkompetenz von Lime eigentlich im Verleih von Fahrrädern. Den gibt es hierzulande etwa in Frankfurt und Berlin. Doch das Unternehmen hat vor wenigen Monaten auch die Vermietung für E-Scooter mit in ihr Angebot aufgenommen.

Kürzlich tauchten allerdings unerwartete Probleme mit einem Modell auf. Der elektrisch fahrende Tretroller konnte unter bestimmten Voraussetzungen zwischen Lenker und Trittbrett brechen. Das stellte natürlich eine Gefahr für die Nutzer dar. Mittlerweile zog Lime die betroffenen Exemplare aber aus dem Verkehr.

Derweil läuft auch bei Lime die Vorbereitung auf einen möglichen Start in Deutschland. Dafür erhielt das Unternehmen eine Finanzspritze von der britischen Investment-Firma Atomico. Auch Lime setzt bei seinem Dienst auf Freeflow, kommt also ohne Stationen aus.

Mytaxi hive: E-Scooter vom Taxidienst

Eher überraschend kommt die Meldung, dass auch Mytaxi ein Stück von diesem neuen Markt erobern möchte. Das Unternehmen aus Hamburg bietet künftig neben Taxifahrten Scooter mit elektrischem Motor an.

Die sollen weniger eine Alternative, als vielmehr eine Ergänzung zum bestehenden Dienst sein. Der Startschuss fällt in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Dort testet das Unternehmen die E-Scooter mit dem Namen hive seit Ende November. Zunächst gibt es “einige hundert” Leihroller, doch die Zahl soll in den kommenden Monaten steigen – bis die ganze Stadt mit den Scootern ausgerüstet ist.

“Lissabon bietet die perfekten Voraussetzungen für den Start von hive. Schon im Vorfeld haben wir sehr offene und konstruktive Gespräche mit der Stadt geführt und gemeinsam die Mobilitätsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger diskutiert. Die hive E-Scooter können umgehend einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der innerstädtischen Verkehrssituation leisten”, so Mytaxi-Chef Eckart Diepenhorst.

Einen Euro kostet die Fahrt bereits ab Aktivierung des Scooters, pro Minute berechnet der Dienst dann 15 Cent obendrauf. Wer also etwa 15 Minuten unterwegs ist, zahlt 3,25 Euro. Ob das Unternehmen zum Deutschlandstart an diesem Preismodell festhält, bleibt abzuwarten.

Straßenzulassung: Entscheidung aus Berlin erwartet

Bisher können die Dienste in Deutschland aber noch nicht fahren. Der Grund dafür liegt in der noch immer fehlenden Zulassung der Scooter. Auf öffentlichen Straßen ist der Betrieb also noch immer nicht möglich. Jetzt geht es nach jahrelanger Wartezeit zum Glück ganz schnell. Eine Regulierung der Bundesregierung ermöglicht es den Nutzern der Elektroroller bald, auch auf der Straße zu fahren.

Dabei gibt es aber einige Einschränkungen. Die maximale Geschwindigkeit darf 20 km/h nicht überschreiten. Auch die Leistung ist begrenzt: 500 Watt sind das Maximum, Scooter mit einem elektrischen System zur Balance dürfen nicht mehr als 1200 Watt haben. Die E-Mobilität ist damit etwas eingeschränkt, für die City reicht das aber allemal. Die Sharing-Anbieter sehen die Regulierung also entspannt.

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