Elektromobilität

E-Mobility in China: Mehr Restriktionen für Verbrenner

von Leonie Butz

Bei E-Mobility steht China derzeit bei der Entwicklung an der Spitze. Umgesetzt hat das die Regierung mit strengen Vorgaben – ein Vorbild für Deutschland?

E-Mobility wie in China – geht das auch bei uns?
Dicke Luft in China: In Großstädten wie Hongkong, Shanghai oder Peking nimmt der Smog überhand. Die Lösung? Elektromobilität. Foto: Unsplash/Yuriy Rzhemovskiy

Das erfahren Sie gleich:

  • China ist das weltweite Vorbild für Elektromobilität
  • E-Mobility dank strenger Regulierungen: Weniger Zulassungen und mehr Einschränkungen für Verbrenner
  • Deutschland hinkt hinterher – aber ist Chinas System hier überhaupt anwendbar?

China, das Land der Elektromobilität

Tief im Osten tut sich gewaltig was bei der Elektromobilität: Bis 2030 wird China 50 Prozent des Weltmarktes für Elektrofahrzeuge ausmachen, schätzt Professor Dr. C. C. Chan, ehemaliger Professor für Ingenieurwesen an der Universität Hongkong. Mit dieser Meinung steht der Mann nicht allein da: Auf dem EVS30, dem Electric Vehicle Symposium in Stuttgart, sind sich die Experten einig: Der Markt der aufgehenden Sonne ist für die E-Mobility extrem wichtig.

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Aber was macht China zu einem so großen Spieler in der Entwicklung der Elektromobilität – besonders da das Land erst vor drei Jahren in den Markt eingestiegen ist? Und kann Deutschland für die eigene E-Mobility-Entwicklung etwas von China lernen?

China rollt den Markt von hinten auf

In China reguliert die Regierung das Wachstum der Autobranche. Restriktionen für klassische Verbrenner machen Neuanschaffung und Nutzung der Autos unattraktiv bis unmöglich. Wer sich etwa ein Auto kaufen möchte, der kommt auf die Warteliste für die Registrierung und das Nummernschild. Mit einem Verbrenner haben die Chinesen aber ganz schlechte Karten, denn damit landen sie ganz unten auf der Liste.

Peking reduziert außerdem die Maximalanzahl der neu zugelassenen Autos weiter. Gab es 2017 noch 150.000 Neuzulassungen in der Stadt, werden es 2018 nur noch 100.000 sein – und das geht allein zulasten der Verbrenner. Die Zahl der Elektroauto-Zulassungen bleibt mit 60.000 auf dem Stand von 2017, bei den Verbrennern sinken die Neuzulassungen hingegen von 90.000 auf 40.000. In ganz China gilt außerdem, dass ein Verbrenner nur sechs Tage in der Woche auf die Straße darf. Von diesen Restriktionen sind E-Autos ausgenommen. Hier stehen der Regierung – freundlich ausgedrückt – nur wenige oppositionelle Hürden im Weg.

Als übergeordneter Grund für die schnelle Entwicklung in China gilt neben den staatlichen Regulierung die Smog-Belastung in großen Metropolen. Aber auch der Wandel innerhalb der Gesellschaft begünstigt die Entwicklung.

Mit diesen Voraussetzungen hat kein Land bessere Chancen, die Elektromobilität schnell und effizient umzusetzen.

Einerseits wird die Mittelschicht immer größer, sagt Prof. Dr. Qing Zhou von der Tsinghua Universität. Immer mehr Menschen können sich einen Zweitwagen leisten – bei den strengen Regelungen der Regierung muss das ein Elektroauto sein. Andererseits sind in China unzählige Kleinst-Wagen mit Elektromotor unterwegs. Die Mini-Mobile sind vor allem für ältere Menschen attraktiv. Denn in China ist ab dem 60. Lebensjahr ein jährlicher Gesundheitscheck verpflichtend, um nicht den Führerschein zu verlieren. Die Mini-Mobile dürfen hingegen auch ohne Führerschein auf die Straße. Zusätzlich machen staatlich Subventionen den Kauf eines Elektroautos attraktiv – ab 2018 gilt das jedoch nur noch für Autos mit einer Mindestreichweite von 150 Kilometern. Mit diesen Voraussetzungen hat kein Land bessere Chancen, die Elektromobilität schnell und effizient umzusetzen.

China rollt den Markt von hinten auf
Von der Smog-Metropole zur Green-City: Mit staatlichen Restriktionen will China an die Weltspitze der E-Mobility. Foto: Unsplash/Denys Nevozhai

Wie in China – geht das?

Aber geht das Konzept auch in Deutschland auf? Viele der Faktoren, die China an die Spitze des Elektromarktes treiben, sind hierzulande nicht anwendbar. Zum einen erstickt das Land nicht in Abgas-Smog, die sichtbare Notwendigkeit von Zero-Emission-Fahrzeugen ist also noch nicht auf dem Niveau von China angelangt. Zum anderen sind staatliche Regulierungen des Marktes in einer sozialen Marktwirtschaft wie Deutschland nicht denkbar.

Außerdem sieht es aber auch in der Gesellschaft anders aus: Wer sich in Deutschland einen Zweitwagen zulegt, überlegt genau, ob es ein Elektroauto werden soll. Denn bisher sind die Autos trotz Umweltprämie noch deutlich teurer als Verbrenner. Zwar ist das auch in China der Fall, aber dort lässt die Regierung den Verbrenner im schlimmsten Fall nicht zu – der Mehrwert des Wagens ist somit mit dem verschwendeten Geld für ein unbrauchbares Auto abzuwägen. Zusätzlich ist in Deutschland keine Auto-Alternative für ältere Menschen notwendig: Wer einen Führerschein hat, der darf bis ans Ende seines Lebens ein Auto lenken. Gesundheitschecks sind hierzulande freiwillig. Senioren sind somit nicht gezwungen, aufs Mini-Elektromobil umzusteigen.

China bildet also kein anwendbares Vorbild für die E-Mobility-Wende in Deutschland. Nichtsdestotrotz, da sind sich die Experten auf dem EVS 30 einig, braucht es eine gewisse Regelung durch die Regierung, um den Markt in die richtige Richtung zu schubsen. Eine Ausweitung der Prämien und Zuschüsse sind hierzulande eher denkbar als Verbote oder Restriktionen. Und da bleibt noch die Frage nach der E-Auto-Quote. Die Europäische Union dementiert derzeit, dass es eine solche Quote geben soll, aber auszuschließen ist sie deshalb nicht. Die Elektromobilität in Deutschland würde sie aber in jedem Fall ankurbeln.

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