Elektromobilität

E-Mobilität im Fuhrpark: Was Flottenmanager wissen sollten

von Peter Michaely

Fuhrparks auf E-Autos umzustellen, stellt Flottenbetreiber vor große Herausforderungen. aio zeigt, wie es trotzdem funktionier – und wie Mischformen helfen.

Parkplätze, die teilweise von Autos belegt sind, teilweise nicht.
Der Firmenwagen als E-Auto – Chancen und Risiken. Foto: Shutterstock / non c

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Elektrofahrzeuge Fuhrparkmanager vor große Herausforderungen stellen
  • Wie abhängig die Umstellung von den jeweiligen Nutzerprofilen ist
  • Warum Mischformen durchaus sinnvoll sein können

Der Bundesverband Fuhrparkmanagement (BVF), dessen Sitz in Mannheim ist, vertritt die Interessen von rund 400 Firmen, Organisationen und Kommunen. Darunter befinden sich Pharma-Riesen wie Boehringer Ingelheim, die Stadt Bonn, der FC Schalke 04 oder SOS Kinderdorf.

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Die Fuhrparkgröße der Mitglieder liegt zwischen fünf und 22.000 Fahrzeugen. Doch ob klein oder groß: Eine Umstellung auf Elektromobilität stellt Flottenmanager vor große Herausforderungen.

E-Fahrzeuge können nicht einfach gekauft und in bestehende Fuhrparks integriert werden.

Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement

Aufbau der Infrastruktur und Fuhrparkmanagement

"E-Fahrzeuge können nicht einfach gekauft und in bestehende Fuhrparks integriert werden", erklärt Marc-Oliver Prinzing, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Fuhrparkmanagement e.V. "Denn sie müssen zunächst einmal zu den Mobilitätsanforderungen des jeweiligen Unternehmens oder der Organisation passen."

Bei reinem Langstreckeneinsatz von Außendienstlern zum Beispiel oder bei Observationsfahrzeugen der Polizei sei das aufgrund der Reichweite, der Lademöglichkeiten und der Ladezeiten problematisch. "Hinzu kommt, dass nicht nur die öffentliche Ladeinfrastruktur, sondern auch die des Unternehmens entsprechend vorhanden sein muss, was aufwendig und teuer ist", so Prinzing. Pauschale Aussagen zu den Kosten seien allerdings nicht möglich, denn solche Analysen erfolgen immer unternehmensindividuell.

Kommunale Fuhrparks versuchen verstärkt in dieser Richtung voranzukommen.

Marc-Oliver Prinzing

Viele Fuhrparks testen bereits den Einsatz von E-Fahrzeugen. Doch eine völlige Umstellung auf die leisen Stromer hält Marc-Oliver Prinzing nach heutigem Stand noch für nicht realistisch. "Mir sind in konventionellen Fuhrparks Quoten von maximal 20 Prozent bekannt. Anders sieht es in kommunalen Fuhrparks aus, die verstärkt versuchen, in dieser Richtung voranzukommen."

Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Fuhrparkmanagement e.V.
Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Fuhrparkmanagement e.V. Foto: Axel Schäfer/ Bundesverband Fuhrparkmanagement

So haben zum Beispiel die Berliner Verkehrsbetriebe ihre Dienstwagen fast komplett auf E-Technik umgestellt, nur für weite Fahrten gibt es noch rund 30 Dieselfahrzeuge. Denn im kommunalen Raum fällt das Reichweitenproblem weniger stark ins Gewicht, außerdem drohen Dieselfahrverbote. Darüber hinaus ist dort der politische Druck höher, so dass wirtschaftliche Aspekte in den Hintergrund treten. Derzeit hält Experte Prinzing eine Umstellung hauptsächlich für den Nah- oder Innenstadtverkehr für sinnvoll, wo Reichweite und Ladezeit weniger stark ins Gewicht fallen.

Wie das funktionieren kann, zeigt unter anderem die Post – und das nicht nur hierzulande.

Wie geht die Umstellung vonstatten?

Ist eine Mischform die Lösung?

Zunächst ist laut Marc-Oliver Prinzing eine Analyse der Rahmenbedingungen sowie des Einsatzzwecks der Fahrzeuge nötig. Dabei sind auch Mischformen möglich:

  • Für den urbanen Raum E-Bikes
  • Für längere Strecken konventionelle Autos

"Es kann bei der Mobilitätsplanung durchaus sinnvoll sein, flexible Modelle anzubieten. Zum Beispiel E-Bikes und Poolfahrzeuge, je nach Bedarf", erklärt Prinzing.

Möglich wäre eventuell auch E-Bike-Leasing. Wie das funktioniert, lesen Sie ebenfalls bei aio.

Nutzungsprofile sind entscheidend

Im nächsten Schritt stehe die Fahrzeugauswahl in Verbindung mit einer Kostenanalyse an. "Dabei ist es auch wichtig, die aufzubauende Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände in die Kalkulation einzubeziehen", so Prinzing.

Im Flottenmanagement wird unterschieden zwischen sogenannten technischen Fuhrparks und Motivationsfuhrparks:

  • In technischen Fuhrparks dienen die Fahrzeuge als Arbeitsmittel
  • In den Motivationsfuhrparks sind die Wagen Motivation für Mitarbeiter oder Manager

Bei Letzteren haben die Berechtigten mehr Möglichkeiten zur Auswahl und können in der Regel auf teurere Autos zugreifen. "Bei solchen Dienstwagen muss immer bedacht werden, dass sie sowohl den betrieblichen als auch den privaten Anforderungen des Fahrers entsprechen müssen", erklärt Marc-Oliver Prinzing.

Ein E-Fahrzeug könne zwar für bestimmte gewerbliche Zwecke sinnvoll sein. Aber ob es auch zu privaten Nutzungsprofilen passe, etwa für längere Urlaubsfahrten, sei eine andere Frage.

Flottenmanager müssen den Überblick behalten

Der Managementaufwand ist also groß: "Sie brauchen eine Buchungssoftware, die Ihnen einen permanenten Überblick verschafft. Etwa über den Ladezustand – zum Beispiel, wenn mehrere Mitarbeiter ein Fahrzeug nutzen. Reicht die Akkuladung noch für die nächste Strecke, oder muss nachgeladen werden? Und Sie müssen die Mitarbeiter für den Umgang mit dieser Software schulen", sagt Marc-Oliver Prinzing.

Fazit: Hürden und Chancen für Fuhrparks

Die Umstellung von Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge steckt noch in den Kinderschuhen. Überraschend kostenintensiv ist der Aufbau der unternehmensinternen Infrastruktur. Das betrifft sowohl die Installation von Ladestationen als auch das elektronische Management der Fahrzeuge, beispielsweise die permanente Ladestandsüberprüfung mittels spezieller Software.

Eine Mischform – in der vorab E-Bikes für kürzere Strecken zur Verfügung stehen – bieten einen sanften Einstieg. Denn sie benötigen infrastrukturell weniger Vorbereitung. Im nächsten Schritt sind vor allem in Motivationsfuhrparks E-Autos mit größerer Reichweite realisierbar.

Wie Fahrer zusätzlich steuerlich profitieren, wenn sie ein E-Auto als Dienstwagen fahren, das erfahren Sie ebenfalls bei aio.

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