Elektromobilität

E-Lastenrad: Elf Tipps für den richtigen Kauf

von Roland Kontny

Viel transportieren und trotzdem nicht zu schwer strampeln: Lasten-E-Bikes werden immer beliebter. Wir erklären, was Sie beachten sollten.

Ein Fahrradsattel von hinten.
Das E-Lastenrad wird hierzulande immer beliebter – immer mehr Städte fördern mittlerweile den privaten Kauf. Foto: Shutterstock / allanw

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum es sich lohnt, vor dem Kauf eines E-Lastenrads zu recherchieren
  • Welche elf Tipps Sie beim Kauf eines Lasten-E-Bikes beachten sollten
  • Warum sich die hohen Kosten für ein Elektro-Lastenfahrrad rechnen

Warum es sich lohnt, vor dem Kauf zu recherchieren

Morgens erstmal zwei Kilometer bis zum Kindergarten, von dort drei zur Arbeit. Am Nachmittag schnell den Großeinkauf, ehe die Kinder wieder eingesammelt und anschließend zum Judo gebracht werden müssen. Geht nur mit dem Auto? Stimmt nicht – das funktioniert auch mit einem E-Lastenrad, also einem Lasten-E-Bike.

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Auch wenn es inzwischen in vielen Städten eine finanzielle Förderung für E-Lastenräder gibt: Die Anschaffung ist immer noch teuer – beispielsweise kostet das Babboe Curve-E ab 2699 Euro oder das Bakfiets.nl CargoTrike Classic ab 3699 Euro.

Aber was nützt das teuerste Elektro-Lastenfahrrad, wenn man sich darauf unsicher fühlt oder die Kinder bei Regen nicht mehr unter das Dach passen? Es lohnt sich, etwas Zeit in die Recherche zu investieren.

Welche elf Tipps Sie beim Kauf eines Lasten-E-Bikes beachten sollten

Tipp 1: Definieren Sie das Einsatzgebiet für Ihr E-Lastenrad

Keine Frage, es gibt Elektro-Lastenfahrräder, die eher praktisch aussehen und solche, die einem Sportwagen ähneln. Davon sollte man sich nicht blenden lassen, denn eine große Rolle bei der Modellwahl spielt, wo das Fahrzeug tatsächlich hauptsächlich zum Einsatz kommt.

Führt die Fahrt über lange, gut ausgebaute Routen ohne Ampeln? Dann kann es ruhig etwas sportlicher und gestreckter zugehen. Oder bremst der Stadtverkehr Sie regelmäßig aus? Dann bietet sich vielleicht eher ein wendigeres Lasten-E-Bike an. Hat es drei Räder, kann man an roten Ampel bequem darauf sitzen bleiben.

Tipp 2: Bedenken Sie, was Sie transportieren müssen

Autofahrten lassen sich nur ersetzen, wenn genug Platz für alles und jeden an Bord ist, der mitfahren soll. Hat man zwei eigene Kinder und kommt einmal in der Woche noch einen Freund an Bord, ist die zweite Sitzbank (z. B. im Babboe Big E oder Curve E) ein Muss, hohe Kurvengeschwindigkeiten dagegen weniger.

Getrennte Abteile für Einkauf und Passagiere (z. B. im Chike e-kids) verhindern, dass Kinder während der Fahrt an gefährlichen Dingen wie Reinigungsmittel gelangen. Einige E-Lastenräder haben zumindest Gepäckträger. Abhängig vom Alter der Kinder kann es hilfreich oder unpraktisch sein, ob diese alleine einsteigen und die Gurte bedienen können.

Tipp 3: Probieren Sie Ihre Babyausstattung aus

Ganz besonderen Schutz benötigen Fahrgäste, die noch nicht oder so gerade sitzen können. Die meisten Anbieter haben Zubehör für den Transport von Babys und Kleinkindern im Programm. Dennoch sind die Unterschiede groß.

Passt die eigene Babyschale auf den dafür vorgesehenen Platz? Ist das Ein- und Ausbauen fummelig? Soll das Baby im Blick des Fahrers sein oder ist es lieber in Fahrtrichtung gewandt? Nicht zuletzt gibt es auch hier Preisunterschiede beim Zubehör. Wenn möglich, bereits vorhandene Baby-Ausstattung an einem Test-Lastenrad ausprobieren.

Tipp 4: Machen Sie es sich nicht zu schwer

Radstand, Schwerpunktlage und das Fahrwerk eines E-Lastenrades wirken sich massiv auf das individuelle Fahrgefühl aus. Mit langen E-Bikes will das langsame Fahren geübt sein und das Wenden auf dem Gehweg kann nerven. Ein Griff unter dem Sattel zum Umsetzen des Hinterteils löst dieses Problem zumindest teilweise.

Schmale Schuppentüren oder Eingänge schränken die Modellauswahl ebenfalls ein. Unebene Wegstrecken sind mit Federung und einspurigen Bikes besser zu fahren als mit behäbigen Dickschiffen wie etwa einem Babboe Curve-E. Zweispurige Modelle wie letztgenanntes ziehen vor allem beladen gerne schon bei leichten Querneigungen der Fahrbahn zu einer Seite. Kraftraubendes Gegenlenken ist dann angesagt. Bei schweren Modellen ist eine elektrische Schiebehilfe ratsam.

Das Ausbauen des Akkus fürs Nachladen kann einfach (Riese & Müller-Modelle) bis fummelig (Butchers & Bicycles MK1-E) ausfallen.

Ein Fahrradreifen in Nahaufnahme auf Asphalt.
Einspurig oder mehrspurig: Bei der Entscheidung für oder gegen ein spezielles Elektro-Lastenfahrrad kann die Zahl der Reifen einen Ausschlag geben. Foto: Shutterstock / wansupa

Tipp 5: Überlegen Sie, welche Ausstattung Sie brauchen

Bei mehrspurigen E-Lastenrädern ist eine Feststellbremse sinnvoll, weil man dazu neigt, nicht bei jedem Absteigen den Hauptständer zu benutzen. Prüfen Sie die Kosten und Höhe von Regendächern, wenn Sie auch bei Kälte und/oder Niederschlag fahren wollen.

Passt ihr Kind dann immer noch gut hinein? Wie gestaltet sich das Ein- und Aussteigen beim montierten Dach? Beachtung sollten Sie ebenfalls der Antriebs-Einheit widmen: Einige Motoren schalten sich schneller und ruppiger zu als andere, außerdem haben Sie bei einigen Modellen die Wahl zwischen manueller und automatischer Schaltung.

Tipp 6: Machen Sie eine Probefahrt

Wie den zuvor beschriebenen Punkten leicht zu entnehmen, hat jedes Modell bei Ausstattung und beim Fahren seine Besonderheiten, die man nicht unterschätzen sollte. Dass Binsenweisheiten wie „zweispurige Fahrzeuge können nicht kippen“ nicht immer der Wirklichkeit entsprechen, will keiner am eigenen Leib erfahren.

Probefahrten verschiedener Elektro-Lastenfahrräder zeitlich möglichst nah beieinander geben einen guten ersten Eindruck, was einem selber liegt und was weniger. Einige Händler bieten auch Testfahrten über das Wochenende.

Während einige Eigenschaften – etwa eine eher aufrechte oder sportliche Sitzposition, das Ausmaß des Lenkeinschlags und die Höhe des Schwerpunkts – Geschmackssache sind, gelten für alle die Regeln der Fahrphysik: Während man ohne elektrische Unterstützung erst nach einer ganzen Weile Tempo 15 erreicht und nur bei günstigen Bedingungen wie leichtem Gefälle und Topfglatter Fahrbahn dauerhaft überschreitet, sind 25 km/h auch bei voller Beladung im E-Lastenrad schnell erreicht und auch gut zu halten.

Bei diesem Tempounterschied allerdings verdoppelt sich in etwa der Anhalteweg bei einer Vollbremsung. Hinzu kommt, dass viel Ladung das Lenken und Spurhalten erschwert wird.

Eine grüne Radfahrer-Ampel.
Grünes Licht für das Lasten-E-Bike: In der Stadt lässt sich auf dem E-Lastenrad so manche Strecke viel schneller bewältigen als mit dem Auto. Foto: Shutterstock / roibu

Tipp 7: Tauschen Sie sich mit anderen aus

Die Erfahrungen von E-Lastenrad-Eigentümern sollten nicht alleinige Grundlage für eine Kaufentscheidung sein bei der Modellwahl sein, denn Geschmäcker sind verschieden. Dennoch lohnt ein Blick in Internet-Foren wie dem Pedelec-Forum, um auf Aspekte zu kommen, an die man selber noch nicht gedacht hat oder um bei bestimmten Häufungen von Beiträgen (z. B. schlecht verlegte Kabel am Rahmen) auf Schwachstellen zu stoßen. Dann kann man immer noch entscheiden, ob einen diese Punkte stören oder nicht.

Tipp 8: Vorsicht vor gebrauchten E-Lastenrädern

Hier ist Vorsicht geboten: Schwindet beim Vorbesitzer das Interesse an dem Fahrzeug wegen sinkender Reichweite, ist das teuerste Ersatzteil, nämlich der Akku, in Kürze fällig. Der schlägt schnell mit einem hohen dreistelligen Betrag zu Buche – und macht aus dem vermeintlich guten Angebot womöglich ein Minusgeschäft.

Gleiches droht, wenn das Fahrrad schon zu alt für Garantie oder Gewährleistung ist. Wer zuschlagen will, sollte sich regelmäßige Services nachweisen lassen. Das Gebraucht-Angebot ist noch dünn und die Ersparnis wegen der hohen Nachfrage eher gering. Echte Schnäppchen sind die Ausnahme.

Tipp 9: Denken Sie über Leasing nach

Eine Alternative zum Kauf eines E-Cargobikes kann Leasing sein. Insbesondere Selbstständige und Angestellte umgehen damit eine einmalige, hohe Anschaffungssumme bei gleichzeitiger Ersparnis bei der Einkommensteuer.

Beim Leasen erwirbt man nicht das Bike, sondern kann es gegen einen zuvor festgelegten monatlichen Beitrag uneingeschränkt nutzen.

Tipp 10: Bestellen Sie ausnahmsweise mal nicht online

Der große Vorteil des Online-Handels: Man spart die Marge für den Zwischenhandel. Entscheiden Sie sich für diesen Weg, kann sich das allerdings als Milchmädchenrechnung entpuppen. Wie kommt man an Ersatz- und Verschleißteile? Wer repariert und wartet das Bike? Wie einfach sind Garantieansprüche durchzusetzen?

Fragen, um deren Beantwortung man sich unbedingt vor dem Kauf kümmern sollte. Aufgrund der Komplexität der Entscheidung, dem großen Angebot und der dringenden Empfehlung, das E-Cargobike nach dem Kauf regelmäßig warten zu lassen, ist der Weg zum Fachhändler vor Ort für die meisten sicher die bessere Wahl.

Tipp 11: Lernen Sie Ihr neues Cargobike erst mal kennen

Die Entscheidung ist gefallen, das neue Bike steht endlich vor der Tür. Erproben Sie in Ruhe und das Fahrverhalten und versuchen Sie sich – erstmal ohne Passagiere – an einer richtigen Vollbremsung. Viele eigentlich vertraute Fahrsituationen werden Sie neu erleben, denn ein Lastenrad fährt sich in bestimmten Situationen einfach nicht wie ein normales Fahrrad.

Fazit: Warum sich die hohen Kosten für ein E-Cargobike rechnen

Ja, ein E-Cargobike ist in der Anschaffung verhältnismäßig teuer. Die geringen Kosten für den Unterhalt und die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten relativieren den Kaufpreis allerdings wieder. Und sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass möglicherweise auch ein normales E-Bike für Sie ausreicht, dann finden Sie hier alle Tipps zum Kauf.

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