Elektromobilität

E-Bikes & Pedelecs: Sind sie wirklich gefährlich für Senioren?

von
Carola Franzke

Sind Senioren auf dem E-Bike oder Pedelec tatsächlich ein besonderes Risiko im Straßenverkehr? Die niederländische Verkehrsstatistik von 2017 legt das nahe.

Ein älterer Mann auf einem E-Bike.
Immer mehr Senioren trauen sich dank des E-Bikes wieder aufs Fahrrad. Foto: Shutterstock / TonyV3112

Das erfahren Sie gleich:

  • Sind E-Bikes und Pedelecs wirklich gefährlich?
  • Befeuern die elektrischen Räder tatsächlich die Unfallzahlen?
  • Ist E-Bike-Tuning die eigentliche Gefahr?

Tödliche E-Bikes und Pedelecs

Die Fahrradnation Nummer eins, die Niederlande, hat eine bedenkliche Unfallstatistik veröffentlicht. Im Jahr 2017 gab es die höchste Zahl an Fahrrad-Unfällen mit tödlichem Ausgang seit elf Jahren – mit hohen Zuwächsen unter E-Bike-Fahrern und Senioren.

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Die niederländische Statistik verzeichnete sogar mehr Verkehrstote bei Fahrradunfällen als bei Unfällen mit Autos. Etwa ein Viertel der verunglückten Radfahrer waren mit einem E-Bike oder Pedelec unterwegs, das sind 51 von insgesamt 206 Todesfällen. Steigert die Elektromobilität auf zwei Rädern also die Unfallrate?

Es scheint fast so: Denn während die Zahlen ansonsten stabil blieben, haben sich die Unfälle mit tödlichem Ausgang bei den E-Bike-Fahrern innerhalb eines Jahres verdoppelt. Davon wiederum waren etwa zwei Drittel der Fahrer älter als 65 Jahre. Bei dieser Betrachtung fehlt jedoch die Relation – das zeigte sich bereits bei einer ähnlichen Statistik in Deutschland.

Tatsächlich mehr Unfälle mit E-Bikes?

Kritiker nehmen das dennoch zum Anlass, um vor den Gefahren älterer Menschen auf den elektrisch unterstützten Zweirädern zu warnen. Nun tragen Pedelecs und E-Bikes sicher dazu bei, dass sich Menschen beim Radfahren überschätzen; sie sind bestimmt auch dafür verantwortlich, dass mehr ältere Leute auf zwei Rädern unterwegs sind.

Es ist natürlich problematisch, wenn der Gleichgewichtssinn nachlässt, und Hören und Sehen nicht mehr so gut funktionieren. Auch nicht zu leugnen: Stürze ziehen schneller ernsthafte Verletzungen nach sich oder enden tödlich. Doch im Großen und Ganzen darf man sich von den Statistiken nicht in Panik versetzen lassen.

Immer mehr ältere Radfahrer auf den Straßen

Gerade in den Niederlanden radeln die Menschen zunehmend mehr – auch bis ins hohe Alter hinein. Das war auch schon vor der Einführung von E-Bikes ganz üblich. Immerhin 17 Prozent der Menschen über 65 Jahre fahren jeden Tag mit dem Rad, fast der Gesamtdurchschnitt von 24 Prozent.

Die Zahl der Toten bei Fahrradunfällen ist also absolut gestiegen, aber nicht proportional zu den gefahrenen Kilometern und den aktiven Radfahrern insgesamt. Betrachtet man die Zahlen im Verhältnis dazu, ist das Radeln nämlich sogar sicherer geworden – auf jeden Fall auf gut ausgebauten Wegen wie in den Niederlanden.

Fahrradstraße in Holland.
Spezielle Fahrradstraßen – wie hier in Holland – machen das Radfahren noch sicherer. Foto: Shutterstock / Deyveone

Auch andere Städte fördern das Radfahren als umweltfreundliche und gesunde Alternative im Stadtverkehr. Metropolen wie Hamburg bauen Radwege und Fahrradstraßen aus und stärken die Rechte der Radler im Straßenverkehr.

Die gesundheitlichen Vorteile für Senioren überwiegen, wenn sie länger aktiv bleiben – und dazu tragen auch E-Bikes bei. Statistisch gesehen ist es zumindest in den Niederlanden unerheblich, ob sie auf normalen Rädern sitzen oder nicht: Nicht nur unter den E-Bike-Fahrern, sondern auch insgesamt macht diese Altersgruppe rund zwei Drittel unter den Fahrradtoten aus.

Viel zu einfach: E-Bike-Tuning

Wirklich beunruhigen sollte weniger die Tatsache, dass Senioren auch im höheren Alter noch auf ein E-Bike oder Pedelec steigen: Risiken entstehen noch mehr durch Tuning, denn das ist unglaublich einfach.

Für E-Bikes und Pedelecs von fast allen Herstellern sind Tuning-Kits erhältlich, die sich auch für Laien problemlos installieren lassen. Zudem liegen Preise gerade mal bei 100 bis 200 Euro, um die Leistung der Elektromotoren hochzutreiben.

So gaukelt etwa das System einem Pedelec elektronisch vor, es sei nur halb so schnell – die Unterstützung regelt dann erst bei 50 statt 25 Kilometern pro Stunde ab. Daraus können einige Gefahren hervorgehen:

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  • Autofahrer rechnen nicht mit einem Rad, das so schnell unterwegs ist
  • Rahmen und Bremsen sind nicht auf die Geschwindigkeit ausgelegt
  • Ein Aufprall endet schnell tödlich – vor allem, wenn der Fahrer keinen Helm trägt: Denn für Pedelecs mit der Begrenzung auf 25 Kilometer pro Stunde gilt keine Helmpflicht

Der Zusammenhang zwischen mehr E-Bikes auf den Straßen und der zunehmenden Zahl an tödlichen Fahrradunfällen ist somit kaum stichhaltig.

Und wer sich jetzt überlegt, ob er sich nicht ein E-Bike oder Pedelec zulegen möchte – oder sich fragt, was eigentlich der Unterschied von beiden ist – der findet die wichtigsten Infos ebenfalls bei aio.

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