Elektromobilität

E-Bike-Tuning: Was bringt es, wie funktioniert es, was ist legal?

von Alexander Kraft

Wer sein E-Bike schneller machen will, findet online zahlreiche Tuning-Shops. aio erklärt, welche Methoden es gibt – und welche Folgen es hat.

Ein Mountainbike-Fahrer in sportlicher Kleidung fährt auf einem Schotterweg einen Berg hinauf.
Nicht alle begreifen Radfahren so stark als sportliche Betätigung wie dieser Herr. Für manche ist es nur ein Fortbewegungsmittel – gerne auch mit elektrischer Unterstützung. Foto: Shutterstock / WAYHOME studio

Das erfahren Sie gleich:

  • Was E-Bike-Tuning bringt
  • Wie sich ein E-Bike schneller machen lässt
  • Welche Risiken das Pedelec-Tuning birgt

Bis zu 600.000 getunte E-Bikes

Das E-Bike ist die kostengünstige und kompakte Alternative zum Elektroauto und ein erster Schritt in Welt der Elektromobilität. Das Angebot an E-Bikes (auch Pedelec gennant) ist mittlerweile so variantenreich, dass sich für jeden Radfahrer ein passendes Pendant mit Elektromotor findet.

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Doch trotz der Motorunterstützung reichen manchen Radfahrern die gesetzlich erlaubten 25 km/h nicht aus. Vor allem "viele jüngere, regelmäßige Radfahrer beklagen, dass 25 km/h für ein Pedelec zu langsam sind, um attraktiv zu sein", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung
der Versicherer (UDV).

Sie wollen gerne schneller mit dem E-Bike vorankommen. Bei S-Pedelecs unterstützt der Motor zwar bis 45 km/h, allerdings gelten sie als Kleinkrafträder, sind versicherungspflichtig und dürfen nicht auf Radwegen gefahren werden.

Als Alternative dazu bieten Tuning-Shops Hardware an, die das E-Bike schneller machen, indem sie die 25km/h-Limitierung aufheben. Brockmann: "Die Bausätze sind im Internet rege angefragt". Wie viele getunte E-Bikes tatsächlich unterwegs sind, lässt sich nur erahnen. Claus Fleischer, Geschäftsführer von Bosch eBike Systems, aber schätzt, dass von den über drei Millionen Pedelecs zwischen 10 und 20 Prozent frisiert sind – also bis zu 600.000.

Schneller fahren dank E-Bike-Tuning

Fahrer eines Pedelecs genießen die Unterstützung eines Elektromotors beim Radfahren. Allerdings nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde. Danach schaltet sich der Motor ab, der Fahrer muss wie bei einem normalen Fahrrad wieder alleine in die Pedale treten.

Seit einigen Jahren aber gibt es technische Möglichkeiten, die diese gesetzlich verankerte Abregelung aufheben. Wer nach Begriffen wie "E-Bike schneller machen" oder "Pedelec-Tuning" googelt, findet schnell spezielle Anbieter, die entsprechende Produkte für das E-Bike-Tuning anbieten.

Der Einbau und die Bedienung von Tuningkits über das Display ist oft kinderleicht und kann selbst von Laien unternommen werden.
Per Tastendruck die Geschwindigkeit erhöhen: Tuning erlaubt, die Begrenzung der Motorunterstützung auf ein Vielfaches zu erhöhen. Foto: Shutterstock / moreimages

Pedelec-Tuning: Die vier Methoden im Detail

Um das E-Bike zu frisieren, gibt es mehrere Optionen. Im Prinzip tun sie aber alle das Gleiche: Sie suggerieren dem Antriebssystem, also dem Elektromotor, eine andere, eine niedrigere Geschwindigkeit.

Technisch ist die Handhabung recht simpel: Ein elektronisches Gerät wird zwischen den Magnetsensor am Laufrad und die Computereinheit gebaut. Der Sensor erfasst die Radumdrehungen, die Einheit berechnet anhand der Umdrehungen die Radgeschwindigkeit.

Ist nun ein Tuningkit zwischengeschaltet, manipuliert dieses die elektrischen Impulse des Sensors. Aus den falschen Signalen errechnet die Computereinheit ein langsameres Tempo als das real gefahrene. Somit schaltet sich der Elektromotor nicht ab, obwohl die 25km/h-Grenze bereits erreicht ist.

Methode 1: Frequenzteilung per Dongle
Um das E-Bike mit einem Dongle zu tunen, sind zwar keine technischen Vorkenntnisse erforderlich. Allerdings müssen Kettenschutz, Schutzblech und Zahnradhalterung zunächst abmontiert werden, damit der Hardwarestecker am Mittelmotor installiert werden kann. Der Dongle wird anschließend per Kabel an den Geschwindigkeitssensor angeschlossen.

Der Dongle wird dabei lediglich mit der Elektronik verbunden, ohne direkt ins System einzugreifen und die Werkseinstellungen zu verändern. Dadurch lässt er sich problemlos wieder vollständig entfernen. Beim Tuning mittels Dongle wird ab Tempo 20 km/h nur noch die Hälfte der eigentlichen Geschwindigkeit auf dem Display angezeigt.

Methode 2: Pedelec-Tuning per Software
Alternativ zum Dongle lässt sich ein E-Bike auch mit einem sogenannten Remover entdrosseln, der die herstellerseitige Sperre entfernt. Dazu wird der Remover während des Tunings zwischen Konsole und Akku installiert und über ein beiliegendes Display bedient.

Das Gerät greift softwareseitig in die Programmierung des Systems ein. Deshalb kann er nach dem Tuning auch einfach wieder entfernt werden. Die Modifikation bleibt dabei erhalten, bis sie ebenfalls per Remover rückgängig gemacht wird.

Anders als beim Dongle müssen bei dieser Methode keine zusätzlichen Teile angebaut werden. Allerdings können beim Umschreiben der Systemsoftware leicht Fehler passieren, die oft nur der Hersteller beheben kann.

Methode 3: Pedelec-Tuning per prozessorgesteuerte Mikroelektronik
Bei den zwei vorangegangenen Tunings wird zwar die Steuerungselektronik überlistet, allerdings nicht das Display. Heißt: Die reale Geschwindigkeit ist doppelt so hoch wie die angezeigte, weil nur dem Motor falsche Messwerte vermittelt werden. Das Tuning mit zum Beispiel einem eSpeed-Modul behebt diesen Fehler. Die angezeigte Geschwindigkeit entspricht hier der tatsächlich gefahrenen.

Auch hier wird bei der Montage kein Originalteil ersetzt, eine Rückführung in den ursprünglichen Zustand ist deshalb jederzeit möglich. Da das Tuningkit direkt über das Display des E-Bikes gesteuert wird, behält es alle seine ursprünglichen Funktionen bei mit der zusätzlichen, nahezu jede beliebige Geschwindigkeit festzulegen.

Als einzige Methode lassen sich mit einem eSpeed-Modul neben den normalen Pedelecs auch S-Pedelecs frisieren.

Methode 4: Pedelec-Tuning per Übervolten
Wer sein normales Fahrrad per Nachrüstsatz zum E-Bike umgebaut hat, kann dessen Leistung durch Anlegen einer höheren Spannung steigern ("Übervolten"). Im Prinzip kommt bei allen Antriebssystemen, bei denen sich Motorumdrehungen pro Minute proportional zur Spannung (in Volt) verhalten, Übervolten als Tuningmethode in Frage.

Dabei werden zum Beispiel 36-Volt-Motoren mit 48-V-Akkus betrieben. Herauskommt ein Gewinn um rund ein Drittel der Maximalgeschwindigkeit und des Drehmoments, was sich vor allem beim Aufwärtsfahren bemerkbar macht.

Allerdings besteht beim Übervolten die Gefahr einer Verkohlung des Motorkerns. Vor allem kleinere Motoren können der zusätzlichen Belastungen eventuell nicht standhalten und irreparable Schäden am System nach sich ziehen. Grundsätzlich gilt zu beachten, dass eine mechanische Überlastung die Lebensdauer des Motors erheblich reduziert.

Quasi unsichtbar: Tuningkits, die ein E-Bike schneller machen, sind von außen nicht zu erkennen.
Dass ein E-Bike getunt wurde, erkennt nur ein Experte. Von außen sind die Modifikationen nicht zu sehen. Foto: Shutterstock / riopatuca

Die meisten Tuningmethoden lassen sich nahezu rückstandslos wieder entfernen. Allerdings sind Verkehrspolizisten inzwischen dafür sensibilisiert, bei Verkehrskontrollen verstärkt nach Eingriffen Ausschau zu halten.

Auch die Hersteller von E-Bikes haben sich in einer Selbstverpflichtung von Industrie, Handel und Handwerk gegen Manipulation und Tuning von E-Bikes ausgesprochen. Die AG Fahrradwirtschaft (AGF) will gezielt präventive Maßnahmen ergreifen, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen.

Die Rechtslage

Es gibt viele Gründe, ein E-Bike schneller machen zu wollen. Für Bastler liegt der Reiz mitunter darin, die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten. Wieder andere wollen lediglich die Restriktionen der Hersteller aushebeln. In den meisten Fällen aber dürfte der Grund ein ganz pragmatischer sein: Das E-Bike soll schlicht schneller fahren bzw. die Höchstgeschwindigkeit der Motorunterstützung angehoben werden.

Andere rechnen nicht damit, dass da jemand auf dem Radweg ankommt, der fast so schnell ist wie ein Auto.

Cornelia Zieseniß, Landesverkehrswacht Niedersachsen

Während das E-Bike-Tuning an sich erlaubt ist – und somit auch der Verkauf von Komponenten –, ist die Nutzung eines getunten E-Bikes nur auf privaten Grundstücken gestattet. Auf öffentlichem Raum greift die Straßenverordnung, die das Fahren von frisierten Pedelecs verbietet.

Sowohl die Hersteller von E-Bikes als auch die Anbieter von Tuningteilen wissen das. Während erstere deshalb verstärkt gegen die Motormanipulation vorgehen wollen, indem sie den Umbau erschweren, geben letztere die Verantwortung an den Konsumenten ab.

Wer also ein getuntes E-Bike fährt, tut dies auf eigene Gefahr. Und die kann ziemlich groß ausfallen: Neben hohen Geldstrafen sanktioniert der Staat die Zuwiderhandlung mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr und Führerscheinentzug.

Darüber hinaus entfallen Garantieanspruch und Versicherungsschutz bei Unfällen mit aufgemotzten Pedelecs. Der Schadensersatzanspruch erlischt im Moment der Modifikation. Kommt es zu Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, haftet der E-Bike-Fahrer alleine für den Schaden – für den eigenen und den der anderen Unfallbeteiligten. Vor allem bei Unfällen, in die Pedelecs involviert sind, lassen Versicherungen gerne einen sachkundigen Experten nach der Ursache forschen.

Das Mehr an E-Bikes auf den Straßen lässt sich auch in der Unfallstatistik ablesen: Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes steigt seit Jahren kontinuierlich an. Das diese mitunter tödlich enden, zeigt eine einfache Rechnung: Der Aufprall eines 25 km/h schnellen Pedelecs auf ein Hindernis lässt sich mit einem Sturz aus 2,5 Metern Höhe vergleichen. Bei einem getunten E-Bike würde sich die Höhe vervierfachen, also auf knapp 10 Meter. Etwa so wie der Sturz aus dem dritten Stock eines Gebäudes.

"Andere rechnen nicht damit, dass da jemand auf dem Radweg ankommt, der fast so schnell ist wie ein Auto", gibt Cornelia Zieseniß, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Niedersachsen, zu bedenken.

Um die Sicherheit beim Fahren eines elektrisch angetriebenen Fahrrads zu erhöhen, entwickeln Hersteller fortwährend neue Techniken oder adaptieren bereits vorhandene aus der Automobilindustrie: wie zum Beispiel das Anti-Blockier-System.

Auswirkungen auf die Lebensdauer

E-Bike-Tuning birgt aber nicht nur rechtliche Gefahren. Auch aus technischer Sicht gilt das Modifizieren als bedenklich. Denn der Motor und der Akku sind für dauerhafte Mehrlast nicht ausgelegt. So muss der Akku häufiger geladen werden, während durch die höhere Wärmeentwicklung dessen Lebensdauer sinkt.

Überhaupt steigt durch das Tuning der Verschleiß der verbauten Komponenten, sodass häufiger Reparaturen fällig werden. Gleiches gilt für Bremsen und Gabeln.

Die Belastung eines getunten E-Bikes lässt sich so zusammenfassen: Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, erhöht sich die Bewegungsenergie um das Vierfache. Das Tuning eines E-Bikes geht also vor allem zulasten der Sicherheit und Stabilität.

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Fazit: Vorsicht vor dem E-Bike-Tuning

E-Bike-Tuning ist ein riskantes Unterfangen. Obwohl – oder gerade weil – auch Laien den Einbau oft ohne technische Vorwissen vornehmen können. Ein weiterer Anreiz dürfte der Einstiegspreis sein: Je nach Tuningmethode kosten die Produkte zwischen 100 bis 200 Euro – ein vergleichsweise niedrig schwellige Hürde angesichts der hohen Anschaffungskosten für ein Pedelec.

Aber: Wer sein E-Bike schneller machen will, riskiert nicht nur hohe Strafen, sondern vor allem seine eigene und die Sicherheit anderer.

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