Elektromobilität

E-Bike nachrüsten: Umbau zum Pedelec für den Herbst

von Carola Franzke

Umrüstsätze machen aus fast jedem herkömmlichen Fahrrad ein Pedelec. Wir vergleichen die verschiedenen Varianten und nennen ihre Vorteile und Nachteile.

Ein grünes Fahrrad auf orangem Grund.
Das alte Fahrrad zum E-Bike umrüsten: Mit diesen Bausätzen klappt es. Foto: Shutterstock/Popartic

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Räder sich zum Pedelec umbauen lassen
  • Was Fahrradbesitzer beachten müssen, wenn sie ihr Rad umrüsten wollen
  • Welche Konzepte und Anbieter es gibt

Es gibt viele Gründe, nicht einfach ein neues E-Bike oder Pedelec zu kaufen: Ein nicht ganz unwesentlicher Grund ist der Preis. Wer nicht in den Genuss von Fördergeldern oder Arbeitgebervergünstigungen kommt, muss für E-Bikes und Co. ziemlich viel Geld ausgeben. Ein hochwertiges Elektrofahrrad gibt es selten unter 1500 Euro.

Vollelektrischer Fahrspaß

Jetzt für Audi e-tron News registrieren

Jetzt kostenlos anmelden

audi.de/DAT-Hinweis

Zum Glück gibt es auch eine einfache Alternative, bei der es nicht gleich ein völlig neues Fahrrad braucht. So machen Radtouren im Herbst gleich viel mehr Spaß.

E-Bike oder Pedelec: Umrüsten statt Neukauf

Für den einen oder anderen wird es aber auch darum gehen, das geliebte konventionelle Fahrrad zu behalten und trotzdem mit Elektroantrieb zu fahren. Manche der angebotenen Systeme sind zudem flexibel, sodass der Besitzer die Unterstützung auch mehr oder weniger einfach wieder abbauen kann, wenn er mit reiner Muskelkraft fahren will. Elektromobilität on demand, sozusagen.

Der Antrieb: Vorne, hinten oder Mitte?

Wer sich nun prinzipiell für eine Umrüstung interessiert, um aus dem Fahrrad ein Pedelec zu machen, steht vor der Wahl, welcher Umrüstsatz der richtige ist: ein Antrieb über das Vorderrad, das Hinterrad oder ein Mittelantrieb über das Kettenblatt? Manche Systeme sind sehr einfach selbst zu montieren, für andere – überwiegend die Kettenblattantriebe – braucht man Erfahrung oder Hilfe vom Profi.

Vorderrad-Umrüstsätze

Der Austausch des Vorderrads ist bei den meisten Rädern sehr unkompliziert. Hier gibt es einige Anbieter, die Lösungen mit einem in das Rad integrierten Motor und Akku anbieten.

Kritiker monieren bei diesem Ansatz häufig, dass das Fahrrad mit einem Vorderrad-Umrüstsatz zu frontlastig wird: Das zusätzliche Gewicht und der Frontantrieb beeinflusst Fahr- und Bremsverhalten stark, auch die Sturzgefahr bei Notbremsungen steigt.

Hier eine Auswahl von Umrüstsätzen am Vorderrad:

Rool'in-Räder
Das 2012 gegründete französische Unternehmen Rool'in aus der Region Ile-de-France hat so ein Modell in 20, 26 und 28 Zoll entwickelt. Man tauscht ganz einfach das Vorderrad aus und kann dann mit elektrischer Unterstützung radeln. Für die Steuerung gibt es eine Konsole für den Lenker und eine Smartphone-App.

Der Nachrüstsatz von Rool'in soll der europäischen Norm EN15194 entsprechen – also den Anforderungen für ein Pedelec genügen. Der Motor hat eine Leistung von 250 Watt, die Unterstützung funktioniert nur bei Bewegung und – wie bei Pedelecs üblich – ausschließlich bis zu 25 Kilometer pro Stunde.

Das Rool'in-Rad ist zur Zeit im deutschen und auch im französischen Onlineshop ausverkauft - es gibt Restbestände bei Onlinehändlern für unter 900 Euro, Modelle ohne Steuerung per Smartphone App unter 400 Euro.

Spannend: Das Unternehmen betreibt gerade eine Crowdfunding-Kampagne für die Entwicklung eines Solar-Hybrid-Bikes.

Electron Wheel
Das Electron Wheel (in den USA und Kanada für 900 US-Dollar erhältlich) ist seit Frühjahr 2018 bereits in der zweiten Generation und sowohl als 26- wie als 28-Zoll-Version erhältlich. Auch hier wird das vordere Rad ersetzt: Im neuen Vorderrad sind ebenfalls Akku und ein 400 Watt starker Motor untergebracht.

Obwohl zum System auch Pedalsensoren gehören, die die Unterstützung per Bluetooth und Smartphone-Kopplung steuern, disqualifiziert sich das Electron Wheel damit für die legale Inbetriebnahme als Pedelec – die Leistungsgrenze von 250 Watt ist überschritten. Das Electron Wheel dürfte also in Deutschland nur als E-Bike mit Versicherungskennzeichen, Mofa-Führerschein und Helm betrieben werden.

Angeblich wird aber an einer EU-Variante nach Pedelec-Kriterien gearbeitet.

Geo Orbital Wheel
Dasselbe gilt auch für das futuristisch anmutende Geo Orbital Wheel: Der 500-Watt-Motor sprengt die Leistungsgrenze der Norm EN15194. Der Umrüstsatz kommt hier ohne Smartphone-App, dafür mit einer Steuereinheit, die an den Lenker montiert wird. Erhältliche Radgrößen sind 26, 28 und 29 Zoll.

Eine interessante Besonderheit: Es handelt sich um schaumgefüllte Reifen, die unplattbar sind. Der Akku des Geo Orbital Wheel wird unterwegs wieder geladen, wenn der Radler selbst in die Pedale tritt oder das umgerüstete Fahrrad bergab rollt, zudem hat der Akku eine USB-Schnittstelle, um unterwegs beispielsweise das Smartphone zu laden.

Die Kosten in den USA betragen knapp 1000 US-Dollar für die Varianten in 26 und 28 Zoll, die 29-Zoll-Größe schlägt mit satten 1500 US-Dollar zu Buche. Der Onlineshop lässt Lieferungen mit DHL Express (weitere 300 US-Dollar) nach Deutschland zu. Aber: Wer das Rad bestellt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es keine Gewährleistung gibt, ob dieses Rad eine Betriebserlaubnis erhält.

Hinterrad-Umrüstsätze

Hinterrad- und Kettenblattantriebe haben beide den Vorteil, dass das Fahrrad bei der Umrüstung nicht frontlastig wird. Auch die Sturzgefahr insbesondere bei scharfen Bremsmanövern wird damit nicht erhöht.

Copenhagen Wheel
Das wahrscheinlich prominenteste Beispiel für einen Umbau am Hinterrad dürfte das vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) im Auftrag der Stadt Kopenhagen entwickelte Copenhagen Wheel sein.

Das Austausch-Rad mit dem leuchtend roten Diskus in der Mitte wurde anlässlich der Klimakonferenz 2009 erstmals vorgestellt – in der dänischen Hauptstadt. In dem roten Diskus sind Akku und 250-Watt-Motor untergebracht, der Grad der Unterstützung wird per Smartphone-App gesteuert.

Auch hier wird durch Muskelkraft, bergab Fahren oder Bremsen der Akku geladen. Das chic designte Vergnügen, seinen Lieblingsdrahtesel EU-normgerecht zu elektrifizieren, kostet allerdings 1750 Euro.

Der alte Drahtesel wird zum Elektrofahrrad
Die rote Radnabe ist das Markenzeichen von Copenhagen Wheel, das aus jedem Rad ein Elektrofahrrad macht. Foto: Max Tomasinelli

Rollenantriebe wie Ease und OnWheel

Es gibt verschiedene Systeme, bei denen über einen Rollenantrieb das Hinterrad angetrieben wird. Die Schwächen: Die Reibung reduziert die Lebensdauer des Reifens und bei Nässe dürfte die Effizienz des Antriebs leiden.

Es gibt Anbieter wie OnWheel und Rubbee, am interessantesten scheint aber gerade ein Projekt der TU München in Kooperation mit der Nanyang Technical University (Singapur): Ease verspricht, mit wenigen Handgriffen aus jedem Fahrrad ein Pedelec zu machen. Die klappbare Einheit soll etwa 3,5 Kilogramm wiegen und in jeden Rucksack passen.

Die Vorgaben der EU-Norm für Pedelecs sollen eingehalten werden: Ein Motor mit 250 Watt und automatischer Abschaltung bei 25 Kilometern pro Stunde sorgen dafür. Felix Römer, Doktorand in Singapur, sucht derzeit mit seinem Team nach Industriepartnern, um Ease auf den Markt zu bringen.

Kettenblatt-Umrüstsätze

Die wohl stabilsten, aber am kompliziertesten zu installierenden Umbau-Varianten treiben das Fahrrad über das Kettenblatt (beziehungsweise die Kurbelgarnitur) an. Hier gibt es eine Vielzahl erhältlicher Antriebe, oft China-Importe, zu denen der Akku separat erworben werden muss. Der Umbau des Rades zum E-Bike oder Pedelec sollte bei diesen Systemen eher von Fachleuten oder zumindest sehr geübten Bastlern vorgenommen werden.

Binova flow
Beim System flow von Binova ist der Akku bereits mit im Nachrüst-Kit enthalten. Der Hersteller bietet verschiedene Varianten an: Der Akku für die Montage am Unterrohr bietet 417 oder 576 Wh, die Batterie für den Gepäckträger 460 Wh. Die Reichweiten betragen zwischen 70 und 120 Kilometer.

Der Motor selbst sitzt direkt am Tretlager, die Montage erfolgt in Eigenregie oder in der Firmenzentrale von Binova in Dresden. Die Leistung gibt das Unternehmen mit 250 Watt an. Per Daumenschalter am Lenker lässt sich zwischen den fünf Unterstützungsprogrammen “City”, “Tour”, “Hill”, “Cargo” und “Special” wählen. Informationen zum Fahrmodus und der aktuellen Geschwindigkeit gibt es über ein beleuchtetes Display. Die Umrüstsätze gibt es ab rund 2000 Euro.

Shimano
Eine weitere Variante hat der renommierte Anbieter von Zweirad-Teilen Shimano gerade für September 2018 angekündigt. Der E-7000 macht aus einem Mountainbike ein Pedelec: 250 Watt Nennleistung und Unterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde.

Die Einstellungen des Motors werden über eine Smartphone-App vorgenommen. Shimano hat bereits andere Elektroantriebe zum Nachrüsten im Sortiment, davon kostet das Topmodell etwa 1000 Euro.

Insolvent: Relo
Ein einfach zu montierender Antrieb, der über ein Getriebe an der Kurbel funktioniert: „Relo“ machte von sich reden und wurde 2017 mit dem German Design Award ausgezeichet, doch dem Nürnberger Startup Drive & Innovation GmbH & Co. KG ging kurz darauf das Geld aus.

Pendix
Auch die Pendix-Umbausätze treiben das Rad über die Kurbelgarnitur an. Ab rund 1500 Euro – ohne Einbau – lassen sich verschiedene Fahrradtypen elektrifizieren. Das Zwickauer Unternehmen verkauft seine Pendix eDrives, die den Anforderungen an Pedelecs nach der geltenden EU-Norm genügen, seit 2015. Die Gründer stammen aus der Automobil- und Motorsportbranche.

Fazit: Machen Sie unbedingt eine Probefahrt!

Wer sich für einen Umbau seines Fahrrades interessiert, ist gut damit beraten, sich genau zu informieren. Was darf der Antrieb wiegen, wo gibt es Lademöglichkeiten, wie häufig wird die Unterstützung benötigt, können Rahmen und Bremsanlage die höhere Geschwindigkeit ab – viele Fragen, bei denen auch ein Fachhändler helfen kann.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Besonders wichtig: Nicht jeden Fahrrad kann zum Pedelec nachgerüstet werden! Selbst hochwertige Fahrräder sind nicht automatisch für das höhere Gewicht, den veränderten Schwerpunkt und das gesteigerte Drehmoment des Antriebs ausgelegt. Sind die Bremsen noch stark genug – und halten Rahmen und Gabel den zusätzlichen Belastungen stand? Das alles sollten Interessierte mit einem Fachmann klären.

Am besten macht der der potentielle Kunde Probefahrten mit verschiedenen Antriebsarten, bevor er entscheidet, ob und wie er das eigene Fahrrad zum Pedelec oder E-Bike umbaut. Vor allem bei Vorderradantrieben ist aufgrund der erhöhten Sturzgefahr eine Probefahrt unbedingt zu empfehlen.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen