Elektromobilität

E-Bike laden: Wie hoch ist die Brandgefahr bei modernen Akkus?

von
Gertrud Teusen

Viele E-Bike-Fahrer fragen sich: Kann der Lithium-Ionen-Akku ihres Elektrofahrrads plötzlich in Brand geraten? Wir liefern die Antworten!

Der Akku eines E-Bikes: die richtige Handhabung entscheidet über Lebensdauer und Sicherheit.
Ohne Akku geht's nicht voran. Doch neben dem Akkustand kommt es beim E-Bike vor allem auf die richtige Handhabung der Batterie an. Foto: Shutterstock / moreimages

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie groß die Brandgefahr bei Lithium-Ionen-Akkus wirklich ist
  • Womit die Besitzer die Haltbarkeit von E-Bike-Akkus verbessern können
  • Was es mit dem Mythos des Memory-Effekts auf sich hat

Die Fahrradwelt treibt die Elektromobilität voran: Rund 900.000 E-Bikes und Pedelecs sind mittlerweile auf deutschen Straßen unterwegs. Doch je mehr Elektrofahrräder es gibt, desto häufiger hört man auch von Explosionen und plötzlichem Feuer am Akku.

Vollelektrischer Fahrspaß

Jetzt für Audi e-tron News registrieren

Jetzt kostenlos anmelden

audi.de/DAT-Hinweis

In der Tat passiert es fast täglich irgendwo in Deutschland. Der Lithium-Ionen-Akku steht unter Generalverdacht. Sind die Energiespeicher wirklich brandgefährlich?

Die Grundlagen sind einfach: Der Akku beim Pedelec oder E-Bike stellt die Energie bereit, den der Elektromotor braucht, um die Unterstützung des Pedalantriebs zu leisten.

Wie lange der Energievorrat eines Akkus reicht, ist unter anderem abhängig vom Gewicht (von Rad und Fahrer) und der Wegstrecke (zum Beispiel Steigungen), die bewältigt werden muss.

Moderne Akkus sind empfindlicher

Sie merken schon: Wenn es um die Optimierung des Antriebs von E-Bikes und Pedelecs geht, dann versuchen die Entwickler das Unmögliche möglich zu machen – nämlich möglichst hohe Energiedichte bei minimalem Gewicht des Akkus für größtmögliche Reichweite zu erzielen.

Momentan beschäftigen sich die Forscher vor allem mit der Optimierung der gängigen Lithium-Ionen-Akkus, probieren aber auch neue Materialien aus. Lithium-Polymer-Akkus (Li-Pol) beispielsweise sind eine Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Akkus.

Doch: Je kleiner und effizienter Akkus werden, desto empfindlicher sind sie auch. Dementsprechend reagieren sie sensibler auf Manipulationen, Temperaturen und unsichere Ladevorgänge. Diese Empfindlichkeit äußert sich unter anderem durch Überhitzung. Dadurch können Explosionen, Feuer und Brände ausgelöst werden.

Brandgefahr bei Lithium-Ionen-Akkus

Lithium-Ionen-Akkus sind besonders leistungsfähige Energiespeicher. Sie bieten eine hohe Energiedichte bei relativ geringem Eigengewicht.

Die Brandgefahr, die von ihnen ausgehen kann, ist bekannt, da Materialien im Innern reaktiv und brennbar sind. Doch diese Tatsache wird häufig ausgeblendet, denn die Akkus an sich sind selten das Problem. Häufiger sind falsche Lagerung und Pflege die Ursache dafür, wenn etwas passiert.

Verschiedene Faktoren können Brände bei Akkus auslösen:

  • Manipulationen, zum Beispiel durch unsachgemäße Reparaturen am Rad
  • Falsche oder defekte Ladegeräte
  • Überhitzung des Akkus
  • Unfallfolgen oder Herstellungsfehler
  • Kurzschlüsse in den Zellen der Batterie, eine Überladung oder eine sogenannte Tiefentladung

Der Lithium-Ionen-Akku ist also keine tickende Zeitbombe, sondern reagiert vielmehr empfindlich auf unsachgemäße Handhabung.

Wichtig, falls wirklich mal etwas passiert: Lithium reagiert mit Wasser, deshalb dürfen Brände und Feuer, die durch Li-Ion-Akkus ausgelöst werden, nur mit Sand oder Decken erstickt werden.

E-Bike-Akku: Diese Prüfzeichen sind wichtig

E-Bikes müssen im Gegensatz zu normalen Fahrrädern mit einem CE-Zeichen versehen sein. Damit zeigt der Hersteller an, dass bei der Produktion alle geltenden Vorschriften eingehalten wurden und die Batterie der EU-Norm entspricht.

Diese besagt, dass Batterien gegen Überladung, Tiefentladung, Kurzschluss, extreme Temperaturen und Erschütterungen gesichert sind. Entsprechend rät der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Pedelecs ohne dieses Zeichen als nicht sicher einzustufen und zu meiden.

Außerdem empfehlen Experten, beim Kauf von Elektrofahrrädern auf das GS-Siegel (steht für geprüfte Sicherheit) zu achten, dass auf hohe Ansprüche an die Produktsicherheit hinweist.

Handling: Umgang mit E-Bike-Akkus

Darüber hinaus kommt es natürlich auch auf den richtigen Umgang an. Manche Verbraucher gehen mit viel Leichtsinn an den Akku heran. Es handelt sich dabei aber um einen äußerst kraftvollen Energiespeicher, der mit entsprechender Vorsicht behandelt werden muss.

Eine Ladestation für E-Bikes.
Unterwegs kurz aufladen: Lithium-Ionen-Akkus vertragen auch kurzzeitige Ladungen, etwa bei Radtouren. Foto: Shutterstock / GlennV

Deshalb sollten E-Bike-Akkus immer:

  • nur mit den vorgesehenen Ladegeräten aufgeladen werden
  • trocken sein und Raumtemperatur haben
  • während des Ladevorgangs nicht auf oder neben brennbarem Material liegen
  • in einem Raum aufgeladen werden, der über einen Rauchmelder verfügt

Viele gehen zu leichtfertig mit Akkus um. Wir haben ja früher auch nicht mit dem Feuerzeug in einen Benzintank geschaut.

Der Sachverständige Dirk Zedler im Gespräch mit der "Hannoverische Allgemeine Zeitung"

Definitiv sollte der Stromspeicher nicht mehr geladen werden, wenn er leicht aufgebläht ist. Dasselbe gilt für Akkus, die heruntergefallen oder gar beschädigt sind. Gerade mechanische Beschädigungen können die Explosionsgefahr deutlich erhöhen.

Lebenserwartung: Wie lange halten Akkus?

Lithium-Ionen-Akkus haben eine hohe Lebensdauer. Wie lange diese jedoch ist, hängt von der Art und Dauer der Beanspruchung ab, lässt sich also nicht genau in Jahren festlegen. Wenn es um die Haltbarkeit geht, dann spricht man beim Akku deshalb von Ladezyklen.

Ein Ladezyklus ist das vollständige Nachladen einer Gesamtkapazität (=100 Prozent). Das kommt in der Realität eher selten vor – und wäre dem Akku an sich auch nicht zuträglich. Lädt der Besitzer also beispielsweise vier mal 25 Prozent, so ergibt das einen vollen Ladezyklus.

Batterie-Hersteller rechnen zumeist mit einer Lebenserwartung von 500 bis 1000 vollständigen Ladezyklen. Danach lässt die maximale Ladekapazität nach, der Akku ist aber immer noch leistungsfähig.

Lithium-Ionen-Akkus sicher lagern

Die Lebenserwartung eines Akkus wird von der idealen Lagerung verbunden mit einem Blick auf die Ladekapazität und den Ladezyklus festgemacht.

Ist das E-Bike längere Zeit nicht in Gebrauch, sollte der Akku trocken, kühl und mit 30 bis 60 Prozent Ladekapazität gelagert werden.

Tamara Winograd von Bosch e-bike systems

Wer sein E-Bike längere Zeit nicht benutzt, sollte Rad und Anschluss schonend reinigen. Den Akku erst mal nur halb laden und immer mal wieder (alle vier Wochen) den Akku-Stand prüfen und gegebenenfalls nachladen. Bei einer Tiefentladung, also einer vollständigen Entladung, kann der Akku Schaden nehmen.

Richtig laden: Der Mythos vom Memory-Effekt

Es gibt einige Möglichkeiten, die Langlebigkeit des Akkus zu unterstützen, und nicht immer stimmen die gängigen Meinungen. So ist beispielsweise auch kurzes Aufladen zwischendurch nicht schädlich, sondern durchaus sinnvoll.

Elektromobilität

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Bei älteren Energiespeichern gab es den gefürchteten Memory-Effekt. Der führte dazu, dass man am besten nur möglichst leere Akkus aufladen sollte – und dann aber maximal. Diese Herangehensweise war gestern. Heute gilt:

Fazit: So sind E-Bike-Akkus sicher

Wer mit einem Elektrofahrrad unterwegs ist, muss normalerweise keine Angst davor haben, dass der Lithium-Ionen-Akku plötzlich in Brand gerät. Wichtig ist dafür, dass der Akku richtig geladen und nicht beschädigt wird. Nach einem Sturz beispielsweise sollten E-Bike-Fahrer den Akku vorsichtshalber überprüfen lassen.

aio PLUS — diese Auszeichnung tragen nur unsere Premium-Artikel. Ausgewählt von der Redaktion. Und kostenlos für Sie.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen