Elektromobilität

E-Bike: Diese Fehler machen Anfänger besonders häufig

von
Gertrud Teusen

Der erste Ausritt mit dem nagelneuen E-Bike ist aufregend, aber auch sehr gefährlich. Diese Fehler machen Anfänger – und so lassen sie sich vermeiden.

E-Bike bei einer Ausfahrt im Winter.
Ab auf das E-Bike und ab geht die Post? Ganz so einfach ist es nicht, denn gerade für Anfänger sind die Räder sehr gefährlich. Foto: Unsplash/Clem Onojeghuo

Das erfahren Sie gleich:

  • Welchen Einfluss die Geschwindigkeit auf das Fahrverhalten hat
  • Warum Kurven mit dem E-Bike gefährlicher sind
  • Wieso ein Helm dringend zu empfehlen ist

Das E-Bike wird häufig unterschätzt. Nicht jeder, der sich ein Pedelec zulegt, ist sich bewusst, dass das eben kein "normales" Fahrrad ist. Es gibt kleine, aber entscheidende Unterschiede die deutlich machen, dass ein E-Bike eben nicht mit einem Fahrrad vergleichbar ist.

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Hohe Geschwindigkeiten sind etwa zwar mit beiden möglich, aber die Beschleunigung funktioniert beim E-Bike völlig anders.

Fatale Optik: Zum Verwechseln ähnlich

Am Niederrhein radelt es sich besonders gut. Die Autofahrer in der Region sind es gewöhnt, dass auf den Straßen viele Radfahrer unterwegs sind. Im Laufe der vergangenen Jahre sind aber auch immer mehr E-Biker dabei, die auf den ersten Blick nicht von normalen Radfahrern zu unterscheiden sind.

Seit 2014 erfasst der Landkreis Wesel jedoch E-Bike-Unfälle gesondert. Die Bilanz ist erschreckend, insbesondere bei schweren und gar tödlichen Unfällen mit E-Bike-Beteiligung. "Die Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit, die solche E-Bikes erreichen können“, stellt die Polizei im Landkreis Wesel fest. Andererseits unterschätzen aber auch die E-Bike-Fahrer das Tempo, mit dem ihre Bikes unterwegs sein können. Insbesondere älteren E-Bikern geht das so. „Bevor die Senioren im Sattel sitzen, ist das Rad schon 25 km/h schnell“, gibt Polizeihauptkommissar Klaus Paffen zu bedenken.

Die Fahrräder mit Elektroantrieb stellen das gewohnte Verhalten im Straßenverkehr auf den Prüfstand. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich auf erhöhte Geschwindigkeiten auch bei Zweirädern einstellen – allein Pedelecs fahren schon 25 Stundenkilometer. Und optisch betrachtet sind diese von einem Fahrrad kaum zu unterscheiden.

Geschwindigkeit und Fahrverhalten – bitte anpassen!

Ein E-Bike mag bei oberflächlicher Betrachtung zwar wie ein gewöhnliches Fahrrad aussehen, aber das ist es definitiv nicht. Vor allem Menschen, die schon länger nicht mehr auf einem Fahrrad saßen, sollten sich damit erst einmal in Ruhe vertraut machen.

Auch das ausführliche Studium der Gebrauchsanleitung und ein Blick auf die Internetseite des Herstellers wären sinnvoll. Die kleinen Unterschiede zum normalen Fahrrad machen nämlich viel aus. Beispielsweise:

  • Das Pedelec oder S-Pedelec ist schwerer (25 bis 30 Kilogramm) als ein normales Fahrrad.
  • Der Schwerpunkt ist –bedingt durch Motor und Akku- anders verteilt. Auch die Lage des Antriebs – vorne, mittig oder hinten – nimmt Einfluss auf das Fahrgefühl.
  • Ein Pedelec reagiert (aufgrund des größeren Gewichts) langsamer auf die Lenkversuche des Fahrers.
  • Je schneller man unterwegs ist, desto länger ist der Bremsweg. Verbunden mit dem Plus an Gewicht muss man mit einer dreimal längeren Strecke rechnen.
  • Da die Beschleunigung des E-Bikes nicht automatisch mit der Anstrengung des Fahrers verbunden ist, verschätzen sich insbesondere Anfänger mit dem Tempo, das sie tatsächlich fahren.
  • Stress von Anfang an - falsches Anfahren
Digitaler Tacho bei einem modernen E-Bike.
Die digitalen Anzeigen an vielen Bikes zeigen auch die aktuelle Geschwindigkeit an. Es lohnt sich, immer wieder einen Blick darauf zu werfen. Foto: Shutterstock / Golden Shrimp

Neulingen macht vor allem das Anfahren mit dem E-Bike Probleme. Das man dabei etwas falsch machen kann, ist für die meisten Fahrradfahrer neu. Die Schubkraft des Elektromotors ist, je nach Technik und Einstellung der Unterstützung, insbesondere beim Anfahren nicht zu unterschätzen.

Bei Pedelec-Modellen, die mit Bewegungssensor arbeiten, springt der Elektromotor manchmal mit etwas Verzögerung an. Die ruckartige Vorwärtsbewegung bringt manche Biker aus der Balance. Insbesondere im Straßenverkehr kann dieser Überraschungsmoment zu Unfällen führen.
Beim Anfahren an einer Steigung, muss das E-Bike manuell in Gang gebracht werden, bevor der Motor unterstützend eingreifen kann. Manchen Pedelec-Fahrern fehlt – je nach Steigungswinkel – dafür die Kraft.

Es empfiehlt sich, die Abläufe – anfahren – Tempo halten – abbremsen – erneut anfahren zu trainieren, bevor man sich in den Straßenverkehr begibt. Es gibt (bspw. von Bosch) automatische eShift-Lösungen für Nabenschaltungen für sichereres Anfahren und optimal dosiertes Beschleunigen, die das erleichtern.

Lebenswichtig – richtig bremsen

Insbesondere ungeübte Fahrer eines Elektrofahrrads sollten sich vor der ersten Ausfahrt mit den Bremsen und deren Wirkung vertraut machen. Einen möglichst kurzen Bremsweg erreicht man nämlich beim gleichzeitigen Einsatz von Vorderrad- und Hinterradbremse.

Der Fahrer sollte sich im Klaren darüber sein, welcher Hebel welche Bremse betätigt und wie das Fahrrad reagiert. Bei falscher Verwendung der Vorderradbremse kann es etwa den unvorbereiteten Fahrer aus den Sattel heben. Der Untergrund und die Witterungsverhältnisse haben Auswirkungen auf die Bremswirkung: Bei Schnee, Matsch oder Schotter ist die Vorderradbremse mit Vorsicht zu genießen.

E-Bike-Modelle, die über hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen verfügen, sollten ungeübte Fahrer in sicherer Umgebung ausprobieren. Diese Bremsanlagen reagieren und verzögern deshalb stärker als normale Fahrradbremsen und brauchen dementsprechend mehr Feingefühl.
Optimales Bremsen sollte wechselweise am Vorder- und Hinterrad stattfinden, um die Beläge nicht einseitig zu abzunutzen.

E-Bike bei einer Fahrt über einen mit Laub überzogenen Weg.
Der Bremsweg ist beim E-Bike aufgrund des zusätzlichen Gewichts ohnehin länger. Glatte Untergründe und Laub verschlimmern das zusätzlich. Foto: Shutterstock / riopatuca

Die Balance finden - Gleichgewicht und Kurvenlage

Langsames Fahren ist im Straßenverkehr für E-Biker die hohe Schule der Balance. Das kann man üben, etwa indem man auf einem leicht abschüssigen Weg versucht, ein Tempo von maximal 21 km/h zu halten.

Je mehr Gewicht auf dem Vorderrad ruht, desto ruhiger ist die Fahrt. Den sichersten Stand hat man übrigens bei waagerechter Pedalstellung. Der Reifendruck sollte tendenziell etwas höher liegen als bei einem konventionellen Fahrrad.

Für den sicheren Kurvenhalt ist der richtige Reifendruck entscheidend. Für eine optimale Reichweite und sicheren Kurvenhalt sollte man den Reifendruck regelmäßig checken. Dabei muss man bedenken, dass Akku und Motor zusätzliches Gewicht bedeuten. Auf der Mantelseite der Reifen sind der Minimal- und Maximaldruck des jeweiligen Modells notiert.

Tipp für Kurvenfahrten: Den Blick stets in Fahrtrichtung halten und Kopf und Oberkörper aktiv in Kurvenrichtung drehen.

Tipps & Tricks - Hindernisse überwinden

Im Alltagsgebrauch eines Elektrofahrrads trifft man immer wieder auf Hindernisse – Bordsteinkanten und Schlaglöcher gehören dazu. Wenig elegant, aber dafür umso sicherer wäre Anhalten, Absteigen und das Rad an dem Hindernis vorbeiführen. Alternativ helfen diese Tipps und Tricks:

Beim normalen Fahrrad macht man das so: In gemäßigten Tempo und gerade auf die Kante zufahren, das Vorderrad anheben – und auf dem Absatz wieder absenken. Auch bei E-Bikes geht das so, nur dass mehr Gewicht zu bewegen ist:

Den Oberkörper kurz vor der Kante in Richtung Lenkrad vorbeugen. Man nennt das Liegestütz-Position. Dabei sind die Arme angewinkelt. Und dann ruckartig aufrichten, so dass die Arme automatisch das Vorderrad hochziehen. Dieser Bewegungsablauf erfordert eine gewisse Routine. Zur Übung eignen sich niedrige Bordsteinkanten oder ein Stöckchen auf einem Übungsplatz.
Bei der Gefahr, nach hinten zu kippen, einfach die Hinterradbremse betätigen und schon sinkt das Vorderrad wieder zu Boden.

Generell gilt: Wichtig: Nicht zu stark am Lenker reißen. Bordsteinkanten am Besten im rechten Winkel anfahren. So verhindert man ein Wegrutschen.

E-Bike-Training? Kurs buchen!

Immer mehr Pedelecs sind auf den Straßen unterwegs – leider steigt immer noch im gleichen Maß die Zahl der Unfälle. Natürlich möchte jeder E-Bike-Fahrer möglichst lässig cruisen, aber man sollte sich durchaus auch eingestehen, dass es eben nicht so wie Fahrradfahren ist – das man, wenn man dem Volksmund glaubt, eben nicht verlernen kann.

Versierte Fachhändler weisen gleich beim Erstkauf eines Pedelecs darauf hin, dass es Sicherheitsfahrtrainings für E-Bike-Einsteiger gibt. Solche Kurse bieten der ADAC und der ADFC, sowie zahlreiche lokale Unternehmen und Institute an. Auch die Polizeidirektion Wesel hat zwei Kollegen, die auf solche E-Bike-Trainingsseminare für Senioren spezialisiert sind. Die Kosten liegen zwischen 30 und 70 € pro Teilnehmer.

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Schwere Unfälle durch fehlenden Schutz

Auch und gerade beim E-Biking gilt: Safety first! Leider ist diese Weisheit noch nicht bei allen angekommen, obwohl die Statistik das eindeutig belegt: 70 Prozent der Kopfverletzungen bei Unfällen ließen sich durch Helme verhindern. Aber: Nur 60 Prozent der E-Biker (bis 25 km/h) greifen beim Radeln auf den Kopfschutz zurück, bei höheren Geschwindigkeiten (bis 45 km/h) besteht ohnehin Helmpflicht.

Auf einen Helm zu verzichten ist nicht sportlich, sondern fahrlässig… ebenso wie das E-Biking, wenn man den besonderen Herausforderungen des Elektrorads nicht gewachsen ist.

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