Elektromobilität

Neue E-Auto-Marken: Fahrradhersteller sattelt auf vier Räder um

von Carola Franzke

Die E-Mobilität bringt Bewegung in den Automarkt: Auch Marken wie Dyson, Kalaschnikow und Biomega wollen plötzlich Elektroautos bauen.

Nahaufnahme eines Elektroautosteckers. Im Hintergrund ist unscharf ein weißes Auto zu erkennen.
Start-ups und Marken aus anderen Industriebereichen suchen die Verbindung zur E-Mobilität. Foto: Shutterstock / Andrew Balcombe

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich mit der E-Mobilität der Automarkt verändert
  • Warum es gar nicht so abwegig ist, dass Marken wie Dyson oder Kalaschnikow E-Autos bauen
  • Wie die großen Hersteller selber Innovationen vorantreiben

Der Markt der Elektroautos wird immer bunter. Neben den großen Konzernen gibt es unzählige kleine Start-ups rund um den Globus, die an Technologien für die E-Mobilität arbeiten – wie Nio oder Sono Motors in München oder die deutsch-chinesische Kooperation Byton. Selbst bekannte Unternehmen aus ganz anderen Branchen interessieren sich für den neuen Markt.

Weltweit wird die Einführung von E-Autos politisch und steuerlich kräftig gefördert. Das neue Marktsegment bietet spannende technische wie auch konzeptionelle Herausforderungen, wie die Zukunft der Mobilität aussehen soll. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Markt um E-Autos eine Spielwiese für Erfinder, Innovatoren und neue wie alte Marken ist.

Biomega: Vom Fahrrad zum Elektroauto

Das dänische Unternehmen Biomega bezeichnet sich selbst als Premiummarke für Stadt-Fahrräder. Ein Blick auf die Preise für die Zweiräder macht das deutlich. Erst ab 950 Euro gibt es die Bikes zu kaufen. Wer ein E-Bike der Firma möchte, muss mindestens 1999 Euro hinblättern. Einen etwas anderen Weg geht Biomega mit dem Elektroauto Sin.

Obwohl das aus dem englischen Übersetzt “Sünde” bedeutet, steckt hinter dem Fahrzeug ein positiver Beitrag zu moderner Mobilität. Hinter Sin verbirgt sich schließlich in erster Linie ein kleiner Preis: 20.000 Euro soll das Auto zum Start kosten, der für einen nicht näher bezeichneten Zeitraum zwischen 2021 und 2023 angepeilt ist.

Vier Radnaben-Motoren generieren im Konzeptfahrzeug bereits 60 kW und 160 Nm Drehmoment. Letzteres schiebt das Auto in 13 Sekunden vom Stand auf 100 km/h. Viel mehr ist auch nicht drin, denn bei 130 km/h erreicht das Sin seine maximale Geschwindigkeit. Der Saft kommt aus zwei Akkus mit 14 und 6 kWh, wobei sich der kleinere Stromspeicher herausnehmen und etwa im Büro laden lässt.

Neben dem direkten Vertrieb an Kunden, soll das Elektroauto auch bei Carsharing-Anbietern zum Einsatz kommen. Die Endmontage erfolgt übrigens in Deutschland, genauer in Bergkirchen bei München.

Dyson: E-Autos vom Staubsaugerhersteller

Beutellose Staubsauger und Design-Ventilatoren ohne Rotorblätter – dafür steht Dyson gemeinhin. Mit Autos verbindet man den Namen bisher nicht. Doch zumindest weiß das Unternehmen aus Malmesbury (Großbritannien) aus seinem bisherigen Produktportfolio, wie man Elektromotoren baut. Die Engländer sagen selbst sogar, dass E-Motoren zu ihren Kernkompetenzen gehören.

Der Bau der Fahrzeuge soll aber nicht in der Heimat des Herstellers erfolgen, sondern in Asien. Wie das Unternehmen kürzlich mitteilte, sei die Wahl auf Singapur gefallen. Als Begründung gibt Dyson-Chef Jim Rowan die Zulieferer an. Die seien in unmittelbarer Nähe und bereits gut vernetzt.

Ein weiterer Grund dürfte der Markt sein. Der Stadtstaat Singapur gilt als eines der reichsten Länder der Welt, Asien als einer der größten Märkte für Elektromobilität. Über den Seeweg ist Singapur außerdem an das internationale Handelsnetz angeschlossen.

Den Sprung vom Staubsauger zum Auto hat Dyson sorgfältig geplant:

  • 2015 investierte Dyson gut 90 Millionen US-Dollar in das Start-up Sakti3, das eine innovative Solid-State-Lithiumbatterie entwickelt
  • 2017 kündigte Dyson an, rund drei Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektroautos investieren zu wollen
  • 2018 hat Dyson das historische Hullavington Airfield gekauft, einen alten Militärflughafen. In den alten Hangars werden Büros eingerichtet, und auf den ehemaligen Landebahnen sollen Teststrecken für die Dyson-Elektroautos entstehen. Im Dezember soll der Bau der ersten Fabrik in Singapur beginnen.
  • 2020 will Dyson die Fabrik fertigstellen und sein erstes Auto präsentieren.
  • 2021 soll das Elektroauto dann auf den Markt kommen.
Zusammenschnitt zweier Fotos: Links der Hangar des Militärflughafens Hullavington heute, rechts als eingerichtetes Büro mit weißen Tischen und schwarzen Stühlen
Im ehemaligen Hangar des Militärflughafens Hullavington richtet Dyson Büros für die Mitarbeiter ein, die am Elektroauto arbeiten. Foto: Dyson

Kalaschnikow: E-Autos vom Waffenfabrikanten

Das Unternehmen Kalaschnikow steht weltweit vor allem für die gleichnamigen Automatikwaffen, in der Regel wird das Maschinengewehr AK-47 mit dem Namen verbunden.

Auf einer Moskauer Rüstungsmesse im Sommer 2018 stellte Kalaschnikow ein Elektroauto im Retro-Look vor: Den CV-1. Und auch dieser Sprung ist gar nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick erscheint:

Das kleine E-Auto ist im Design angelehnt an den Izh 2125, einen Kleinwagen, der bis 1997 von IzhAvto produziert wurde. IzhAvto gehörte früher zu den Ischmasch-Werken – genau wie auch Kalaschnikow. Insofern kehrt das russische Unternehmen zu seinen Wurzeln zurück, wenn es nun wieder in die Autoproduktion einsteigt.

Der hellblaue Kalaschnikow CV-1 steht auf einer grauen Fläche.
Studie des Elektroautos Kalaschnikow CV-1. Foto: picture alliance/dpa

E-Mobilität verändert den Markt

Bei Veränderungen, die mit großen technischen Innovationen zu tun haben, treten fast unweigerlich neue Unternehmen auf dem Markt auf. Sie gehen an neue Technologien ohne Vorbehalte heran und entwickeln andere Perspektiven.

Gleichzeitig treiben auch die etablierten Unternehmen selbst die Technik voran. Heute unterhalten die meisten Autohersteller und Großkonzerne eigene Innovationszentren und forschen aktiv an Zukunftstechnologien und Konzepten – sie gestalten selbst, anstatt abzuwarten.

Die neuen Anbieter hingegen könnten irgendwann im Zuge einer Marktkonsolidierung aufgekauft werden oder mergen: So hatte beispielsweise Porsche eine Entwicklungspartnerschaft mit dem kroatischen Hersteller Rimac angekündigt und sich dann im Juni 2018 mit zehn Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Rimac gibt es erst seit 2009, die Marke hat aber bereits Rekorde mit dem Elektroauto Concept One aufgestellt.

Es wird interessant sein, welche der neuen Marken es in zehn oder zwanzig Jahren noch geben wird - oder zu welchem Konzern sie dann möglicherweise gehören.

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