Leben

DNA-Analyse: Island ist eine wahre Schatzkammer

von Marten Zabel

In Island trifft eine homogene Gesellschaft auf exakt erhaltene Familienstammbäume. Für die DNA-Analyse am menschlichen Genom ein großer Glücksfall.

DNA-Analysen: Island ist eine Schatzkammer für die Forschung
DNA im Fokus: Island ist das Zentrum für medizinische Forschung am menschlichen Genom. Foto: Pixabay/PublicDomainPictures

Das erfahren Sie gleich:

  • Die abgeschiedene Lage macht Island zu einem idealen Forschungsort für DNA-Analysen
  • Für die medizinische Forschung gibt es dabei große Fortschritte
  • Selbst die Rekonstruktion der DNA Verstorbener ist ohne direkte Gewebeproben möglich

Island ist das Zentrum der DNA-Analyse

Island ist der ideale Ort für Forscher mit Interesse am menschlichen Genom und DNA-Analysen: Durch die abgeschiedene Lage hat sich eine sehr homogene Gesellschaft gehalten, deren Stammbäume sich äußerst exakt und bis zur ersten Besiedlung vor mehr als 1200 Jahren zurückverfolgen lassen. Jetzt hat eine Firma namens deCODE einen riesigen Datensatz menschlicher Genome gesammelt, um die medizinische Forschung voranzubringen und möglicherweise Heilungsmethoden unter anderem für Alzheimer zu finden.

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Durch die geringe genetische Varianz in Island lassen sich Tendenzen wie Erbkrankheiten leichter erforschen.

DeCODE hat bislang die Gendaten von 150.000 Isländern gesammelt, also fast der Hälfte der gesamten Bevölkerung des Landes. Diese ist Schätzungen zufolge derzeit noch zu 90 Prozent rein isländischer Abstammung und daher mit geringer genetischer Varianz ausgestattet. Das macht die Daten im Big-Data-Verfahren leichter zu erforschen, da sich Tendenzen etwa zu bestimmten Erbkrankheiten oder anderen Auswirkungen von Genen stärker ausprägen oder eben nicht. Dazu haben die Forscher des Unternehmens bereits die Gensequenzen von 40.000 ihrer Probanden komplett analysiert.

Krankheitsursachen im menschlichen Genom

Die medizinische Forschung findet mit der Genetik immer neue Ursachen für altbekannte Krankheitsbilder: Die Alzheimer-Krankheit, Herzprobleme und Brustkrebs sind nur einige davon. Dabei ist es äußerst hilfreich, anhand der auf Island sehr präzise vorhandenen Stammbäume zu untersuchen, wie bestimmte Gene von Generation zu Generation weitervererbt werden. Gerade bei den degenerativen Hirnkrankheiten konnte deCODE auf Island große Fortschritte machen: Eine Genvariante, die nur in einem Prozent der isländischen Bevölkerung vorhanden ist, macht praktisch immun gegen Alzheimer. Diese Erkenntnis könnte sich künftig in der Prävention oder gar Heilung der Krankheit nutzen lassen.

Auch ein spezifisch mutiertes Gen für Brustkrebs ist auf dem Schirm der Forscher aufgetaucht: 0,8 Prozent aller Frauen in Island tragen BRCA2 in seiner mutierten Form in sich – und haben ein Risiko von 86 Prozent, an Brustkrebs zu erkranken. Die Nutzung dieser Information scheitert allerdings am Konflikt zwischen medizinischer Indikation und dem Schutz der Privatsphäre der Probanden: Da die Gendatensätze nur anonymisiert verwendet werden, können die Betroffenen nicht gewarnt werden. Eine Öffnung der Datenbanken könnte allerdings andere Probleme hervorrufen, etwa Stigmata von Menschen, die für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind.

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Erfolge jenseits der medizinischen Forschung

Wie weit die Forscher auf Island bereits in Sachen Genetik sind, unterstreicht nicht nur die Aussage von deCODe-Chef Kári Stefánsson, sein Unternehmen habe in etwa so viel zum Wissensstand des Feldes beigetragen wie der ganze Rest Europas: Mit der Gendatenbank und den Stammbäumen der Isländer lassen sich die Gensequenzen von Toten komplett rekonstruieren, selbst wenn keine Gewebeproben von der entsprechenden Person vorliegen. Die Forscher haben es in einem ersten Versuch geschafft, die DNA von Hans Jonatan neu zu erschaffen. Jonatan war der erste und lange Zeit über einzige Isländer mit afrikanischen Wurzeln und als entlaufener Sklave ein lokaler Volksheld. Er starb im Jahr 1827. Sein Erbgut konnten die Forscher anhand verschiedener Markergene und mittels der DNA seiner Nachfahren rekonstruieren.

Jede historische Figur der letzten 500 Jahre ließe sich genetisch analysieren.

Theoretisch wäre es den Forschern auf Island laut eigener Aussage möglich, jede historische Figur, die in den letzten 500 Jahren hier gelebt hat, genetisch zu analysieren. Auf Island ist dies allerdings einfacher als im Rest der Welt, da die Parameter wie Verwandtschaftsgrade und alle Nachfahren bekannt sind. Wie die Menschheit mit diesen Fähigkeiten umgeht, werden die nächsten Jahre zeigen.

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