Leben

Divestment in Irland: Ende der Investments in fossile Brennstoffe

von Paul Bandelin

Divestment-Bewegung: Irland verabschiedete im Juli 2018 ein Gesetz, das in den nächsten Jahren den kompletten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verspricht.

Irland aus der Luft.
Die grüne Insel will noch grüner werden: Mit dem Abschied von fossilen Brennstoffen. Foto: Shutterstock / Henryk Sadura

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Irland fossile Brennstoffe radikal reduzieren will
  • Warum das Pariser Klimaabkommen dabei als Benchmark dient
  • Weshalb Irland mit der Divestment-Bewegung nicht alleine ist

In Irland hat die Regierung jetzt als erste weltweit beschlossen, dem Klimawandel entgegenwirken zu wollen. Die Nutzung fossiler Brennstoff soll nicht mehr durch den Staat finanziert werden. Das Daíl Éireann, auch als irisches Parlament bekannt, verabschiedete am 12. Juli 2018 ein entsprechendes Gesetz.

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Laut diesem soll der irische Staatsfond Irish Strategic Investment Fund nicht mehr für Investitionen in Kohle, Öl und Gas genutzt werden. Der Ausstieg soll „as soon as possible“ – etwa innerhalb der kommenden fünf Jahre – erfolgen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Leben der Iren.

Das Gesetz ist sowohl substanziell als auch symbolisch. Es verhindert, dass öffentliches Geld entgegen dem öffentlichen Interesse investiert wird, und es sendet eine klare Botschaft an das Land und die ganze Welt, dass wir dringend mehr gegen die Klimakrise tun müssen, angefangen beim Ausstieg aus den fossilen Energien.

Éamonn Meehan, Chef von Trócaire, der katholischen Entwicklungshilfeagentur für Übersee

Fossile Brennstoffe radikal reduzieren

Dabei dreht es sich nur um einen geringen Teil des etwa acht Milliarden Euro starken Fonds – insgesamt 318 Millionen Euro investierte das Land 2017 in über 150 Unternehmen aus aller Welt. Auf der grünen Insel war lange nicht klar, ob das Gesetz ratifiziert wird. Viele Male wurde der Vorschlag bereits unterbreitet und im Anschluss abgelehnt. Dass das Divestment – also der Investitionsstopp – jetzt geglückt ist, werten Klimaschützer als großen Erfolg.

Vermehrt auftretende Klimaextrema befeuern immer wieder die Diskussion um den Abbau fossiler Brennstoffe. In manchen Regionen wechseln sich die Extreme ab: Ungewohnt heiße und trockene Sommermonate mit unverhältnismäßigen Minusgrade und mit nicht enden wollenden Regenschauern.

Das Pariser Klimaabkommen als Benchmark

Für Irland war es wichtig, nicht als Nachzügler beim Erreichen der Pariser Klimaziele zu gelten. In teilweise heftigen Debatten im Parlament wurde die Absicherung der Energieversorgung des Landes diskutiert. Dabei kamen die Politiker zu dem Konsens, dass Kohle, Öl und Gas, sofern sie nicht als Energiequelle genutzt werden, im Boden verbleiben sollten.

Die Befürworter des neuen Gesetzes machten klar, dass die Energiesicherheit Irlands nicht von fossilen Brennstoffen abhängt. Um diese aber zu erhöhen, solle der Ausbau erneuerbarer Energien – etwa durch Photovoltaikanlagen oder Offshore-Windparks – schneller vonstattengehen und Energiesparmaßnahmen vorangetrieben werden wie die energetische Sanierung von Häusern.

Das nationale Parlament der Republik Irland.
In Irland beschloss die Regierung, das Daíl Éireann, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Foto: Shutterstock / EQRoy

Weltweit steigende Divestment-Bewegung

Auf der ganzen Welt wächst die Divestment-Bewegung, also der Trend, Investitionen aus fossilen Energieformen abzuziehen und umzuwidmen. Die Städte Berlin und New York, aber auch die Universität Cambridge oder die Anglikanische Kirche haben in den vergangenen Monaten ihre Investitionen in fossile Brennstoffe bereits vermindert beziehungsweise auf Null gesetzt.

Irlands Entscheidung ist ein bedeutender Sieg für die weltweite Divestment-Kampagne.

Nicolò Wojewoda, Leiter der Klimaschutzorganisation 350.org

An der Universität Cambridge haben Studenten die Bewegung vorangetrieben – einige begannen einen Hungerstreik und erzwangen so das Divestment. Die Anglikanische Kirche, eine weltweit agierende christliche Kirchengemeinschaft, hat angekündigt, bis zum Jahr 2023 alle seine Investitionen zu stoppen. Allerdings nur, wenn sich die betreffenden Unternehmen nicht an den Pariser Klimavertrag halten.

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Norwegen ist zumindest den ersten Schritt gegangen und hat beschlossen, komplett aus der Kohle auszusteigen – Öl und Gas laufen aber vorerst weiter. Immerhin ein erster Schritt des Musterlands der Elektromobilität.

In Irland erhofft man sich von dem Gesetz vor allem eine Signalwirkung an andere Regierungen, auch den Turnaround zu vollziehen und mitzuhelfen, den Klimawandel schnellstmöglich zu stoppen. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte damit schon bald der Vergangenheit angehören. Und so erneuerbaren Energien die Tür öffnen.

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