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Digitaler Nachlass: So regeln Sie Ihr digitales Erbe

von Gertrud Teusen

Nahaufnahme eines Spinnennetzes im Sonnenuntergang.
Wenn die Tage zu Ende gehen: Nur mithilfe eines digitalen Testaments lässt sich sicher regeln, was mit den eigenen Daten nach dem Tod passieren soll. Foto: Shutterstock/visualpower

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie wenige Deutsche ein Testament haben
  • Warum ein digitales Testament so wichtig ist
  • Worum sich Erben kümmern müssen
  • Wie soziale Netzwerke das digitale Erbe betreuen
  • Wer beim digitalen Nachlass hilft
  • Wie ein digitales Testament gemacht wird

Wer seinen Hinterbliebenen das Leben nicht schwer machen will, kümmert sich um seinen digitalen Nachlass. Wir sagen, wie so ein digitales Testament geht.

Wie wenige Deutsche ein Testament haben

Die Deutschen sind Testament-Muffel: Rund zwei Drittel haben ihren Nachlass nicht geregelt. Und beim digitalen Nachlass sieht es mit der Vorsorge auch nicht besser aus: Mittlerweile haben zwar fast 80 Prozent der Deutschen einen Internetanschluss, schreiben E-Mails, nutzen soziale Netzwerke wie Facebook oder wickeln ihre Bankgeschäfte online per Mausklick ab.

Wir denken immerzu an unser Leben. Doch was nach dem Tod mit den Daten im Netz passiert, darüber machen sich nur ganz wenige Gedanken. Ein digitales Testament haben nach einer Studie von YouGov im Auftrag der DEVK-Versicherung nur sieben Prozent der Deutschen.

Warum ein digitales Testament so wichtig ist

Wenn ein Mensch stirbt, gehen seine Rechte und Pflichten komplett auf den oder die Erben über. Ob es einen oder mehrere Erben gibt und wer was bekommt, kann man in einem handgeschriebenem Testament festlegen.

Andernfalls wird es durch die gesetzliche Erbfolge geregelt. Diese setzt quasi automatisch ein und ersetzt eine individuelle Regelung, wenn kein letzter Wille zu finden ist.

Die Hinterbliebenen übernehmen auch die rechtlichen Verpflichtungen.

So oder so haben die Hinterbliebenen die Wahl, das Erbe anzunehmen oder auszuschlagen. Nehmen sie es an, übernehmen sie auch die rechtlichen Verpflichtungen, die der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes hatte.

Diese „Gesamtrechtsnachfolge“ umfasst auch die sogenannte Internetpersönlichkeit des Verstorbenen. Und genau da beginnt das Problem, wenn kein digitales Testament vorliegt. Eine solche wird durch den Erbschein ersetzt. Bis ein potentieller Erbe diesen jedoch bekommt, vergehen mitunter Wochen.

Worum sich Erben kümmern müssen

In früheren Zeiten gingen die Hinterbliebenen in die Wohnung des verstorbenen Angehörigen, durchsuchten Aktenordner und lasen Briefe, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Heutzutage müssen sich Erben oft auch im Internet auf Spurensuche begeben, um das digitale Erbe zu regeln:

1. Passwörter herausfinden

Das Problem mit der digitalen Spurensuche beginnt meist schon mit dem Anschalten des PC oder des Smartphones – hier sind Passwörter gefragt. Wenn der Verstorbene nicht so weitsichtig war, einen Passwortmanager zu verwenden und das Master-Passwort sicher zu hinterlegen (siehe unten), müssen die Erben raten. Tipp: Viele Menschen scheuen den Aufwand komplexer Passwörter und greifen auf einfach zu merkende zurück – zum Beispiel das Geburtsdatum.

2. Mailpostfächer verwalten

Je tiefer Hinterbliebene in die digitale Identität des Verstorbenen eintauchen, desto komplizierter wird die Verwaltung des digitalen Nachlasses. Zwar schlummert in den digitalen Postfächern eine Fülle wichtiger Informationen, doch auch hier gilt: Wer kein Passwort besitzt, dem bleibt der Zugang erst mal verwehrt.

Zwar ist er als Erbe der offizielle Rechtenachfolger, doch das impliziert nicht automatisch, dass der Maildienstbetreiber verpflichtet ist, ihm das Passwort bekannt zu geben.

Der Hinterbliebene braucht also auf alle Fälle einen Erbschein, um weiter zu kommen. Einfach wird es allerdings nicht, weil sich viele Provider auf das Fernmeldegeheimnis berufen.

3. Vertragspflichten erfüllen

Verträge werden heute auch übers Internet geschlossen. Erben übernehmen beispielsweise automatisch Abos und Mitgliedschaften. Im Laufe eines digitalen Lebens kommt da einiges zusammen.

Viele Erben wissen gar nichts davon, beispielsweise ob der Verstorbene online Poker gespielt hat oder die Verstorbene bei einer Online-Partnervermittlung angemeldet war. Entsprechend müssen Mitgliedschaften und Verträge gekündigt und Ausstände bezahlt werden.

4. Rechnungen begleichen

Offene Rechnung wiederum müssen bezahlt werden, auch wenn beispielsweise die online gebuchte Reise nie angetreten werden kann. Merke: Der Erbe wird so behandelt, als hätte er selbst den Vertrag abgeschlossen. Gerade deshalb ist es so wichtig, sich rasch einen Überblick über den digitalen Nachlass zu verschaffen.

Auch das geht am Schnellsten über den E-Mail-Verkehr des Verstorbenen. Schlummern irgendwo Guthaben, dann haben die Erben selbstverständlich im Gegenzug Anspruch auf Erstattung. Das muss dann über die Vorlage eines Erbscheins nachgewiesen werden.

Eine Frau tippt auf einer Laptop-Tastatur.
Einen Überblick über die Verträge des Verstobenen verschaffen sich Hinterbliebene am einfachsten in seinem E-Mail-Postfach. Foto: Shutterstock / Undrey

Wie soziale Netzwerke das digitale Erbe betreuen

Nicht so brisant, aber dennoch nervenaufreibend ist die Nachlass-Verwaltung in Bezug auf die sozialen Medien. Berufliche und private Netzwerke machen es Hinterbliebenen oft nicht leicht, wenn es um das Löschen von Profilen geht.

Die Frage, was aus Profilen werden soll, die der Verstorbene in sozialen Netzwerken hat, stellt sich dennoch. Das Problem: Kümmert sich keiner, bleiben Fotos und persönliche Daten auf ewig im Netz.

Der digitale Nachlass bei Facebook

1. Hinterbliebene können das Profil in den „Gedenkstatus“ versetzen. Dabei wird das Profil eingefroren und bleibt als Gedenkstätte erhalten. Das bedeutet: Neue Posts auf der Pinnwand sind nicht mehr möglich.

Aber: Facebook-Nutzer können weiterhin Nachrichten an den Verstorbenen schreiben, die dann allerdings von den Angehörigen nicht gelesen werden können. Um den Gedenkstatus zu aktivieren, bedarf es lediglich einer Sterbeurkunde, also eines Nachweises, dass der Angehörige nicht mehr lebt.

2. Wollen Hinterbliebene das Profil löschen, brauchen sie einen Erbschein. Damit verschwindet das Profil von Facebook und kann nicht mehr aufgerufen werden. Die Löschung kann aber nur von einem legitimierten Erben beantragt werden.

Wichtig: Die persönlichen Daten des Verstorbenen bleiben trotz Löschung bei Facebook. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Der digitale Nachlass bei Google

Google beschreitet für seine Dienste mittlerweile neue Wege, indem es einen „Konto-Inaktivitäts-Manager“ anbietet. Das ist quasi die Aufforderung, Personen zu bestimmen, die über die Konten verfügen können, wenn der Besitzer verstirbt.

Das Procedere ist etwas kompliziert: Man erstellt eine Liste von bis zu zehn Personen, die das digitale Erbe antreten sollen. Parallel legt man einen Zeitraum fest, nachdem diese benachrichtigt werden, wenn keine Aktivitäten mehr zu verzeichnen sind.

Läuft die Zeit dann ab, erhält zunächst noch einmal der Nutzer selbst eine Nachricht – per SMS oder E-Mail. Meldet er sich daraufhin nicht, werden die angegebenen Personen kontaktiert und erhalten – wenn tatsächlich ein Todesfall vorliegt – Zugriff auf die jeweiligen Konten.

Wer beim digitalen Nachlass hilft

Es gibt sie tatsächlich, die digitalen Nachlassverwalter. Das sind Dienstleister, die – soweit möglich – alle Spuren und Konten von Verstorbenen im Internet ausfindig machen. Sie überprüfen an die 100 häufigsten digitalen Kontakt-Punkte und übergeben den Erben im Anschluss eine entsprechende Liste.

Zu diesem Zweck müssen natürlich alle elektronischen Medien an eine solche Beratungsfirma übergeben werden. Abgerechnet wird meist pro Gerät und pro Profil. Die meisten Anbieter wollen ein persönlichen Angebot unterbreiten, doch generell lässt sich zu den Kosten sagen: Pro Gerät zwischen 200 und 300 Euro, jedes Profil zwischen 30 und 50 Euro.

Wie ein digitales Testament gemacht wird

Der klassische Weg der digitalen Vorsorge ist, eine Liste mit allen Zugangsnamen und Passwörterm zu erstellen. Diese kann man auf einem Stick speichern oder ausdrucken und dann an einem sicheren Ort aufbewahren – beispielsweise einem Bankschließfach. Nachteil: Solche Listen müssen regelmäßig aktualisiert und gegebenenfalls erweitert werden.

Wer sein digitales Erbe einfach und sicher regeln will, sollte einen Passwortmanager benutzen.

Komfortabler (und grundsätzlich sicherer) ist die Verwendung eines Passwortmanagers wie zum Beispiel 1Password. Hier muss der User nur ein extrem sicheres Master-Passwort setzen, das den digitalen Tresor aufschließt, in dem die Passwörter für die einzelnen Seiten und Dienste gespeichert sind. Wer sein digitales Erbe regeln will, muss dann nur das Masterpasswort in einem Schließfach hinterlegen – und keine Listen mehr führen.

Im nächsten Schritt sollte ein digitaler Nachlassverwalter bestimmt werden und mit ihm die entsprechenden Wünsche und Modalitäten vorab besprechen. Was soll mit den Daten geschehen? Wer soll auf den Computer Zugriff bekommen? Was soll gelöscht, was soll erhalten bleiben? Diese Wünsche können natürlich auch in einem Testament niedergeschrieben werden.

Das muss in der digitalen Vollmacht aufgeführt sein

  • Name, Adresse und Geburtsdatum desjenigen, der die Vollmacht erteilt
  • Name, Adresse und Geburtsdatum der Person, der die Vollmacht bekommt
  • einleitende Formulierungen wie „Für den Fall meines Todes erteile ich XY die Vollmacht für alle von mir genutzten digitalen Dienste“
  • eine Aussage, was mit den Daten geschehen soll. Beispiel: „Insbesondere soll der Bevollmächtigte sämtliche digitalen Dateien, Accounts und Social-Media-Profile…“ entweder „löschen“, „kündigen“, oder „an die gesetzlichen Erben verteilen“
  • der Zusatz: „Diese Vollmacht gilt auch über meinen Tod hinaus, sofern ich die Vollmacht nicht zu Lebzeiten widerrufe.“
  • eine Klausel, dass keine Untervollmachten erteilt werden dürfen bzw. die Vollmacht auf andere übertragen werden kann

Tipp: Ironischerweise muss das Testament über das digitale Erbe handschriftlich verfasst werden. Ein am Computer getipptes Dokument, das man anschließend unterschreibt, reicht allein nicht aus.

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