Leben

Dieselpreisentwicklung: Lohnt sich der Diesel noch?

von
Thomas Pitscheneder

Fahrverbote und geplante Steuererhöhungen setzen dem Diesel zu. Doch das ist nicht sein einziges Problem – auch die Dieselpreise steigen weiter an.

Zapfhahn für Diesel-Kraftstoff an einer Tankstelle
Der Diesel ist ein Auslaufprodukt und soll in Zukunft sogar vollständig vom Markt verschwinden. Schon jetzt hat der Kraftstoff mit steigenden Preisen zu kämpfen. Foto: Getty Images/iStockphoto

Das erfahren Sie gleich:

  • Was ein Liter Diesel aktuell kostet
  • Wie sich die Preise in den vergangenen Jahrzehnten entwickelten
  • Wie sich der Diesel im Vergleich zum Elektroauto und Benziner schlägt

Noch vor einigen Jahren waren Autos mit Dieselmotoren die erste Wahl für lange Strecken. Die Fahrzeuge galten beim Spritverbrauch als sparsam und dennoch leistungsstark. Doch der Diesel scheint ein Auslaufmodell zu sein. Immer strengere Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß und dadurch entstehende Fahrverbote in Städten machen die Selbstzünder unattraktiv.

Der neue Audi e-tron

Jetzt Ihren elektrischen SUV zusammenstellen

Konfiguration starten

audi.de/DAT-Hinweis

Doch das ist nur ein kleiner Teil des Problems. Die Vorteile bei den Kosten schmelzen aktuell ebenfalls dahin. Ein entscheidender Grund dafür ist die Entwicklung der Dieselpreise. Wer an die Tankstelle fährt, kommt mit Diesel mittlerweile kaum günstiger weg als mit Benzin.

Dieselpreis: So viel kostet der Liter Diesel heute

In den 2010ern waren die Kraftstoffpreise von Jahr zu Jahr und Monat zu Monat teils starken Schwankungen ausgesetzt. So gab es den Liter Diesel 2012 für 1,49 Euro, 2016 kostete der Sprit an der Tankstelle hingegen nur 1,07 Euro. In den vergangenen beiden Jahren gingen die Preise wieder nach oben, auf 1,29 Euro 2018.

Im Januar 2019 lag der Dieselpreis bei rund 1,24 Euro pro Liter. Damit scheint er etwas gesunken zu sein. Doch diese Entwicklung täuscht, denn zum Jahresanfang 2018 zeigte sich ein ähnliches Bild. Über das Jahr kletterten die Preise teils steil nach oben – wie die historische Entwicklung des Vergleichsportals clever-tanken zeigt. Demnach ist der Diesel damit aber nicht alleine, denn auch Super E10 stieg über das Jahr gesehen an.

Die Tendenz dürfte weiter steigen, denn die bereits erwähnten Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxid verschärfen sich zunehmend. Die Regierung muss darauf reagieren und führt in einigen Städten etwa Fahrverbote ein. Das dürfte allerdings auf Dauer nicht reichen. Die Empfehlung einer Experten-Kommission des Verkehrsministeriums ist deshalb klar: Für fossile Kraftstoffe soll eine höhere Besteuerung kommen.

So setzt sich der Dieselpreis zusammen

Wie groß der Einfluss der Besteuerung auf den Dieselpreis ist, zeigt die Zusammensetzung. Der Mineralöl Wirtschaftsverband (MWV) rechnet diese auf seiner Seite vor. Betrug der Verkaufspreis für einen Liter Diesel im Dezember 2018 an der Tankstelle 134,07 Cent, waren davon 47,04 Cent Mineralölsteuer und 23,17 Cent Mehrwertsteuer.

Die Produktbeschaffungskosten für die Tankstellen beliefen sich auf 40,46 Cent. Als Deckungsbeitrag bleiben 25,16 Cent übrig – darin enthalten sind Kosten für den Transport, die Lagerung, die gesetzliche Bevorratung, Verwaltung, Vertrieb sowie Biokomponenten. Kein Wunder, dass das Tanken für den Endverbraucher so teuer ist. Das Problem ist also nicht zwingend der Rohölpreis. Selbst günstige Tankstellen müssen mit den Steuern rechnen und so die Preise für den Diesel anpassen.

Dieselpreis: Entwicklung über die Jahrzehnte

Das Statistik-Portal Statista betrachtete die durchschnittlichen Dieselpreise in Deutschland vom Jahr 1950 bis 2018. Dabei ist eine klare Tendenz zu erkennen: kostete der Liter damals noch rund 17,2 Cent, lagen die Preise im vergangenen Jahr bei etwa 1,29 Euro. Somit ist der Kraftstoffpreis für Diesel um mehr als das Siebenfache gestiegen.

Über die Jahrzehnte sorgten verschiedenste Ereignisse für steigende Spritpreise. So kam es etwa ab 1973 zu einem ersten größeren Anstieg des Durchschnittspreises. Schuld daran war die erste Ölkrise – ausgelöst von der Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC). Sie hielt bewusst Fördermengen zurück, um eine Unterstützung im wirtschaftlichen Konflikt mit Israel zu erwirken. In der Folge stieg der Dieselpreis zwischen 1973 und 1976 von 35,8 Cent auf 45,2 Cent an.

Auch die zweite Ölkrise ab 1979 ließ die Preise für den Kraftstoff wieder in die Höhe schnellen. Von 49,6 Cent ging es bis 1985 auf 68,1 Cent pro Liter hoch. Dahinter steckte zu dieser Zeit der Erste Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran. Erst im Jahr 1988 konnten Autofahrer aufatmen, denn der Preis hatte sich mit 45,3 Cent pro Liter etwas erholt.

Mit dem Wirtschaftswachstum in den folgenden zwei Jahrzehnten zogen auch die Benzinpreise kräftig an. Zwischen 1990 und 2010 stieg der Dieselpreis im Land um satte 70,2 Cent pro Liter (52,2 Cent zu 1,22 Euro). Einen zwischenzeitlichen Rekord gab es im Jahr 2008: 1,34 Euro mussten Autofahrer beim Tanken hinblättern.

Diesel gegen Elektro und Benziner

Doch was bedeuten die steigenden Preise für den Vergleich mit einem Elektroauto und einem Fahrzeug mit Benziner? Dafür bietet sich der Blick auf ein Auto des Volkswagen-Konzerns an. Der VW Golf ist in allen drei Varianten verfügbar. Der e-Golf ist mit einer 35,8 kWh starken Batterie ausgerüstet und schafft damit laut Hersteller 300 Kilometer. Auf 100 Kilometer verbraucht er so rechnerisch 11,93 kWh. Laut dem Vergleichsportal Verivox belaufen sich die Kosten pro Kilowattstunde im Schnitt auf rund 28,82 Cent. Damit kosten 100 Kilometer beim e-Golf rund 3,44 Euro.

Der ähnlich leistungsstarke (rund 100 kW) Golf mit 1,5-Liter-Benziner verbraucht laut VW etwa 5 Liter auf 100 Kilometer. Ausgehend von einem durchschnittlichen Benzinpreis von 1,34 Euro pro Liter (Super E10) tankt der Verbrenner für 6,70 Euro. Der Diesel-Golf mit 1,6 Litern (85 kW) verbraucht laut Hersteller 4,2 Liter Diesel pro 100 km. Ausgehend von rund 1,24 Euro pro Liter belaufen sich die Spritkosten auf etwa 5,21 Euro.

Leben

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Beim Tanken ist bei dieser Berechnung also der Stromer besonders günstig. Der Diesel kostet zwar weniger als der Benziner, doch der Unterschied ist heute nicht mehr groß. In der Gesamtkostenrechnung – also mit Steuer, Versicherung, Restwert und Reparaturen – rücken die Verbrenner immer näher zusammen. Das zeigt auch ein kürzlich durchgeführter Vergleich vom ADAC.

Mit hoher Reichweite, viel Kraft und aktuell noch niedrigeren Preisen hat der Diesel für Vielfahrer noch immer die Nase vor dem Benziner. Doch die ungewisse Zukunft macht den Kauf eines Diesels zu einem Glücksspiel.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen