Technik

Diese russische Firma will Werbung auf den Nachthimmel bringen

von
Marten Zabel

Das russische Start-up StartRocket will am Nachthimmel Logos und Schriftzüge für Werbezwecke einblenden. Ob das klappt, ist mindestens zweifelhaft.

Blick in den Nachthimmel
Der klare Sternenhimmel ist ein erhabener Anblick. Eine russische Firma will den bald mit strahlender Werbung zerstören. Foto: Unsplash/Jesse Sewell

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Start-up den Nachthimmel für Werbezwecke einspannen will
  • Warum es fraglich ist, ob CubeSats das leisten können, was StartRocket verspricht
  • Welche Projekte rund um Sonnenspiegel es bereits in der Vergangenheit gab

Ein russisches Start-up will mit Satelliten Schriftzüge auf den Nachthimmel schreiben. Der ambitionierte Plan sieht vor, dass bereits 2021 die Logos von Konzernen zwischen den Sternen zu sehen sind. Ob das überhaupt klappen kann, ist allerdings mehr als fragwürdig – es ist nicht der erste Versuch, den Weltraum für Werbezwecke einzuspannen.

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StartRocket arbeitet an etwas, das einige Pressestimmen als schreckliche Idee bezeichnen: Sie wollen bereits 2021 eine Konstellation von Mikrosatelliten in einen niedrigen Erdorbit schicken, die als einzelne Pixel eines Displays Werbung auf den Nachthimmel bringen können. Die CubeSats bilden dann zusammen das Orbital Display und leuchten jeweils wie ein heller Stern. Zudem können sie zusammen Bilder erzeugen – etwa das Logo einer Marke oder einen kurzen Schriftzug.

Können CubeSats das überhaupt?

Viele Kritiker wähnen den Nachthimmel gestört und fragen sich, ob ein derartiges Projekt überhaupt legal ist. Tatsächlich könnten diverse Staaten und Umweltorganisationen rechtlich gegen StartRocket vorgehen, sollte das Orbital Display realisiert werden. Allerdings ist es absolut nicht klar, ob sich die Sache überhaupt so einfach realisieren lässt oder es sich nicht einfach um eine Spinnerei handelt, um Investoren Geld aus der Tasche zu ziehen.

Laut StartRocket soll das Display aus einzelnen CubeSats bestehen, also aus Satelliten, die gerade einmal einen Liter Volumen mitbringen. Das bringt technische Einschränkungen mit sich, die sich möglicherweise gar nicht lösen lassen: Zum einen müssen die kleinen Satelliten eine Lichtquelle haben, die hell genug ist, um am Nachthimmel Sterne zu überstrahlen – und trotzdem genug Akku an Bord haben, um das auch über längere Zeit durchzuhalten.

Zum anderen ist die vorgesehene Formation mit regulärer Orbitalphysik nicht möglich: Umkreisen die Satelliten in der vorliegenden Animation die Erde brav in Reih und Glied, würden sie in der Realität aufgrund leicht unterschiedlicher Orbitalbahnen praktisch sofort die Formation verlieren und durcheinander geraten.

Das ließe sich zwar durch eine sehr clevere Software für das Display zumindest kurzfristig zum Teil beheben, würde das Pixel-System für die Bilder aber empfindlich stören. Eine erzwungene Formation hingegen würde bedeuten, dass die kleinen CubeSats nicht nur Schwungräder für die Ausrichtung, sondern auch Triebwerke und Treibstoff an Bord haben müssten – und letzteren vermutlich sehr schnell verbrauchen würden.

Andere Sonnenspiegel

Es ist also alles andere als klar, ob das Projekt überhaupt Realität wird – zumal auch der kurze Zeitrahmen Zweifel aufkommen lässt. Tatsächlich ist das Orbital Display nicht das erste Projekt, mit dem der Nachthimmel mit Lichtern verändert werden sollte. Zuletzt hatte die Stadt Chengdu in China für Aufsehen gesorgt, als sie den Plan für einen Spiegelsatelliten angekündigt hatte, der die Straßenbeleuchtung der Region ersetzen soll.

Lange davor gab es bereits das russische Projekt Znamya: Ausfaltbare Spiegel sollten damit Teile des dunklen winterlichen Sibiriens ausleuchten. Znamya-2 startete 1992 ins All, wurde Anfang 1993 entfaltet und beleuchtete ein fünf Kilometer breites Gebiet.

Der Lichtkegel wanderte mit acht Kilometern pro Sekunde von Südfrankreich bis nach Westrussland und war etwa so hell wie es bei Vollmond der Fall wäre. Die Nacht war allerdings wolkenverhangen. Nach dem Scheitern von Znamya 2.5 im Jahr 1999, das einen größeren und deutlich helleren Lichtkegel produzieren sollte, wurde das Projekt eingestellt.

Nicht nur den Nachthimmel im Visir

Ansonsten gibt und gab es bereits funkelnde Objekte im All: Der Künstler Trevor Paglen hat den Orbital Reflector erschaffen, eine reflektierende Skulptur, die seit Dezember 2018 um die Erde kreist. Der Humanity Star war Anfang 2018 für ein paar Monate im All und hat von Zeit zu Zeit für helle Lichtstreifen gesorgt.

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Und schließlich gibt es auch noch das dienstälteste noch genutzte und von Menschen gemachte Objekt im All, die Lincoln Calibration Sphere 1. Diese hohle Kugel aus Aluminium mit einem Durchmesser von 112 Zentimetern dient der Radarkalibrierung, kreist seit 1965 um die Erde und wird das wohl auch noch für die nächsten 30.000 Jahre tun.

Sollte die von StartRocket geplante Konstellation für das Orbital Display tatsächlich starten, dürfte ihre Lebenserwartung deutlich kürzer sein – ob nun aus rechtlichen Gründen, oder weil die kleinen CubeSats schon bald ohne Treibstoff die oberen Schichten der Atmosphäre streifen und dann verglühen werden.

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