Technik

AR: Die Windschutzscheibe wird zum Navi

von Leonie Butz

Mehr als ein Head-up-Display: Apple und andere Hersteller arbeiten an AR-Systemen, mit denen das Navi die Route auf die Windschutzscheibe projizieren kann.

AR-Display auf der Windschutzscheibe
Die nächste rechts: Anders als herkömmliche Head-up-Displays projiziert das AR-System die Anweisungen direkt auf die Straße. Foto: Wayray

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Vorteile eine Windschutzscheibe mit AR-Technik bietet
  • Wie Apple das Navi auf die Windschutzscheibe bringen will
  • Wieso ein Schweizer Start-up bei der AR-Windschutzscheibe schon weiter ist

Ein Blick auf die Straße, einer aufs Navi. Ein Blick auf die Straße, einer aufs Navi... Viele Autofahrer kennen das Dilemma: In manchen Autos sitzt das Navigationssystem so tief, dass sich der Autofahrer immer entscheiden muss, wo er jetzt gerade hingucken soll. Von den in die Cupholder gestellten Smartphones mit Naviapps wie Google Maps oder Waze mal ganz zu schweigen.

Neuste Autos haben zwar heute bereits oft ein Head-up-Display integriert, das am unteren Rand der Windschutzscheibe zum Beispiel Geschwindigkeit und Navi-Hinweise anzeigt. Für viele Informationen muss der Autofahrer aber immer noch aufs Navi und somit nicht mehr auf die Straße schauen.

Experten schätzen, dass rund zehn bis 15 Prozent der tödlichen Unfälle auf deutschen Straßen aus Ablenkung etwa durchs Smartphone oder das Navigationssystem resultieren. Apple und andere Hersteller wollen das jetzt ändern – und integrieren mithilfe von AR-Technik die Routenanzeige in die Windschutzscheibe.

Apple und Wayray: AR-Technik für das Navi

Der Blog "Patently Apple" berichtet über einen Patenantrag, den Apple für ein "Augmented Reality Display" eingereicht hat. Es handelt sich dabei um ein AR-System, mit dem Routenanweisungen auf der Windschutzscheibe eingeblendet werden – zum Beispiel mithilfe einer farbig eingefärbten Abbiegespur.

Sogar Facetime-Anrufen zwischen zwei verschiedenen Autos sollen mithilfe der AR-Windschutzscheibe möglich sein.

Auch das AR-Navigationssystems Navion von Wayray verfolgt das Ziel, dem Fahrer den Blick aufs Navi zu ersparen. Bei dem Schweizer Start-up wird die komplette Windschutzscheibe mithilfe der Augmented Reality zum Bildschirm für das Navi.

Die erste holographische Navigation fürs Auto.

Wayray-Firmengründer Vitaly Ponomarev

Im unteren Bereich sind unauffällig Geschwindigkeit sowie Uhrzeit und Entfernung vom Ziel angezeigt. Die Strecke legt sich hingegen unaufdringlich über die Straße vor dem Auto.

Auf der Automesse Automobility LA gewann das Start-up für dieses holographische Navi die "2017 Top-Ten-Automotive-Startups-Competition". Inspiriert sei das System von der Luftfahrt, so das Unternehmen.

Infotainment auf der Windschutzscheibe

"Wie in einem Videospiel", heißt es bei Wayray, "folgt man den grünen Pfeilen vor dem Auto, um das Ziel zu erreichen." Dabei bietet das AR-System jedoch mehr als ein reines Navigationssystem. Das System warnt auch vor Gefahren auf der Fahrbahn und ändert die Route dementsprechend.

In einem Produktvideo etwa steigt eine Person am Straßenrand aus ihrem Fahrzeug aus, ohne auf den Verkehr zu achten. Das System zeigt sofort einen Spurenwechsel an. Dank der Sprachsteuerung ist auch kein Tippen auf irgendwelchen Tasten mehr notwendig.

Für beinahe jedes Fahrzeug, das nach 1990 gebaut wurde, soll das System nutzbar sein – der Käufer braucht nur die neue Windschutzscheibe mit dem holographischen Display nachzurüsten. Das System soll noch 2018 auf den Markt kommen, ein Preis steht bisher nicht fest.

Die Zukunft: AR in autonomes Auto

Ein wenig ablenkend scheint noch das Aufpoppen von Infos zu interessanten Orten wie Restaurants zu sein – das lässt sich jedoch individuell einstellen. Und auch ein Entertainment-System für den Beifahrer – der während der Fahrt etwa seine sozialen Kanäle checken kann – scheint etwas ungünstig für den Fahrer und seinen Überblick über die Straße.

Auf längere Sicht soll das Display aber vor allem in selbstfahrenden Autos zum Einsatz kommen. So hat der Nutzer die Möglichkeit, die Route zu checken und anzupassen, gleichzeitig kann er sich aber auch einem Unterhaltungsprogramm seiner Wahl widmen – und das alles auf der Windschutzscheibe.

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Dann sind auch die unzähligen Zusatzinformationen über die Umgebung wieder spannend und nützlich. Eine vielversprechende Technik, die zukünftig die Navigation im Auto umkrempeln könnte.

Übrigens: Falls Sie mehr an traditionellen Werkstoffen interessiert sind – wussten Sie, dass es bald Windschutzscheiben aus Holz geben könnte?

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