Elektromobilität

Das Elektroauto und die Reichweitenangst

von Ralf Bielefeldt

Sogar bis nach England hat es der deutsche Begriff "Reichweitenangst" geschafft. Aber aus welchen Gründen sorgen sich so viele davor, am Straßenrand stehen zu bleiben – und sind diese Sorgen berechtigt?

Das Elektroauto und die Reichweitenangst
Im roten Bereich: Die Reichweite von Elektroautos ist für viele Deutsche ein Angstthema. Foto: AIO

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Begriff "Reichenweitenangst" erobert die Wörterbücher
  • Dabei ist plötzliches Liegenbleiben praktisch ausgeschlossen
  • Beim Bremsen baut das Elektroauto zusätzliche Reichweite auf

Elektroauto: Und was ist mit der Reichweite?

Wie weit kommt mein Auto mit einer Tankfüllung? Viele Autofahrer wissen das gar nicht. Ist ihnen auch egal. Weil sich die Frage eigentlich gar nicht stellt. Geht der Sprit zuneige, wird eben die nächste Tanke angesteuert. Davon gibt es rund 14.500 im Bundesgebiet. Eine wird schon geöffnet haben. Zapfpistole rein, zahlen, weiter geht’s. Kein Grund zur Sorge.

Mit Akkus als Tank ist das was anderes. „Wie weit kommt denn der?“, lautet stets die Frage, eher bang als interessiert. Und zack ist sie wieder da, die Reichweitenangst. Die diffuse Sorge, nicht einfach so lange weiterfahren zu können, wie man gerade möchte. Ausgebremst, im Stich gelassen zu werden von einer Technik, der man ohnehin nicht recht traut. Starkstrom auf Rädern? Behagt vielen gar nicht – bis sie das erste Mal hinter dem Steuer eines E-Autos gesessen haben und feststellen: alles wie immer, nur leiser. Und entspannter, obwohl im Antritt viel schneller.

Reichweitenangst hat es als Begriff bis in den englischen Wortschatz geschafft.

Aber soweit kommt es ja gar nicht. Wegen der Reichweitenangst. Diesem Kompositum aus Reichweite und Angst. Sprachwissenschaftler wie Professor Ludwig Eichinger, Direktor des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim, finden solche Wortschöpfungen charmant: „Sie zeigen, das sich Begriffe erst durch den Kontext entwickeln.“ Reichweitenangst – das könnte auch für die Furcht der TV-Macher vor miesen Einschaltquoten stehen. Tut es aber nicht. Reichweitenangst hat es als Begriff bis in den englischen Wortschatz geschafft. Dort wie hier als Synonym für die Furcht vor dem jämmerlichen, jähen Ende am Straßenrand. Strom alle, sämtliche Systeme down – verloren, vergessen, verdammt in der Diaspora der E-Mobilität.

Das Elektroauto taucht in den Pannenstatistiken nicht auf

In der Tat: eine beängstigende Vorstellung – dass viele so denken. Warum eigentlich? Weil man ständig von liegengebliebenen E-Autos hören oder lesen würde? Die Gelben Engel wissen nichts dergleichen zu berichten. Offizielle Pannenstatistiken über die technisch anspruchslosen Elektroautos gibt es nicht. Dennoch gibt es verbreitete Sorge, mit Strom nicht ans Ziel zu kommen. Weil der Akku ja bestimmt nur für 100 bis 200 Kilometer am Stück gut sei. Und dann bestimmt schlagartig leer ist. So wie beim Handy, das doch eben noch ging – und plötzlich keinen Saft mehr hat.

Anders als bei den allermeisten Elektrogeräten ist aber genau das bei einem E-Auto nahezu ausgeschlossen. Wegen des aufwendigen Batteriemanagementsystems (BMS), das sehr gut auf seine Hardware und Passagiere aufpasst. Sobald das BMS anhand der Fahrparameter ermittelt, dass bei der aktuellen Fahrweise absehbar die Energie ausgeht, schlägt es Alarm. Eindringlich. Farbwechsel der Instrumente. Display-Hinweis „Bitte Ladestation anfahren“. Warnton. Blinkende Restreichweitenanzeige. Je nach Hersteller variiert die Dramaturgie leicht. Sicher ist: Sie ist bei allen E-Autos effektiver als die oft nur verschämt mahnende Reserveleuchte der meisten Autos mit Verbrennungsmotor.

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Zur nächsten Ladestation mit dem Navi

Viele Elektroautos zeigen ihren Fahrern alle verfügbaren Ladesäulen im Umkreis an (freie und belegte) und navigieren die Autos bei Bedarf dorthin. Das schafft Vertrauen. Sollte das im Navi eingespeiste Ziel außerhalb der Restreichweite liegen, wechselt das Auto selbsttätig in den Eco-Modus, um sparsamer unterwegs zu sein und ungefährdet den nächsten Strom-Hotspot zu erreichen. Ignoriert ein Fahrer konsequent alle Aufforderungen, die nächste Lademöglichkeit anzusteuern, schaltet das E-Auto bei minimalem Batterieladestand auf Schleichfahrt um. Es nimmt nur noch sehr verhalten Gas an, beschleunigt wie eine greise Schildkröte und fährt maximal 30 bis 50 km/h.

Bergab winken ein paar kwH extra

Erfahrene E-Chauffeure wissen: Jetzt hilft nur noch Gefälle – zum Rekupieren, sonst bleibt die Fuhre tatsächlich stehen, sang- und klanglos. Durch die Möglichkeit zur Bremsenergierückgewinnung beherrschen Elektroautos das Kunststück, mit jedem zurückgelegten Meter zusätzliche Reichweite aufbauen. Das kann – je nach Streckenlänge und -beschaffenheit – wieder bis zu zehn Prozent und mehr in die Batterie einspeisen und die rettenden khH bis zur nächsten Steckdose bedeuten. Ein Kunststück, dass Benziner oder Diesel nicht beherrschen.

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