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Elektromobilität

Die Stadt der Zukunft verspricht: Nie mehr Parkplatzmangel!

von Carola Franzke

Ein leerer Parkplatz zwischen zwei parkenden Autos; im Hintergrund sind weitere Parkplätze zu erkennen
Freie Parkplätze sind vor allem in Städten ein seltener Anblick: Parkplatzmangel und überteuerte Preise für Stellplätze sind die Folge. Aber funktioniert eine Stadt völlig ohne Parkplätze? Foto: Shutterstock / Tuangtong Sorapra

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Elektromobilität Platz in der Stadt schafft
  • Warum die Stadt der Zukunft ohne Parkplätze auskommt
  • Welche Rolle Carsharing-Anbieter dabei spielen

Flotten von autonomen Elektroautos könnten in Zukunft Städte radikal ändern – unter anderem den Parkplatzmangel beseitigen und so freie Flächen schaffen.

Wie Elektromobilität Platz in der Stadt schafft

Eine Stadt ohne Parkplätze: In radikalen Utopien spielen autonome Autos die Schlüsselrolle. Denn die Elektromobilität macht in Zukunft Parkmöglichkeiten unnötig.

Der Gedanke ist simpel: Wenn Fahrzeuge in Bewegung sind, brauchen sie keinen Parkplatz. Trotzdem stehen Autos rund 23 Stunden am Tag nur herum, und in allen größeren Städten herrscht geradezu chronischer Parkplatzmangel.

Eine große Flotte von autonomen Fahrzeugen in gemeinschaftlicher Nutzung könnte da Abhilfe schaffen. Elektroautos mit ihren geringen Emissionen sind der Kern, um den sich solche Überlegungen zu moderner Stadtentwicklung drehen.

Diese autonomen Elektroautos ließen sich in Fahrgemeinschaften mit ähnlichem Ziel oder mit optimierten Anschlußrouten nutzen: Man kommt vom Einkaufen nach Hause, und die Nachbarin fährt kurz danach zu einem Arzttermin.

Während der Nichtbenutzung fahren die Autos der autonomen Flotte dank Big Data dann eigenständig Ladestationen an, die nicht unbedingt in den Innenstädten liegen müssen: Diese Zonen könnten in Vororten entstehen, wo Parkraum günstiger ist.

Warum die Stadt der Zukunft ohne Parkplätze auskommt

Der gewonnene Platz könnte dann für dringend benötigten Wohnraum Verwendung finden, oder für Urban Farming-Konzepte wie das von Square Roots. Das von Kimbal Musk mitgegründete Start-up installierte zehn Container-"Gärten" auf einem Parkplatz in Brooklyn. Dort reifen nun jede Woche bis zu 250 Kilogramm frisches Gemüse.

In anderen Städten sind aus Parkhäusern bereits Musikclubs, Studentenwohnheime und Co-Workingspaces entstanden. San Francisco plant, das Parkhaus des Moscone Messezentrums mit über 700 Stellplätzen in Apartments und Hotelräume umzugestalten.

Das Verschwinden der Parkplätze könnte also Städten in Zukunft ein ganz anderes Gesicht geben. Bis dahin gibt es aber noch Parkplätze und -häuser, es werden sogar noch neue gebaut.

Vom Parkhaus zur Kulturstätte

Denn seit Jahrzehnten ist Stadtplanung fast überall auf Autofreundlichkeit und individuellen Fahrzeugbesitz ausgerichtet. Eine Veränderung strategischer Schwerpunkte wird sich erst im Laufe der nächsten zehn Jahre sichtbar abzeichnen.

Es gibt nicht nur technische Hindernisse zu überwinden, sondern auch politische: Parkraumverordnungen schreiben vielerorts vor, wieviel Parkmöglichkeiten für Gebäude vorzusehen sind.

Bis es soweit ist, denken die ersten Bauunternehmer und Planer um: Sie konstruieren Gebäude, die heute noch ein Parkhaus sein können, sich aber leicht in Büroräume wandeln lassen.

In Los Angeles hat AvalonBay Communities Inc. einen großen Apartmentkomplex geplant, dessen zweigeschossige Tiefgarage mit besonders hohen Decken ausgestattet ist. Dort können später Sauna, Sportstudio und ein Theater eingerichtet werden, wenn der Parkraum überflüssig ist.

Welche Rolle Carsharing-Anbieter dabei spielen

Carsharing-Anbieter wie Car2Go, DriveNow & Co. sind in einer interessanten Schlüsselposition, um die Städte der Zukunft mitzugestalten. Sie können wertvolle Daten für eine sinnvolle, zukünftige Stadtplanung sammeln, etwa um Ladestationen strategisch zu platzieren.

"Carsharing ist das perfekte Test- und Experimentierfeld für die Elektromobilität der Zukunft", so ein Thesenpapier von Car2Go. "Der größte Mehrwert des Carsharing-Anbieters sind Erkenntnisse über die täglichen Mobilitätsströme in Ballungsräumen. Zudem verfügt kein Unternehmen über mehr tagesaktuelle Informationen aus dem Betrieb reiner Elektroflotten in mehreren Städten."

Carsharing ist der ultimative Leistungstest für die Elektromobilität.

Die Anbieter lernen aus erster Hand, wie sich Menschen in Städten bewegen, wenn sie weniger Parkplatzsorgen haben – Fahrzeuge dieser Dienste dürfen in Deutschland ohne Parkscheine abgestellt werden und haben ja teilweise sogar eigene Parkzonen.

"Carsharing ist der ultimative Leistungstest für die Elektromobilität. Nirgendwo werden Batterien, Antriebstechnologie und Fahrzeuge so intensiv beansprucht wie im täglichen Einsatz im Carsharing-Betrieb", so Car2Go.

Ein Smart des Carsharing-Anbieters Car2Go parkt am Straßenrand
Besonders von Carsharing-Anbietern können Zukunftskonzepte von Städten viel lernen – denn je mehr die Autos in Benutzung sind, umso weniger Parkfläche benötigen sie. Foto: Car2Go

Zudem könnten sie in Sachen Routenplanung und gemeinschaftlicher Nutzung noch weiter gehen als bisher: Indem sie bei der Suche nach freien Fahrzeugen anzeigen, wer in die selbe Richtung fahren will. So lässt sich eine gemeinsame Tour planen.

Oder indem auch solche Fahrzeuge als verfügbar angezeigt werden, die in Kürze in der Nähe sein werden. Damit ließe sich bereits heute die Parkzeit weiter verringern und die Effizienz der Carsharing-Flotten erhöhen.

Parkplatzmangel: Warum Parkplätze bald ausgedient haben

Momentan sieht es mit Parkplätze in Städten recht düster aus: Meist gibt es zu wenige Stellplätze – und die lassen sich die Besitzer ordentlich bezahlen.

Im Schnitt verbringen Autofahrer 41 Stunden im Jahr mit der Suche nach Parkplätzen – in Städten wie Berlin, Köln und Frankfurt reicht das nicht aus, hier sind es durchschnittlich 60 Stunden und mehr.

Dabei sind zwei Euro pro Stunde für Kurzzeitparker durchaus normal. Für einen Dauerstellplatz wurden in München schon 2014 mehr als 200 Euro pro Monat vermeldet – das dürfte in einigen deutschen Metropolen inzwischen kaum noch reichen.

Der Parkplatzmangel führt andernorts zu ganz anderen Dimensionen: London schlägt mit monatlich fast 800 Euro besonders zu, aber auch Amsterdam, Tokio und New York sind mit Beträgen um 400 Euro nicht ganz günstig. In Wien und Stockholm parkt man für um die 350 Euro.

Kein Wunder, dass immer mehr Menschen auf Alternativen wie E-Bikes, normale Fahrrädern oder öffentlichen Nahverkehr ausweichen.

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