Elektromobilität

IAA Nutzfahrzeuge: Deutsche Post und DHL elektrisch

von Leonie Butz

Die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zeigt: Logistik-Unternehmen setzen auf alternative Antriebe. Das gilt laut der Deutschen Post bald auch für DHL.

Die Post fährt elektrisch – nicht nur in Deutschland
Die Streetscooter sind bereits seit 2016 auf deutschen Straßen unterwegs. Aber nicht nur in Deutschland setzen Post und Öffentliche Verkehrsmittel auf Elektroantrieb. Foto: Deutsche Post DHL/ Andreas Kuehl

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Deutsche Post AG mit DHL Pakete mit E-Transportern liefern möchte
  • Was andere Firmen weltweit planen
  • Wie auch der öffentliche Nahverkehr grüner fahren soll

Die Internationale Automobil-Ausstellung zeigt wieder Innovationen aus der Branche. Ein beliebtes Thema der IAA Nutzfahrzeuge Hannover ist die elektrifizierte Mobilität in der modernen Logistik. Die Präsentationen reichen von vollautonomen Lkw bis hin zu neuen Reifentechnologien für E-Autos.

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Mittendrin: Der Konzern Deutsche Post DHL mit einem neuen E-Transporter von StreetScooter. Er ist eine der großen Neuheiten der Messe im September 2018.

IAA 2018 Hannover: DHL unter Strom

Die gelben Transporter von DHL sind ein bekanntes Bild auf Straßen weltweit. Damit liefert die Marke der Deutschen Post Pakete an Empfänger aus. Bisher geschah das größtenteils noch mit Dieselfahrzeugen, während Konkurrenten wie UPS bereits Elektro- und Hybridtransporter im größeren Stil erprobten.

Auf der Messe IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover stellte die Post-Tochter StreetScooter als Aussteller das neue Modell Work XL vor. Damit sollen Waren künftig leiser und sauberer zum Kunden gelangen. Optisch erinnert der Elektro-Transporter an den Ford Transit. Kein Wunder, denn genau der bildet die Basis für den Aufbau. Statt in Aachen oder am Zweitstandort Düren zu bauen, wo etwa auch der Work L entsteht, lagert die Deutsche Post AG die Produktion der großen StreetScooter ins Ford-Werk Köln aus.

Technisch bauen StreetScooter und Ford auf einen 90 kW starken Elektromotor, der eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h ermöglichen soll, sowie einen Akku mit einer Kapazität von 76 kWh. Bis zu 200 Kilometer sind laut Hersteller pro Aufladung möglich. Genug für den täglichen Transport von Paketen zu den Kunden. Das soll das deutsche Paketgeschäft langfristig elektrifizieren.

Briefe und Päckchen per E-Transporter

Schon weit vor der IAA Nutzfahrzeuge 2018 stellte die Royal-Mail in Großbritannien ebenfalls ein Konzept für E-Mobilität in der Logistik vor: Ein kleiner kastenförmiger Elektro-Lieferwagen. Der sieht dabei so niedlich aus, dass man ihn fast für eine komprimierte Miniatur des kultigen roten Doppeldecker-Busses halten könnte. Bisher sind 100 der kleinen Wagen in der Probezeit, zukünftig sollen sie aber vor allem in großen Städten Großbritanniens Briefe und Päckchen ausliefern Diese Entwicklung passt zum Plan des Landes, bis 2040 die Verbrenner von den Straßen zu verbannen.

Europas Post liefert ebenfalls elektrisch
In London soll die Post bald elektrisch fahren: Der Royal-Mail-Bus sieht dabei wie eine niedliche Miniatur der kultigen Stadtbusse aus. Foto: Royal Mail

Aber natürlich ist der Elektro-Vorreiter Norwegen auch hier ein Pionier.
Bereits 2015 lieferten 900 Elektro-Wagen die Post in Groß- und Vorstädten hoch im europäischen Norden aus. Außerdem will die Regierung auch das Lieferwesen im Ganzen elektrisch machen: Dazu sollen auch große Containerschiffe langfristig emissionsfrei mit Elektromotor fahren. Zudem sind einige Müllautos und viele öffentliche Verkehrsmittel mit Elektroantrieb auf den Straßen unterwegs.

Deutschland steht der europäischen Entwicklung in nichts nach: Seit 2016 liefert die Deutsche Post AG mit dem StreetScooter aus – nachdem sie das Start-up aus Aachen kurzerhand aufkaufte und die Autos selbst produzierte. Bereits 2011 war das Fahrzeug auf der IAA zu sehen. Die Deutsche Post geht aber noch einen Schritt weiter – und plant, emissionsneutral zu liefern. Denn beim Bremsen und beim Rollen über Straßen produzieren auch Elektrofahrzeuge Feinstaub.

Deshalb hat das Unternehmen Mann+Hummel einen Feinstaubfilter für den StreetScooter entwickelt. Dieser nimmt so viel Feinstaub aus der Luft, wie der Wagen selbst produziert. Er verursacht in der Gesamtbilanz damit kein Kohlendioxid, kein Stickoxid und keinen Feinstaub – ist somit also energieneutral. Dank eines Ventilationssystems arbeitet der Filter im Unterboden der Wagen sogar im stehenden Zustand. Sensoren ermöglichen außerdem ein Monitoring des Systems via Cloud. Eine Testphase läuft bereits, in Zukunft könnten alle StreetScooter von den Filtern profitieren.

Probephase für autonomes Fahren

Aber auch eine ganz andere Testphase soll bald beginnen: Die der autonom fahrenden Lieferfahrzeuge. Die Deutsche Post will eine Testflotte für automatisiertes Fahren aufstellen. Steuern soll den Wagen die mit einer KI und Sensoren ausgestattete Steuerbox ZF ProAI.

Entwickelt hat diese die ZF Friedrichshafen AG gemeinsam mit NVIDIA. Im Fokus stehen hier kleine Fahrzeuge für die „letzte Meile“, die unabhängig von Tageszeiten, Verfügbarkeiten von Fahrern oder vollen Straßen liefern können. Bisher übt die Post noch an einem Prototypen, der sich mit Hilfe von sechs Kameras, einem Radar- und zwei Lidar-Systemen orientiert – und so die KI mit Daten füttert.

Vorher noch könnte der "Innovation Van" von ZF zum Einsatz kommen. Er ist ein elektrisch angetriebener Transporter mit zahlreichen Sensoren und Kameras, die teilautonomes Fahren ermöglichen. Dank einer Folgen-Funktion lässt sich das Fahrzeug sogar per Tablet fernsteuern und folgt so dem Paketboten beim Austragen.

Und auch die Stadtreinigung stellt in einigen Gebieten auf Elektroantrieb um: In Hamburg etwa sind seit Mai 2017 die ersten Männer in Orange testweise mit Elektro-Lastenrädern unterwegs. Hinten sitzt dabei der Fahrer, vorne ist Platz für eine orange Mülltonne, eine Schaufel und einen Besen. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt erprobt die Stadt Hamburg so bis 2019 den kommunalen Einsatz von Elektromobilität.

Der Rest der Welt zieht nach

Eine kleine, gelbe Box vorn, eine größere hinten. Dazwischen der Fahrer des Post-Mini-Fahrzeuges, mit einer Jacke und einem Helm ebenfalls in dem schreienden Gelbton. Mit seinen drei Rädern liegt das Gefährt irgendwo zwischen Auto und Roller. Auf der vorderen Kiste steht in roten Lettern "POST". Damit liefern in Australien Postboten zukünftig ihre Pakete und Briefe mit reduzierten Emissionen aus.

Im an der Ostküste gelegenen Brisbane begannen Anfang des Jahres die ersten Testfahrten der Mini-Lieferfahrzeuge. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und einer Reichweite von rund neun Stunden sind die Flitzer für den Stadtverkehr ideal – und bei einer Zuladung von bis zu 195 Kilogramm können die kleinen Fahrzeuge einige Waren ausliefern. Noch 2018 sollen die Dreiräder dann in ganz Australien Post zustellen.

Und auch in den USA tut sich etwas. Bis 2030 will New Yorks Gouverneur Andrew M. Cuomo die Treibhaus-Emissionen der Stadt um 40 Prozent verringern. Für dieses ambitionierte Ziel zahlte die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde von New York 500.000 US-Dollar an das Unternehmen Unique Electric Solutions LLC. Dort will man E-Lieferwagen für UPS entwickeln – die seit Frühjahr 2018 in der Produktion sind.

Bis 2022 will UPS rund 66 Prozent der Flotte – 1500 Lieferwagen – durch Elektrofahrzeuge ersetzen. Ein entsprechender Bausatz liegt bei dem Unternehmen schon bereit: der uniqueEV. Mit 225 Kilowatt Leistung und bis zu 125 Kilometern Reichweite ist der Wagen speziell für die Lieferung in der Stadt ausgelegt.

Öffentliche Verkehrsmittel der nahen Zukunft

Neben den Autos der Post sind auch immer mehr andere Nutzfahrzeuge Teil der Elektromobilitätsbewegung. In Holland etwa liefert der Lebensmittel-Lieferant Pick-Nick in kleinen Elektro-Autos, die an amerikanische Eiswagen erinnern.

Und auch in den USA ist der Trend hin zum elektrisch betriebenen Lieferauto sichtbar. Immer mehr Unternehmen, wie das Start-up Chanje, wollen den Lieferwagen mit Strom statt Diesel auf die Straßen bringen. Mit knapp 16,4 Kubikmeter Laderaum und einer Reichweite von 100 Kilometern ist der Chanje vor allem für den Lieferverkehr innerhalb großer Städte und Vorstädte ideal.

Öffentliche Verkehrsmittel werden elektrisch
Auch Moskau stellt um: Bis 2020 sollen alle öffentlichen Verkehrsmittel in Russlands Hauptstadt elektrisch fahren. Foto: Unsplash/oskarvertetics

In Schweden liegt der Schwerpunkt der Elektromobilität hingegen auf dem öffentlichen Nahverkehr. Bis 2020 sollen etwa in Göteborg 50 Prozent der Busse mit E-Antrieb fahren. Die erste Buslinie fährt bereits vollständig mit Elektroantrieb – mit einem optimierten Ladesystem, das an den Endhaltestellen nur wenige Minuten dauert. Ab 2018 sollen dann auch Schnellbusse mit Elektroantrieb über den Asphalt rollen.

Zusätzlich sollen in Innenstädten gestaffelte Umweltzonen entstehen, die ab 2020 für Verbrenner nur noch gegen Aufpreis oder überhaupt nicht zugänglich sind – sogenannte Zero-Emission-Zones. So ändert sich auch die Infrastruktur innerhalb der Städte: Etwa eine Packstation in einer Bushaltestelle, die Post und öffentliche Verkehrsmittel verbindet.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Und auch in Russlands Hauptstadt Moskau soll bis 2020 der öffentliche Nahverkehr vollkommen elektrisch laufen. Einige Busse sind bereits mit Elektromotoren auf den Straßen der Stadt unterwegs – einige davon laden ihre Batterien an Oberleitungen.

Der weltweite Ruck in Richtung Elektromobilität macht sich somit nicht nur einzelnen Ländern bemerkbar. Auf der ganzen Welt soll die Post – aber auch andere Nutzfahrzeuge – zukünftig mit Strom unterwegs sein. In vielen Regionen hat der Umstieg längst begonnen, in anderen läuft er gerade an. Deshalb dürfte es auch auf der IAA in einem und der IAA Nutzfahrzeuge in zwei Jahren wieder viele Neuheiten zu bestaunen geben.

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