Technik

Die Magnet-Schwebebahn von Elon Musk nimmt Gestalt an

von Christian Merten

Am Anfang klang es wie eine Schnappsidee: In einer Röhre tief unter der Erde mit Schallgeschwindigkeit reisen. Aber nach und nach wird die Vision von Elon Musk Wirklichkeit.

Testanlage von Virgin Hyperloop One
Abgefahren: Futuristische Stimmung auf der Testanlage von Virgin Hyperloop One. Foto: OMEGABYTE / 3D

Das erfahren Sie gleich:

  • Elon Musk will Menschen in Schallgeschwindigkeit durch Vakuum-Röhren schießen
  • Idee des Gründers von Paypal, SpaceX und Tesla wird bereits umgesetzt
  • Auch Lufthansa und Deutsche Bahn interessieren sich für Hyperloop

Elon Musk und sein nächstes großes Ding

Es soll die „physikalische Version des Internet“ werden, verspricht die Werbung. Hyperloop Transportation Technologies möchte Menschen genauso schnell transportieren wie Datenpakete. Und steht damit nicht allein da. Mindestens zwei weitere Unternehmen haben dasselbe Ziel: Menschen in Kapseln auf einer Schwebebahn durch Röhren zu schießen und dabei Geschwindigkeiten um 1200 Kilometer pro Stunde zu erreichen. Das ist fast so schnell wie der Schall.

Auch die Firma Virgin Hyperloop One verspricht „Breitband für den Transport“ und TransPod Hyperloop sogar die „Neuerfindung des Verkehrswesens“ durch ihre neue Schwebebahn. Den Startschuss für diesen Wettlauf gab einer der reichsten Menschen der Welt: der amerikanische Multi-Milliardär Elon Musk, der so bekannte Firmen wie Paypal, SpaceX oder Tesla gegründet hat.

Oberirdische Röhren für den Hyperloop
Neues Stadtbild: Um Kosten zu sparen, sollen die Röhren für den Hyperloop oberirdisch verlegt werden. Foto: OMEGABYTE / 3D

Hyperloop: Schwebebahn in der Röhre

Der Hyperloop soll ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem werden, das ähnlich wie die gescheiterte Magnet-Schwebebahn Transrapid funktioniert, aber durch Röhren fährt, in denen sich nahezu keine Luft befindet. Die Transportkapseln sollen wie bei einer Rohrpost auf einem elektromagnetischen Schwebesystem durch Tunnel fliegen, in denen fast ein Vakuum herrscht. Das ermöglicht Reisegeschwindigkeiten bis knapp oberhalb der bei Normaldruck bestehenden Schallgeschwindigkeit, ohne die Schallmauer durchstoßen zu müssen, sagt Elon Musk.

Damit lässt sich schneller als mit dem Flugzeug reisen und billiger als mit der Bahn.

Die Energie dafür sollen Solarzellen erzeugen, die auf den Tunneln angebracht sind. Und durch eine oberirdische Verlegung der Fahrröhren auf Stützpfeilern, die parallel zu vorhandenen Autobahnen führt, sollen die Kosten niedrig gehalten werden. Damit sei es möglich, deutlich schneller als mit dem Flugzeug und billiger als mit der Bahn zu reisen, sagte Elon Musk vor vier Jahren bei der Vorstellung des Konzeptes. Doch um die Details der Umsetzung seiner neuen Schwebebahn wollte sich 46-jährige Technik-Visionär nie selbst kümmern. Seine Ausführungen bezeichnete er stattdessen als „Open Source Transportation Concept“, ähnlich wie das Linux-Betriebssystem, und bat alle Interessierten um Mitarbeit.

Dreifachbelastung: Tesla, SpaceX, Hyperloop

Schon kurz nach seiner Veröffentlichung wurde das Konzept stark kritisiert und sowohl seine finanziellen als auch die technologischen Annahmen für seine neue Schwebebahn bezweifelt. Und dass er Hyperloop überhaupt jemals erwähnt habe, bezeichnete Elon Musk bald darauf als „Schuss in den eigenen Fuß“, weil er doch als CEO zweier Firmen (des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX) bereits mehr als genug zu tun habe.
Doch seine Zurückhaltung öffnet den Weg für andere Unternehmen: Virgin Hyperloop One hat in der Wüste bei Las Vegas bei einem Test eine Geschwindigkeit von 310 km/h erreicht. Der Konkurrent Hyperloop Transportation Technologies verweist indes auf sein neues Abkommen mit der Regierung von Südkorea, wo schon in vier Jahren der erste Hyperloop die Haupstadt Seoul mit dem 320 Kilometer entfernten Busan verbinden soll. Und die Kanadier von TransPod haben gerade eine Studie veröffentlicht, wonach sie mit ihrer Hyperloop-Schwebebahn die Städte Toronto und Windsor für die die Hälfte der Investitionen verbinden könnten, die jetzt für die Einrichtung einer herkömmlichen Schnellbahn geplant sind, die außerdem viermal langsamer fahren würde. Auch die Lufthansa und die Deutsche Bahn interessieren sich für die neue Transportidee von Elon Musk, und die Regierung der Slowakei ließ bereits den Bau einer Strecke prüfen.

Experten halten Elon Musk für zu optimistisch

Doch die bisherigen Testergebnisse für den Hyperloop sind noch dürftig. Die ersten Probestrecken sind nur wenige Kilometer lang und lassen lediglich Fahrgestelle im Kreis herumfahren. Immer noch ungeklärt sind technische Probleme wie Abwärme oder die Erdbebensicherheit bei den geplanten Strecken in Kalifornien.

Lesen Sie auch

Nachhaltigkeit bei Audi

Nachhaltigkeit bei Audi

Elektrische Antriebs­technologien im Mittelpunkt

Die Frage ist, ob es energieeffizient und ökonomisch sinnvoll ist.

Auch seien die Kostenannahmen für den Hyperloop viel zu optimistisch, warnte John Hansman, Direktor des MIT International Center for Air Transportation. „Die Frage ist nicht, ob es machbar ist, sondern ob es in einer Weise umsetzen lässt, die energieeffizient und ökonomisch sinnvoll ist“, sagte er in einem Interview mit der MIT Technology Review über die Pläne von Elon Musk. So dürfte beispielsweise die uneinheitliche Höhe der Stützpfeiler, die Unebenheiten im Gelände ausgleichen soll, ihre Massenproduktion erschweren. Und die geplanten Bauarbeiten am Autobahnrand würden den Verkehr noch mehr verlangsamen. Außerdem wurden bisher in keinem der Pläne für die Schwebebahn ordentliche Lösungen für Abzweigungen oder Weichen präsentiert.

Der Tesla-Chef steigt wieder ins Rennen ein

Der Hype um den Hyperloop besteht also bisher vor allem aus einem: aus großen Versprechungen. Doch das kann sich auch schnell ändern. Elon Musk hat jetzt angekündigt, wieder in das Rennen einzusteigen und selber einen Hyperloop zwischen New York und Washington zu bauen. Nach der elektronischen Bezahlung, den Elektro-Autos und der privaten Raumfahrt könnt er damit schon wieder eine Branche revolutionieren: den Massentransport mit der Magnet-Schwebebahn. Solang er sich bloß nicht dabei in den Fuß schießt.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Technik immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.