Leben

Die Grippewelle rollt an: Wie Sie jetzt fit und mobil bleiben

von Gertrud Teusen

Jetzt im Januar kommt die Grippewelle. Für Wissenschaftler ein spannender Moment, denn erst dann stellt sich heraus, ob die aktuelle Grippeschutzimpfung hält, was man sich von ihr verspricht. In diesem Jahr sieht das nicht so gut aus.

Frau hält Tasse mit Tee
Abwarten und Tee trinken alleine reicht nicht: Die Grippewelle ist unterwegs. Foto: Unsplash/ Kira auf der Heide

Das erfahren Sie gleich:

  • In diesem Jahr scheint die Grippewelle besonders schwer auszufallen
  • Eine Grippeimpfung kann auch jetzt noch Sinn ergeben
  • Grippe-Symptome gar nicht erst aufkommen lassen: So stärken Sie ihre Abwehrkräfte!

Nur Erkältung oder schon Grippe-Symptome?

Für die meisten Menschen sind Erkältung und Grippe irgendwie gleich: Halsschmerzen, Husten, Schnupfen – und in einer Woche ist alles vergessen. Tatsächlich werden beide Krankheiten durch Viren ausgelöst und beginnen mit den gleichen Symptomen. Nur der Verlauf und die möglichen Konsequenzen sind ganz anders.

Eine echte Grippe auf die leichte Schulter zu nehmen wäre fahrlässig. Sie wird durch Influenza-Viren ausgelöst; gegen diese teuflischen Krankheitserreger gibt es keine Medizin. Wen es erst einmal erwischt hat, der muss da durch! Um es zu verdeutlichen: Bei einer Grippe fühlen sich Betroffene binnen Stunden richtig krank. Die typischen Grippe-Symptome (Halsschmerzen, Husten und Schnupfen) treten schneller und massiver auf als bei einer Erkältung. Hinzu kommt Fieber über 39 Grad sowie massive Kopf- und Gliederschmerzen.

Das hohe Fieber kann auch Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben. Zudem ist der Erkrankte länger als bei einer Erkältung außer Gefecht gesetzt. Außerdem kommt es bei einer Influenza häufiger zu Komplikationen wie beispielsweise einer Lungenentzündung. Dagegen helfen dann allerdings Antibiotika, weil diese von Bakterien verursacht wird.

Die Grippewelle kommt immer im Januar

Die Grippewelle hat Deutschland erfasst, der Süden und Westen der Republik ist momentan am schlimmsten betroffen. Für eine Einschätzung über das Ausmaß der Grippewelle ist es offenbar noch zu früh. Das Robert-Koch-Institut (RKI) als zuständige Überwachungsbehörde schreibt: „Die vergangene Grippesaisons haben gezeigt: Die Influenza ist wankelmütig. Die Schwere und der Verlauf einer Grippewelle lassen sich nie vorhersagen, weil sie von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.“ Und das bedeutet: Wie heftig eine Grippewelle tatsächlich war, weiß man erst, wenn es vorbei ist.

Experten befürchten, dass die Grippewelle in diesem Jahr nicht so glimpflich ausgeht.

Fakt ist jedoch, dass Grippe-Epidemien jährlich weltweit für etwa 500.000 Todesfälle verantwortlich sind, und zwischen drei und fünf Millionen Menschen daran erkranken.

Das Robert-Koch-Institut meldete für die erste Januar-Woche 3736 Grippepatienten und elf Infizierte, die bereits verstorben sind. Die noch relativ beschränkten Datenmengen verraten den Experten jedoch, dass es in diesem Jahr unter Umständen nicht so glimpflich ausgehen könnte wie in den Jahren zuvor. Denn bei der Zusammenstellung der relevanten Virenstämme für den aktuellen Impfstoff-Cocktail lag man wohl knapp daneben. Die momentan virulentesten Erreger wurden in der aktuellen Dreier-Impfung nämlich nicht berücksichtigt. Nur die Vierer-Impfung, die jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wurde, enthält diesen speziellen Virusstamm, der für die steigenden Erkrankungsfälle verantwortlich ist.

Who is who der Influenza-Viren

Die Grippeerreger nennt man Influenza-Viren. Sie werden in drei Stämme unterteilt, nämlich A, B und C. Von diesen jedoch gibt es unendlich viele und vor allem immer neue Varianten. Mit anderen Worten: die Erreger mutieren ständig. Die drei Virustypen lassen sich durch den Krankheitsverlauf unterscheiden – und dadurch wie schnell sie sich verbreiten.

  • Vor allem die Influenza-A-Viren können eine große Grippewelle verursachen, von Epidemie bis hin zu kontinentübergreifender Pandemie. Sie sind verantwortlich für leichte bis schwere und auch lebensbedrohliche Krankheitsverläufe.
  • Influenza-B-Viren lösen in der Regel leichte bis mittelschwere Erkrankungen aus. Allerdings sind auch sie sehr virulent und können zu Epidemien führen.
  • Eine Infektion mit Influenza-C-Viren ist vergleichsweise harmlos und ähnelt mehr einer starken Erkältung.

In der aktuellen Grippesaison ist es ein B-Stamm, der den Fachleuten vom Robert-Koch-Institut in Berlin Sorgen bereitet. Der „B/Phuket/3073/2013-like Virus“ führt momentan die Hitliste der Influenza-Viren an und ist mit 59 Prozent für die meisten Grippeerkrankungen in Deutschland verantwortlich.

Eine Grippeimpfung schützt – meistens

Für die Grippeimpfung muss die Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe jedes Jahr an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst werden, weil sich die Eigenschaften der virulenten Influenzaviren ständig verändern. Die genaue Zusammensetzung wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die von verschiedenen Fachgremien beraten wird, im Frühling festgelegt. Ein halbes Jahr etwa brauchen die Pharmaunternehmen, um den Impfstoff herzustellen. Im Herbst steht er dann für die Grippeimpfung in den Arztpraxen zur Verfügung.

Kranke Frau liegt auf Sofa
Krankenlager: Grippe-Symptome wie Halsschmerzen, Husten und Schnupfen treten viel schneller und stärker auf als bei einer Erkältung. Foto: picture alliance / Westend61

Der ideale Zeitpunkt für eine Grippeimpfung liegt zwischen Oktober und November. Wer also noch nicht geimpft ist, der muss sich jetzt ranhalten. Bis zu 14 Tage dauert es nämlich, bis das Immunsystem die Impfinformationen umgesetzt hat und für den Virenangriff gewappnet ist. Doch selbst zu Beginn einer Grippewelle kann es noch sinnvoll sein, sich impfen zu lassen, da man nicht genau absehen kann, wie lange die Grippewelle andauert.

In diesem Jahr haben die „Früh-Geimpften“ das Nachsehen, denn da sie überwiegend mit Dreier-Impfstoff versorgt wurden, fehlt ihnen eine entscheidende Komponente, nämlich der besagte „B/Phuket/3073/2013-like Virus“. Der Vierer-Impfstoff ist jedoch gerade sehr gefragt, weil der Dreier-Impfstoffeben keinen umfassenden Schutz bietet. In Österreich beispielsweise ist er schon nicht mehr lieferbar.

Abwarten und Tee trinken?

Wirklich schlimm kann das Dilemma mit dem fehlenden Virusstamm in der Dreier-Impfung für die sogenannten „Hochrisiko-Patienten“ ausgehen. Diese lassen sich zumeist ohnehin schon frühzeitig impfen und sind jetzt total verunsichert. Nachimpfen oder abwarten? Das zuständige Robert-Koch-Institut übt sich im Konjunktiv. Das Institut spricht sich nicht explizit für eine generelle Nachimpfung mit dem Vierer-Impfstoff aus. Jedoch könnten bestimmte Patientengruppen davon profitieren.

Insbesondere bei Hochrisiko-Patienten solle individuell über eine Nachimpfung mit einem Vierer-Impfstoff entschieden werden, heißt es seitens des RKI. Ein in diesem Sinne hohes Risiko tragen Menschen mit Lungenerkrankungen wie COPD (chronic obstructive pulmonary disease) oder alle, die an einer Herzinsuffizienz leiden. Und das sind bundesweit Millionen von Menschen – denn dazu gehören alle Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen, Bluthochdruck und Senioren ab dem 60. Lebensjahr.

Ob man diese nachimpfen sollte, legen die Gesundheitsbehörden in die Einschätzung der betreuenden Ärzte. Bis dahin kann man eigentlich nur eins tun, nämlich Ansteckung vermeiden.

  • Am häufigsten werden Grippeviren von Hand zu Hand weitergereicht. Zwar können die Erreger nur rund 15 Minuten auf der Haut überleben, aber das reicht meistens schon, um sie von der Hand an Mund und Nase zu übertragen, wo sie sich dann in den Schleimhäuten vermehren. Auf glatten Oberflächen wie Türklinken, Stuhllehnen oder Telefonhörern halten sich Viren bis zu 24 Stunden.
  • Um eine Ansteckung zu vermeiden, hilft nur häufiges Händewaschen und Selbstdisziplin. Vermeiden Sie es, sich selbst ins Gesicht zu fassen! Die Nasenschleimhaut ist nämlich in der kalten Jahreszeit und in überhitzen Räumen mit trockener Luft die ideale Viren-Auffang-Station.
  • Überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, verbreiten sich Viren besonders schnell. Öffentliche Verkehrsmittel, Großraumbüros und Klassenzimmer sind diesbezüglich ein Eldorado für Viren. Ein Nies- oder Hustenanfall verbreitet beispielsweise Hunderte von Viren in Bruchteilen von Sekunden über eine Distanz von mehreren Metern.
  • Den besten Schutz vor Ansteckung bietet ein gesundes Immunsystem. In diesem Sinne ist eine gesunde Ernährung mit allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Außerdem helfen Saunabesuche, viel frische Luft und ausreichend Bewegung. Ingwer, Zink und der Extrakt des Sonnenhuts (Echinacea) stärken ebenfalls die Abwehrkräfte.
  • Auch immer gut: Viren wegspülen durch scharfes Essen. Alles, was einem die Tränen in die Augen treibt oder die Nase zum Laufen bringt wie Knoblauch, Chili und Meerrettich.

Mit genug Disziplin und ein bisschen Glück rollt die aktuelle Grippewelle an Ihnen vorbei. Und allen, die es doch erwischt, wünschen wir bereits jetzt gute Besserung!

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