Gesundheit

Die Fahrschule für Gehörlose und Schwerhörige

von Sabrina Lieb

Ohne Gehör Auto fahren? Ja, das ist tatsächlich erlaubt. Eine Fahrschule am Bodensee bereitet Gehörlose und Schwerhörige auf die Prüfung vor.

Die Fahrschule für Gehörlose und Schwerhörige
Wer hat hier Vorfahrt? Fahrlehrer Kugele erklärt solche Situationen für Gehörlose und Schwerhörige in Gebärdensprache. Foto: CC0: Markus Spiske/ffcu

Das erfahren Sie gleich:

  • Auch Gehörlose und Schwerhörige dürfen Auto fahren
  • Eine Fahrschule am Bodensee hat sich auf Hörgeschädigte spezialisiert
  • Der Unterricht findet in Gebärdensprache statt

Eine ganz besondere Fahrschule

Rudi Kugele ist seit 45 Jahren mit Leib und Seele Fahrlehrer. Richtig schalten, kuppeln, anfahren, parken – in seiner Fahrschule in Lindau am Bodensee macht er Jahr für Jahr zukünftige Autofahrer fit für den Straßenverkehr. Soweit so gut. Was seinen Unterricht aber so besonders macht ist, dass seine Schüler ihn nicht oder nur schwer hören können. Denn Rudi betreibt eine Fahrschule für Hörgeschädigte.

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Prüfungsfragen in Gebärdensprache

Gehörlose dürfen Autofahren? Ja, da haben Sie jetzt richtig gelesen. Der Unterricht gestaltet sich in diesem Fall jedoch etwas anders als der in der Ausbildung eines Fahrschülers mit intaktem Gehör. Wer gehörlos einen Führerschein machen möchte, braucht einen Fahrlehrer, der auf seine körperlichen Beeinträchtigungen eingehen kann. Dass Rudi das kann, beweist ein Blick in seinen Unterricht: Seinen täglichen Theorieunterricht macht er mit einfachen, lautsprachlichen Gebärden. Zum Einsatz kommen auch Lehr-DVD's und Videofilme. Zusätzlich gibt es jeden Tag rund 45 Minuten Prüfungsvorbereitung, in der er die Prüfungsfragen und Antworten in Gebärdensprache erklärt.

Für seine Fahrschüler reist Rudi auch schon mal quer durch Deutschland. Denn in den letzten Jahren erlaubten die Führerscheinstellen von vielen Städten und Landkreisen nur noch die Theorieprüfung in Lindau. Die Fahrprüfung hingegen muss beim Prüfling Zuhause gemacht werden.

Autofahrer am Steuer
Mobilität bedeutet Selbständigkeit: Auch Gehörlose und Schwerhörige dürfen Auto fahren. Foto: Unspalsh/Andrew Worley

300.000 Deutsche leben mit Hörbehinderung

Für viele ist der Führerschein ein Sinnbild für Mobilität. Wer sich ein Auto leisten kann ist in der Lage, schnell von A nach B zu kommen. Während ein funktionierender Sehsinn beim Erwerb der Fahrerlaubnis zwingend vorgeschrieben ist, ist der Gesetzgeber bei auditiven Wahrnehmungsstörungen entgegenkommend: Gemäß der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) dürfen auch hochgradig Schwerhörige und Gehörlose zum Straßenverkehr zugelassen werden. Voraussetzung beim Fahren mit Hörbehinderung ist jedoch, dass die Beeinträchtigung des Hörsinns keine weiteren schwerwiegenden Mängel, wie beispielsweise Gleichgewichtsstörungen, nach sich zieht.

Gehörlos, taub, schwerhörig - laut dem Statistischen Bundesamt leben in Deutschland rund 303.000 Menschen mit einer Hörbehinderung. Um als Gehörloser also eine Führerscheinausbildung beginnen zu können, müssen Betroffene zunächst eine Bescheinigung über die Verkehrssicherheit erhalten. Diese wird im Rahmen eines ärztlichen Gutachtens ausgestellt. Für gehörlose oder hörgeschädigte Menschen ist hier ein Hals-Nasen-Ohrenarzt für solches zuständig. Die Bescheinigung wird schließlich dem Antrag auf die Erteilung der Fahrerlaubnis beigefügt und von den zuständigen Behörden geprüft. In machen Fällen gibt es noch weitere Auflagen, beispielsweise die Teilnahme an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Werden diese erfüllt, so heißt es schon bald: „Freie Fahrt voraus!“

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