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Die Elektromobilität verändert sogar die Jobsuche

von Christian Merten

Eine Bewerbung als Kfz-Mechaniker? Aussichtslos! Die Elektromobilität lässt alte Berufe verschwinden – und ganz neue entstehen.

Die Elektromobilität verändert sogar die Jobsuche
Schrauber-Paradies: So einen Arbeitsplatz gibt es bald nur noch in Oldtimer-Werkstätten. Foto: Unsplash/lightninghorse

Das erfahren Sie gleich:

  • Neue Antriebstechnik schafft auch neue Berufe
  • Die Jobsuche verändert sich dramatisch
  • Den klassischen Kfz-Mechaniker gibt es nicht mehr

Die Arbeitsagentur kennt keine Kfz-Mechaniker

„Was soll ich bloß werden?“, fragt sich der 16-jährige Tom. Die Schule geht zu Ende, und im nächsten Jahr soll die Ausbildung beginnen. Doch der schlaksige Krauskopf kann sich nicht entscheiden, welchen Beruf für die Zukunft er lernen soll. Eigentlich faszinieren ihn Autos und Elektromobilität, aber ihn interessiert auch die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. „Soll ich einfach Kfz-Mechaniker lernen wie mein Vater?“, fragt er.

Geht nicht, denn diesen Beruf gibt es gar nicht mehr. Wer auf der Seite der Arbeitsagentur "Kfz-Mechaniker" eingibt, wird umgeleitet: Seit der Ausbildungsreform 2003 heißt der Beruf Kfz-Mechatroniker, und die Jugendlichen hantieren immer häufiger mit dem Computer als mit dem Schraubenschlüssel. Seit vier Jahren gibt es sogar eine spezielle Ausbildung für den Bereich Elektroautos: den Kfz-Mechatroniker für System- und Hochvolt-Technik. Die Azubis haben mit Starkstrom zu tun und müssen sich mit Elektronik auskennen. Kurzum: Die Elektromobilität verändert sogar die Jobsuche.

Bewerbung mit Schwerpunkt Elektrotechnik

Der Autoindustrie mit ihren 828.000 Mitarbeitern in Deutschland geht es bisher noch prächtig. Seit 2008 kamen 58.000 neue Stellen hinzu, während die Bruttolohn- und -gehaltssumme um 35 Prozent anstieg.

Ein Elektromotor braucht nur 17 Bauteile.

Jedoch: „Ein Elektromotor ist weniger kompliziert und hat weniger Teile als ein Verbrennungsmotor“, warnt Jörg Hofmann, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall. Für einen Acht-Zylinder-Motor müssen 1200 Teile zusammenmontiert werden – für einen Elektromotor nur 17. Deshalb werden neue Berufe und Ausbildungen wichtig. Wer eine Bewerbung abschickt, ist gut beraten, Interesse an Elektrotechnik und Elektronik nachzuweisen, weil der Anteil solcher Bauteile im Elektroauto bei 75 Prozent liegt, während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nur auf 40 Prozent kommen. Der wachsende Anteil von Software und Elektronik im Auto wird die Nachfrage nach Fachkräften aus diesen Bereichen weiter steigern, während klassische Qualifikationen in Metall und Mechanik durch die Elektromobilität immer weniger gefragt sind.

Elektromotor in der Detailansicht
Alles anders: Für die Arbeit mit Elektromotoren sind andere Fähigkeiten gefragt als bei Verbrennungsmotoren. Foto: instagram.com/lucky336

Autohersteller investieren in die Ausbildung

Deshalb qualifizieren die Hersteller schon Mitarbeiter aus der Produktion zu Elektrofachkräften weiter, und auch die Lehrinhalte für Ausbildung und Weiterbildung müssen angepasst werden. Gerade für junge Menschen ist die neue Technologie ein gutes Argument für den Einstieg im Automobilbereich. Um Elektroautos zu bauen, brauchen auch die Ingenieure neue Kompetenzen und eine andere Ausbildung. Gesucht werden beispielsweise Spezialisten für neue Werkstoffe und Elektrochemie, die sich nur schwer finden lassen. Deshalb setzen immer mehr Hersteller auf die Weiterbildung ihrer Angestellten.

Ingenieure für Verbrennungsmotoren bilden sich neben der Arbeit weiter.

Bei einigen Herstellern bilden sich beispielsweise Ingenieure, die bisher auf Verbrennungsmotoren spezialisiert waren, neben der Arbeit für ihre Zukunft weiter. Hochschulen unterstützen diese Entwicklung. So hatte bereits 2011 die Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften zum ersten Mal einen Bachelor-Studiengang für Elektrotechnik - Elektromobilität angeboten, den es ähnlich nun auch in Chemnitz, Ravensburg und Ingolstadt gibt.

Doch es sind noch mehr Zusatz- und Aufbaustudiengänge nötig, denn die Elektromobilität bringt immer neue Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise die gesamten Batterie- und Stromspeichertechnologien sowie die Leistungselektronik oder die Klimatisierung der Batterie. Die Optimierung des Fahrzeugs wird auch beim Elektroantrieb zu immer mehr Komplexität führen, woraus dann neue Jobs entstehen.

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Ausbildung und Beruf wachsen zusammen

Es lässt sich jetzt schon erkennen, wie durch den Umstieg auf die Elektromobilität bisher getrennte Disziplinen zusammenwachsen. Die Autoindustrie und die Stromkonzerne dürften sich beispielsweise immer stärker vernetzten und die Ausbildungsprofile von bisher getrennten Berufsbildern in Zukunft miteinander verknüpfen. Eine solche Entwicklung hatte es schon gegeben, als vor mehr als 20 Jahren der Beruf des Mechatronikers entwickelt wurde, der für Arbeiten auf dem Gebiet der Mechanik und der Elektronik qualifiziert.

In Zukunft wird die Elektromobilität noch mehr neue Ausbildungen und Berufe schaffen. Das versteht auch Tom und möchte jetzt erst einmal ein Praktikum machen, weil er den Kfz-Mechatroniker für System- und Hochvolt-Technik bisher nur aus dem Internet kennt. „Ich möchte die Arbeit gern aus der Nähe ansehen und ein paar Tage dabei sein“, sagt der der 16-jährige.

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