Leben

Die Community wird zum Energieversorger

von Peter Michaely

Neben hohen Anschaffungskosten schreckt vor allem die Angst vor Stromausfall bei schlechtem Wetter viele Hausbesitzer von der eigenen Photovoltaik-Anlage ab. Die Vernetzung von Eigentümern löst dieses Problem.

Die Community wird zum Energieversorger
Gemeinsam Strom erzeugen: In Deutschland gibt es rund 1,58 Millionen Photovoltaik-Anlagen. Foto: Shutterstock/ricochet64

Das erfahren Sie gleich:

  • Besitzer von Photovoltaik-Anlagen schließen sich zusammen
  • Der Strompreis ist niedriger als im öffentlichen Netz
  • Stromschwankungen werden von der Gemeinschaft ausgeglichen

Als Einzelkämpfer geht es nur langsam voran

Zum eigenen Energieversorger werden – das gehen die meisten Deutschen bisher als Einzelkämpfer an. Das funktioniert auch, ist aber mühsam. Entsprechend langsam kommt die private Energiewende voran: Laut Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. (BSW Solar) wurden im vergangenen Jahr 52.000 Photovoltaik-Anlagen in Deutschland neu installiert; damit stieg ihre Gesamtzahl bis Ende 2016 auf 1,58 Millionen. Der Anteil des von ihnen produzierten Stroms am deutschen Bruttostromverbrauch lag jedoch bei lediglich rund 6,5 Prozent. Noch geringer als die Zahl der Photovoltaik-Anlagen ist diejenige der installierten Solarstrom-Speicher. Denn den 1,58 Millionen Anlagen standen bis Ende 2016 nur rund 50.000 Speicher gegenüber. Allerdings sind die Wachstumszahlen enorm: Anfang 2016 gab es nur magere 34.000.

Günstiger Strom aus der Community

Genau hier setzen Unternehmen wie die Sonnen GmbH aus dem bayerischen Wildpoldsried an. Die Idee: Mit einer Community eine unabhängige und ökologisch sinnvolle Stromversorgung unter den Mitgliedern sicher zu stellen. Wer zusätzlichen Strom benötigt, etwa weil die hauseigene Solaranlage wegen schlechtem Wetter nicht genügend Elektrizität produziert hat, bezieht diesen nicht mehr aus dem öffentlichen Netz, sondern von der Community.

Der Geschäftsführer kommt von Tesla

Die Zahlen scheinen dem Unternehmen recht zu geben: Während der Gesamt-Speichermarkt in Deutschland 2016 um 40 Prozent gewachsen ist, konnte Sonnen seinen Absatz nach eigenen Angaben verdoppeln und zählt derzeit rund 60.000 Community-Mitglieder. Auch Verbraucher ohne Solaranlage und Speicherbatterie werden umworben und sollen sich beteiligen. Laut „Financial Times“ gehört die Firma zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) zählte Sonnen 2016 zu den 50 innovativsten Firmen der Welt (Platz 28). 2016 erzielte das 2010 als Start-up gegründete Unternehmen mit 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 42 Millionen Euro. Längst hat die Idee Konkurrenten wie Tesla oder RWE auf den Plan gerufen. Pikant: Philipp Schröder, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing bei Sonnen, war 2014/15 Tesla-Geschäftsführer für Deutschland und Österreich.

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Der Strompreis ist niedriger als im Netz

Seit 2013 bilden die Kunden ein Netzwerk und können überschüssigen Strom untereinander teilen. Derzeit belaufen sich die Kosten für die Installation einer Solaranlage samt Sonnen-Batterie laut Unternehmen auf zirka 10.000 bis 12.000 Euro. Die Investition amortisiere sich je nach Einzelfall binnen zehn bis zwölf Jahren. Die Sonnen-Batterie alleine kostet 3.999 Euro. Die einzelnen Community-Mitglieder sind durch intelligente Zähler untereinander verbunden. Der bundesweite Bruttopreis des Community-Stroms liegt bei 23 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Deutschland kostet eine Kilowattstunde Strom für Haushalte aus dem öffentlichen Netz knapp 30 Cent pro Kilowattstunde.

Das System hat noch Kinderkrankheiten

Umsonst ist die Teilnahme an der Community allerdings nicht, weshalb Interessenten mit spitzem Stift rechnen müssen: Die Tarife liegen je nach gewünschtem Modell zwischen 9,99 Euro/Monat und 19,99 Euro/Monat. Beim zuletzt genannten Paket handelt es sich um eine Flatrate („sonnenFlat“). Sie ist möglich, weil die vernetzten Batterien bei Schwankungen Strom aus dem Netz beziehen und auch wieder abgeben können. So tragen die Community-Mitglieder zur Stabilisierung des Stromnetzes bei (sogenannte Regelenergie). Im Gegenzug erhält Sonnen eine Vergütung für die Batterie-Bereitstellung, die in die Refinanzierung der Flatrate fließt. Übrigens: Wer in einschlägigen Foren nach Nutzer-Erfahrungen sucht, stößt vor allem auf Sonnen-Kunden, die über Probleme mit Vertriebspartnern und Installateuren vor Ort klagen. Ganz ohne Kinderkrankheiten funktioniert der Traum von der autarken Stromversorgung jedenfalls noch nicht.

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