Leben

Der Trend zum Tiny House erreicht das Büro

von Sabrina Lieb

Raus aus dem Coworking-Space, rein ins Tiny House: Freiberufler entdecken die Vorteile des mobilen Büros – und verbinden Arbeit mit Naturerlebnis.

Campingwagen von KantoorKaravaan im Wald
Der hat Holz vor der Hütte: Mobiles Büro des holländischen Start-ups KantoorKaravaan. Foto: KantoorKaravaan

Das erfahren Sie gleich:

  • Das Tiny House wird jetzt auch für die Arbeitswelt interessant
  • Alte Campingbusse und Bauwagen als mobile Büros
  • Der neue Trend verbindet Arbeiten, Nachhaltigkeit und Natur

Ein Büro auf 13 Quadratmetern

Davids Büro ist bis ins kleinste Detail individuell ausgestattet. Und hier ist das Wort klein wirklich entscheidend: Gerade mal 13 Quadratmeter misst sein „Garden Office“, wie er es liebevoll nennt. Unter seinem kreativen Dach in Petershagen im Landkreis Märkisch Oderland (Brandenburg) findet nur noch Platz, was er wirklich braucht: Ein Schreibtisch, ein Einbauschrank, eine kleine Küchenzeile und eine Toilette. Alles selbst gebaut. Internet gibt es via Hotspot. „Das hat noch Optimierungsbedarf“, sagt der 41-Jährige und lacht. Der Blick aus dem Fenster? Der zeigt Grün. Der freiberufliche Grafiker hat seinen Arbeitsplatz nach vielen Jahren in großen Co-Working-Spaces nach draußen versetzt. Ressourcen schonen und möglichst wenig Raum verbrauchen – der Trend zum Tiny House hat sich längst auch auf den Schreibtischen und in kreativen Köpfen einen Platz erobert.

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Das Tiny House als günstiges Büromodell

Tiny Houses sind längst nicht mehr nur eine nette Wochenendabwechslung für Idyllsuchende. In Zeiten steigender Mietpreise werden die Minihäuser zunehmend auch als alternatives und kostengünstiges Büromodell immer interessanter. Worin die einen ein unerwartetes Sparpotential sehen, erfreuen sich die anderen an der Möglichkeit, ihr mobiles Büro ganz nach ihren Wünschen auszustatten. Der Reiz, sich nicht nur privat sondern auch beruflich auszuklinken, erreicht jetzt auch die Arbeitswelt: „Immer mehr wollen aus der Hektik fliehen und sich bewusst einen Rückzugsort schaffen“, so Alexander Pletz, der in Ortenburg im niederbayerischen Landkreis Passau Tiny Houses an den Mann bringt. Zusammen mit seiner Frau Petra plant und baut der Inhaber einer Zimmerei individuelle Minihäuser.

Mobiles Büro von Alexander Pletz aus Niederbayern
Das blaue Wunder: Mobiles Büro aus Niederbayern. Foto: Holzbau Pletz Alexander

Alte Bauwagen eignen sich besonders gut

Dabei war sein Weg zum Tiny House eher dem Zufall geschuldet: „Ich habe mir vor ein paar Jahren einmal selbst einen gebaut und wollte damit auf Tour gehen. Aus Spaß habe ich den dann auf die Homepage gestellt“, so Pletz. Innerhalb weniger Tage bekam er mehrere Kaufanfragen. In der Zwischenzeit ist der Zuspruch so groß, dass er bis zu 20 Anfragen pro Woche bekommt.

Das mobile Büro lässt sich jederzeit dort abstellen, wo man gerade sein will.

Dabei erfreuen sich neben Wohn- und Ferienhäusern gerade auch Bürowagen steigender Beliebtheit, und da geizen die Kunden auch nicht mit Sonderwünschen. Denn dort, wo Mietkosten für Büros niedrig gehalten werden können, bleibt mehr übrig, um in den Innenausbau zu investieren. Gestern noch der ausgediente Zirkuswagen oder Bauwagen, morgen schon der mobile Arbeitsplatz mit passgenauen Büromöbeln, Verstauungsmöglichkeiten und inspirierenden Farbkonzepten. Mit montierten Rädern lässt sich das mobile Büro jederzeit dort abstellen, wo man gerade sein will. Manchmal auch ganz einfach im Irgendwo.

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Büroarbeit und Lagerfeuer

„Einmal Downsizing, bitte“ gilt auch beim holländischen Start-up KantoorKaravaan sein, das alte Campingwagen in mobile und energieeffiziente Büros umbaut. Strom zum Aufladen von Laptop und Handy, Licht, Internet und eine Kaffeemaschine – in der Regel braucht es nicht mehr, wenn man seine Arbeit am Computer verrichtet. Mit mobilen Büro- und Konferenzräumen in renovierten Wohnwagen und großräumigen Domzelten zieht KantoorKaravaan während der warmen Monate durch entlegene Naturgebiete in den Niederlanden. Ausgestattet mit ökologischen Off-grid-Systemen wie Solarmodulen und Komposttoiletten können Freiberufler und Arbeitnehmer ohne Anwesenheitspflicht ihrer alltäglichen Büroarbeit in unmittelbarer Nähe zur Natur nachgehen. Frische Luft, singende Vögel, gemütliche Lagerfeuer – dabei soll das Wort Arbeit eine völlig neue Bedeutung bekommen: „Auf diese Weise verbinden wir alltägliches Leben, geprägt von digitaler Kommunikation, Mobilität und stetiger Arbeitsbereitschaft, mit der Ruhe der Natur, die uns wieder zurück zu den Wurzeln führt und innere Balance beschert“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Selbst Lastenräder werden mobile Büros

Wo die Natur noch mit Platz lockt, kann man ihn im urbanen Raum schon mal vergeblich suchen. Bezahlbare Arbeitsräume sind in vielen Großstädte regelrecht zur Mangelware geworden. Parkplätze hingegen werden häufig noch immer kostenlos angeboten. Wenn auf der einen Seite Autos zahlreiche Stunden am Tag exklusive Flächen belegen können, auf der anderen Seite so manch einer jedoch kaum Platz zum Arbeiten finden – schreit das nicht geradezu nach einem mobilen Arbeitsplatz? Der Hamburger Till Wolfer arbeit daran. Er ist Mitglied des Künstlerkollektivs N55, das sich seit Jahren auf die Entwicklung nachhaltiger und zukunftsweisender Fahrzeuge spezialisiert hat. Zusammen haben sie das Lastenrad XYZ Cargobike entwickelt, das nach Meinung des 35-Jährigen nicht nur ein konsequenter und nachhaltiger Autoersatz darstellt, sondern auch die Weichen für das Arbeiten von unterwegs stellen soll: „Lastenräder dürfen auch auf Autoparkplätzen oder breiten Fußwegen stehen“, so Wolfer. Damit wäre theoretisch auch möglich, mobile Büros im öffentlichen Raum zu parken, um von unterwegs aus zu arbeiten.

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