Technik

Der Silly Walk der humanoiden Roboter und Roboter-Tiere

von Marten Zabel

Humanoide Roboter bekommen neue Möglichkeiten der Fortbewegung. Neuronale Netzwerke entwickeln dabei Dinge, die bisher nicht einmal die Natur entdeckt hat.

Der Rettungsroboter FEDOR (Final Experimental Demonstration Object Research).
FEDOR (Final Experimental Demonstration Object Research) muss noch einige Tests durchlaufen, bevor er auf Rettungsmission darf. Foto: picture alliance / dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich Roboter-Tiere und humanoide Roboter bei Boston Dynamics fortbewegen
  • Wie kreative Fortbewegungsmethoden für Roboter neue Bereiche erschließen können
  • Wie künstliche Intelligenz neue Lösungen für die Fortbewegung sogar selbst entwickeln kann

Videos humanoider oder hundeartiger Roboter, die Hindernisse überwinden, gibt es immer wieder. Die Bewegungsabläufe dieser Maschinen haben Vorbilder in der Natur. Aber auch bewegliche Kreaturen, die nicht unbedingt dem Alltag des Menschen entspringen, können in Form von Robotern umgesetzt werden. Vielleicht entwickeln künstliche Intelligenzen auf Basis von neuronalen Netzwerken künftig ganz neue Formen der Fortbewegung.

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Humanoide Roboter von Boston Dynamics: Nur der Anfang

Roboter mit zwei, vier oder sechs Beinen sind in den vergangenen Jahren entwicklungstechnisch sehr weit gekommen: Technikschmieden wie Boston Dynamics zeigen nicht nur, dass ihre Maschinen inzwischen joggen, springen und treppensteigen, sondern wollen diese schon im kommenden Jahr auch verkaufen. Aber obwohl die Form von Mensch und Vierbeiner in der Natur äußerst bewährt ist, ist deren übliche Weise nicht in jeder Situation die ideale Möglichkeit zur Fortbewegung. Entsprechend experimentieren Entwickler mit ganz anderen Möglichkeiten, mit denen Roboter von A nach B gelangen können.

Schlangen und Seeigel: Roboter-Tiere im Einsatz

Mehrere verschiedene Teams in unterschiedlichen Ländern arbeiten an Roboterschlangen. Diese Form der Fortbewegung ist in der Natur bereits äußerst versatil: Schlangen können über sandigen Wüstenboden gleiten, sich durch Gras schlängeln, im Wasser schwimmen und auf Bäume klettern. Vor allem letztere Fähigkeit fehlt Robotern mit Beinen bislang. Ein Team der Universität Kyoto und der Universität für Elektrokommunikation in Japan dagegen hat seinem Schlangenroboter beigebracht, eine Leiter hochzuklettern.

Es gibt bereits Firmen, die schlangenförmige Roboter für die Minensuche einsetzen wollen. Auch für das Aufspüren Verletzter unter Trümmern könnte sich diese Form von Roboter eignen: Schlangen kommen auch in enge Löcher hinein und können im langen Rumpf dennoch ausreichend Technik und eine Energieversorgung mitbringen.

Ebenfalls aus Japan kommt der Mochibot, den eine gemeinsame Forschungsgruppe der Universitäten Keio und Tokyo entwickelt hat. Er hat nicht zwei, vier, sechs oder acht, sondern volle 32 Beine. Die kann er gezielt aus- und einziehen, um sich rollend wie ein Seeigel fortzubewegen. Er mag damit nicht der erste Roboter zu sein, der sich als Kugel rollend fortbewegt, ist dabei aber Konkurrenten wie dem kommerziell erhältlichen Sphero in einer Hinsicht überlegen. Anders als glatte, rollende Kugeln kann sich Mochibot sogar Steigungen hinauf bewegen und hat auch mit Sand oder Kieselsteinen als Untergrund keine Probleme.

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Im Weltraum schon im Einsatz

Roboter, die sich rollend fortbewegen, sind auch in der Raumfahrt bereits Praxis: In der minimalen Schwerkraft eines Asteroiden würden reguläre Räder nicht greifen und Beine nur zu unkontrollierten Sprüngen in die Tiefe des Alls führen. Daher haben sich die kleinen Rover der japanischen Erkundungsmission Hayabusa2 fortbewegt, indem sie sich über ihre Seiten kippten. Das funktionierte dabei über Schwungräder im Roboterinneren – auf dem Asteroiden führte das zu großen Hopsern.

Roboter der Mondmission Hayabusa2.
Hopsen statt gehen: Auf der Mondmission Hayabusa2 kamen Roll- bzw. Hopsroboter zum Einsatz. Foto: JAXA

Zukunft aus dem Computer

Künftig könnten die neuen Fortbewegungsmöglichkeiten für Roboter noch exotischer werden: Zuletzt hat Google einer künstlichen Intelligenz die Aufgabe gestellt, einen zweidimensionalen Parcours mit selbstentwickelten Laufmaschinen zu passieren. Generation über Generation der per Evolutions-Simulation entwickelten virtuellen Roboter erhielten dabei teils recht skurrile Formen, die zeigen: Was die Zukunft der Robotik angeht, kann es noch ganz andere Möglichkeiten geben, um von A nach B zu kommen. Vielleicht ist ja auch ein blinder Roboter der Bot der Zukunft.

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