Technik

Der richtige Diebstahlschutz: So sind E-Bike und Fahrrad sicher

von Alexander Kraft

Ein gutes Pedelec kostet ab 1500 Euro aufwärts. Ärgerlich, wenn es aus Unachtsamkeit geklaut wird. aio erklärt Ihnen, welche Maßnahmen das Risiko senken.

Schließen Sie Ihr Fahrrad immer an einem hohen Objekt an, und nicht wie hier zu sehen einfach nur ab.
Mit wenigen Handgriffen hat ein Profi ein Fahrradschloss geknackt. Besser: Mehrere Schlösser für ein Fahrrad nutzen. Foto: Shutterstock / Roman Seliutin

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie viele Fahrräder in Deutschland gestohlen werden
  • Warum das Fahrradschloss immer noch den höchsten Diebstahlschutz bietet
  • Wie ein E-Bike oder Fahrrad diebstahlsicher angeschlossen wird
  • Welche etwas anderen Methoden es gibt, um das Fahrrad zu sichern

Rückläufige Zahlen beim Fahrraddiebstahl

Die Zahlen lassen sich durchaus als positive Entwicklung interpretieren: Um fast zehn Prozent sank die Statistik der Fahrraddiebstähle 2017 gegenüber dem Vorjahr – von 332.486 auf 300.006 gemeldete Delikte.

Allerdings berücksichtigt die offizielle polizeiliche Kriminalstatistik allein zur Anzeige gebrachte Diebstähle. Die Dunkelziffer entwendeter Fahrräder dürfte höher liegen. Und: Mit gerade einmal 15,1 Prozent ist die Aufklärungsquote derartiger Delikte besonders niedrig – und nicht sonderlich ermutigend.

Wer sich erst gar nicht in dieser Statistik wiederfinden will, tut deshalb gut daran, sein Fahrrad präventiv vor Diebstahl zu schützen. Das gilt vor allem für elektrisch motorisierte Räder wie E-Bikes und Pedelecs, weil sie aufgrund des hohen Anschaffungspreises besonders begehrt sind. Schon einzelne Bauteile wie der Akku oder das Display sind für Diebe interessant.

Das A und O der Sicherheit: das Fahrradschloss

Ein gutes Fahrradschloss kann die Gefahr eines Diebstahls um bis zu 90 Prozent reduzieren. Denn ein wertiges und wuchtiges Schloss schreckt potenzielle Diebe schon bei der Beutesuche ab – und tatsächlich ist Abschreckung der beste Diebstahlschutz für Ihr Fahrrad oder E-Bike.

Als Faustregel gilt, dass zehn bis 15 Prozent des Fahrradneupreises zusätzlich in die Sicherheit investiert werden sollten, also in ein oder mehrere Fahrradschlösser. Denn bei einem Fahrradschloss entscheidet der Preis über die Qualität bzw. die Sicherheit. Ergo: Umso teurer das Schloss, desto mehr Schutz bietet es.

Bei einem Pedelec bzw. E-Bike für 1500 Euro wären das rund 150 Euro. Da ein Pedelec aber schnell auch mehr als 2000 Euro kosten kann, sollte diese Faustregel eher als ein Richtwert betrachtet werden.

Die fünf verschiedenen Schlosstypen

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.) unterscheidet fünf verschiedene Typen von Fahrradschlössern, die alle ihre Vorteile und Nachteile mit sich bringen – insofern kann eine Kombination aus mehrere Schlosstypen den besten Schutz gewähren. Eine Garantie vor Diebstahl bieten sie freilich nicht.

Je nach Motiv des Diebstahls (Eigenbedarf, Gelegenheit, Beschaffung zwecks Weiterverkauf) müssen die Schlösser unterschiedlichem Werkzeug standhalten können: von bloßen Händen über Akkuschrauber, Hammer, Bolzenschneider bis hin zum Wagenheber.

Der ADFC rät, dass ein gutes Fahrradschloss mindestens drei Minuten Widerstand leisten können sollte.

Bügelschlösser gelten gemeinhin als die sicherste und effizienteste Methode, das Fahrrad abzuschließen. Sie bieten Dieben nahezu keinen Schwachpunkt zum Knacken. Allerdings sind sie in ihrer Anwendung unflexibel und lassen sich bei Transport nur mäßig gut verstauen. Außerdem bringen sie zusätzliches Gewicht mit. Bis zu zwei Kilo schwer kann so ein Bügelschloss sein.

Einige Hersteller, wie zum Beispiel Trelock, bieten als Zubehör für Bügelschlösser Schlaufenkabel an. Damit lassen sich weitere Komponenten wie Helme, Räder o.ä. direkt am Fahrrad sichern.

Rund neun von zehn Diebstähle lassen sich bereits durch ein Bügelschloss vereiteln.

In ihrer Anwendung vielseitiger sind Kettenschlösser. Durch ihre beweglichen Glieder können Sie Ihr Fahrrad damit problemlos an Bäumen oder Laternenmasten sichern. Bei Nichtgebrauch passt ein Kettenschloss in Tasche und Rucksack. Allerdings wiegen auch Kettenschlösser bis zu zwei Kilogramm.

Eine Mischung aus robustem Material und Flexibilität bieten sogenannte Faltschlösser. Zusammengelegt erinnern sie an einen massiven Zollstock. Durch ihre kompakte Bauweise lassen sich Faltschlösser während der Fahrt direkt am Rahmen in einer eigenen Halterung unterbringen, müssen unterwegs also nicht im Rucksack oder der Tasche verstaut werden. Je nach Länge bietet ein Faltschloss auch Diebstahlschutz für zwei Fahrräder.

Spiralkabelschlösser brauchen wenig Platz und bringen kaum Eigengewicht mit, bieten im Gegenzug aber nur wenig Schutz. Die Anwendung eines Spiralkabels kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn das Fahrrad dabei nie unbeobachtet ist und nur wenige Minuten abgeschlossen werden soll. Am besten nutzen Sie Spiralschlösser in Kombination mit einem weiteren Fahrradschloss.

Gleiches gilt für Rahmenschlösser, die nur das Hinterrad blockieren und wie eine Wegfahrsperre funktionieren. Auch sie sind kein probates Mittel, um Profis von einem Versuch abzuhalten. Versierte Fahrraddiebe haben ein Rahmenschloss in kürzester Zeit geöffnet.

Tipps, um den Diebstahlschutz zu erhöhen

Ein hochwertiges Fahrradschloss allein reicht aber noch nicht, um Ihr Pedelec ausreichend vor gierigen Fingern zu sichern. Entscheidend ist nicht, dass Sie ein Schloss nutzen, sondern wie.

  • Das Fahrrad sollte nie nur ab-, sondern immer angeschlossen werden. Suchen Sie sich in der Umgebung einen Laternenmast, einen Fahrradständer, einen Baum oder ein anderes hohes Objekt, um das Sie das Fahrradschloss legen können. Damit nehmen Sie Dieben die Chance, das Rad wegzutragen und andernorts in Ruhe zu knacken.
  • Bringen Sie das Schloss möglichst weit oben am Fahrrad an, bei Mountainbikes zum Beispiel an der Querstange. Damit nehmen Sie Dieben die Chance, bei einem Bolzenschneider das eigene Körpergewicht einzusetzen. Umso tiefer das Schloss, desto höher die Hebelwirkung, die darauf einwirken kann.
  • Beleuchtete und belebte Standorte schützen Ihr Velo zusätzlich. Das öffentliche Auge wirkt abschreckend auf Fahrraddiebe. Verzichten Sie deshalb auf Seitenstraßen oder schlecht ausgeleuchtete Gassen, wo Delinquenten ungestört und unbeobachtet zu Werke gehen können.
  • Denken Sie daran, auch alle leicht zu entfernenden Komponenten, wie die Räder oder den Akku mit abzuschließen – ggf. mit einem weiteren Schloss. Bewegliche Teile wie Anstecklampen, die nicht mit angeschlossen werden können, sollten ebenfalls nie unbeobachtet am Fahrrad verbleiben.
  • Schließen Sie das Fahrrad auch zuhause ab. Selbst in der eigenen Garage ist das Rad idealerweise zusätzlich angeschlossen. Denn wenn sich Einbrecher die Mühe machen, eine Garage aufbrechen, ist ein teures, ungesichertes E-Bike wie ein Sechser im Lotto.
  • Auch wenn es vielleicht verlockend klingt: Bei Zahlenschlössern nicht das eigene Geburtsjahr als Code verwenden. Die Chance, dass eine vierstellige Zahlenfolge, die mit 19 oder 20 beginnt, geknackt wird, ist recht hoch und nimmt nur wenig Zeit in Anspruch.
Ein vierstelliges Zahlenschloss wie dieses lädt geradezu dazu ein, das Geburtsjahr als Code zu nutzen. Damit macht man es Dieben aber allzu leicht.
Ein Zahlenschloss ist schon praktisch, weil es keinen Schlüssel gibt, den man verlieren kann. Aus Sicherheitsgründen sollte man aber auf das Geburtsjahr als Code verzichten. Foto: Shutterstock / Martin Prague

Wie Sie die Sicherheit zusätzlich erhöhen

Wenn Sie sich nicht alleine auf den Diebstahlschutz durch ein Fahrradschloss verlassen möchten, folgen hier noch ein paar Tipps, um das Risiko zu minimieren.

  • Werden Sie kreativ und verpassen Sie Ihrem Fahrrad eine einzigartige Note. Durch den individuellen Touch sinkt die Attraktivität für Diebe, weil es sich dadurch nicht mehr so leicht weiterverkaufen lässt. Und für Sie steigt die Chance, es auf einem Flohmarkt oder einer Online-Auktionsplattform schneller identifizieren zu können.
  • Rennräder oder Mountainbikes sind häufig mit Schnellspannern ausgestattet. Dadurch lassen sich die Reifen bei Pannen schneller austauschen. Das mag bei längeren Radtouren oder im Gelände sinnvoll sein, in der Stadt bedeuten Schnellspanner aber ein zusätzliches Risiko. Um einen Schnellspanner zu lösen, bedarf es keinerlei Werkzeug, in wenigen Sekunden sind die Räder so vom Rahmen geschraubt.
  • Ein Pedelec ist für Diebe vielversprechende Beute. Mindern Sie den Anreiz und den Weiterverkaufswert, indem Sie wichtige Komponenten wie den Akku oder das Display (falls möglich) stets abnehmen, wenn Sie vom Rad absteigen. Ein unvollständiges Pedelec ist weniger lukrativ und oft den Aufwand eines Aufbruchs nicht wert.
  • Der ADFC, aber auch die Polizei und Fahrradhändler bieten an, das Rad codieren zu lassen. Jeder Code ist einmalig und wird unauffällig in den Rahmen graviert oder mit einem speziellen Aufkleber angebracht (z.B. bei Rahmen aus Carbon), der sich nicht durch einfaches Abkratzen entfernen lässt. Der Code weist Sie eindeutig als Eigentümer auf. Das erschwert nicht nur den Weiterverkauf, sondern steigert auch die Hemmschwelle für potenzielle Diebe.

Die etwas andere Art Diebstahlschutz

Anbieter wie Abus entwickeln die Technik von Fahrradschlössern fortwährend weiter. So gibt es mittlerweile Fahrradschlösser, die durch ein akustisches Signal auf sich aufmerksam machen. Versucht ein Unbefugter, das Schloss zu knacken, ertönt ein bis zu 100 Dezibel lautes Geräusch (vergleichbar mit dem Lärm einer Motorsäge).

Einen ähnlichen Weg gehen Produkte wie Insect. Das kleine Modul wird am Rahmen des Rades verschraubt und alarmiert seine Umgebung akustisch bei Fremdzugriff. Darüber hinaus werden alle anderen Insect-Nutzer in der Nähe via App über den Diebstahlversuch informiert und bekommen den Standort des Fahrrads mitgeteilt.

Ohne Alarm aber ebenfalls mit GPS arbeitet Velocate. Über das Smartphone lässt sich das gesicherte Fahrrad so jederzeit orten, selbst in Gebäuden. Gespeist wird der GPS-Tracker über den Dynamo oder den Akku des E-Bikes. Das Besondere daran: Velocate bietet Rücklichter an, in denen der Tracker unsichtbar verbaut ist. So lässt sich Sender von außen nicht erkennen.

Skunklock, die Firma hinter dem gleichnamigen Bügelschloss, geht noch einen Schritt weiter. Ihre Erfindung setzt sich offensiv zur Wehr. Versucht ein Dieb das Schloss mit schwerem Werkzeug abzubrechen, versprüht es chemische Konzentrat, das zu starker Übelkeit führen soll. Der Name "Skunklock", zu deutsch Stinktier, kommt also nicht von ungefähr.

Yerka Bikes richtet sich zwar hauptsächlich an Personen, die ein neues Fahrrad kaufen wollen. Dafür müssen sich diese keine Gedanken mehr über ein passendes Fahrradschloss machen. Denn die Räder von Yerka verwandeln sich quasi selbst in ihr eigenes Schloss, indem das Unterrohr und die Sattelstütze kurzerhand ineinander gesteckt werden.

Falls das Fahrrad doch geklaut wird

Ein teures Fahrrad oder Pedelec weckt Begehrlichkeiten. Dagegen können unter Umständen die besten Präventionsmaßnahmen nichts ausrichten. Kommt es doch einmal zum Fahrraddiebstahl, kann die richtige Versicherung den finanziellen Schaden ggf. abwenden. Grundsätzlich lässt sich das Fahrrad oder Pedelec auf zwei Arten versichern: über die Hausrat­versicherung oder mit einer speziellen Fahr­rad- oder E-Bike-Versicherung.

Wer bereits eine Hausrat­versicherung hat, kann auch das Fahrrad darüber gegen Diebstahl außer­halb von Haus, Wohnung und Garage absichern. Allerdings kostet das extra. Der Betrag bemisst sich dabei am regionalen Diebstahls­risiko.

Ohne Fahrrad-Zusatzversicherung deckt die Hausratversicherung den Schaden nur ab, wenn das Rad nachweislich aus den eigenen vier Wänden oder dem Keller entwendet wurde. Verschwindet das Fahrrad zum Beispiel während einer Radtour, übernimmt die normale Hausratversicherung den entstandenen Schaden nicht.

Dagegen hilft eine spezielle Fahrradpolice, die auch die hohen Kosten eines Pedelecs vollständig absichert. Inzwischen gibt es Versicherungen wie ENRA, die sich auf E-Bikes und Pedelecs spezialisiert haben und auch Akku- und Motorschäden in ihren Leistungen berücksichtigen.

Eine Vollkaskoversicherung für Fahrräder bietet zudem nicht nur Schutz vor Fahrraddiebstahl, sondern auch vor Vandalismus und Unfällen, auch außerhalb Deutschlands.

Tarifrechner für Versicherungspolice

Trotz des höheren Leistungs­umfangs müssen die Spezial­policen nicht zwingend teurer sein als der Zusatz­beitrag der Hausrat­versicherung. Abhängig vom Wohnort kann sie sogar günstiger ausfallen.

Sowohl ENRA als auch die Bike-Assekuranz, von Pergande & Pöthe gemeinsam mit dem ADFC (Ersparnis für Mitglieder), bieten auf ihren Online-Portalen Tarifrechner an, um den Versicherungsbetrag anhand der Leistungen individuell zu berechnen.

Bei ENRA darf der Kauf des E-Bikes oder Fahrrads (auch gebraucht möglich, sofern über einen Fachhändler bezogen) nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Außerdem muss der Preis des Schlosses mit angegeben werden.

Der reine Diebstahlschutz für ein neues E-Bike (Wert 2000 Euro) kostet für ein Jahr ab 119 Euro und ab 189,57 Euro für ein normales Fahrrad – wobei die Preise je nach Postleitzahl stark variieren. Wir haben für die Kalkulation die PLZ des Hamburger Hauptbahnhofs, 20099, gewählt. Das (normalerweise teurere) E-Bike ist in der Versicherungsprämie hier übrigens deswegen günstiger, weil die Diebstahlszahlen bisher noch geringer sind.

Zusätzlich zum Diebstahlschutz lässt sich der Versicherungsumfang um weitere Bausteine ergänzen (Abhol-Service, Rundumschutz, Akku-Plus), die den Betrag ebenfalls beeinflussen.

Eine Fahrradvollkasko kostet bei Bike-Assekuranz jährlich ab 190,40 Euro, sofern Sie kein ADFC-Mitglied sind. Optional können Sie sich für eine Codierung entscheiden, die die Prämie um 10 Prozent reduziert. Allerdings bietet diese Versicherung keine gesonderten E-Bike-Optionen an.

Fazit: Frühzeitig absichern

Den besten Fahrradschutz bietet weiterhin ein hochwertiges Fahrradschloss. Wer bereit ist, für ein neues Fahrrad mehrere hundert oder tausend Euro auszugeben, sollte hier nicht sparen. Gewiefte Langfinger erkennen billige Produkte sofort.

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Außerdem ersetzt auch eine Versicherung nur dann den Schaden, wenn das Fahrrad nachweislich mit einem robustem Schloss gesichert wurde. Informieren Sie sich deshalb schon vor dem Kauf eines Rades über mögliche Versicherungen und an welche Bedingungen der Schutz geknüpft ist. Oft verlangen diese eine Kopie der Kaufbelege.

Übrigens, alternativ zum Fahrradkauf oder Bike-Sharing bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten an, ein Dienstrad zu leasen. Da ist die Vollkasko bereits mit inbegriffen.

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