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Elektromobilität

Der neue Trend: Oldtimer als Elektroauto

von Alexandra Felts

Immer mehr Besitzer klassischer Autos bauen ihre Lieblinge auf Elektroantrieb um. Was Puristen strikt ablehnen, wird zunehmend zum Trend – und zum Geschäftsmodell für clevere E-Anbieter.

Der neue Trend: Oldtimer als Elektroauto
Neues Herz für den alten Bulli: In Kalifornien rüstet die Firma Zelectric unter anderem den VW Bus zum Elektroauto um. Foto: Unsplash/epicurrence

Das erfahren Sie gleich:

  • Immer mehr Besitzer lassen ihren Oldtimer von Experten zum Elektroauto umbauen
  • Die Palette reicht vom Porsche 912 über den Karmann Ghia bis zum Trabi
  • Der Trend verbindet moderne Technik mit klassischem Design

345.000 Oldtimer – und immer mehr elektrisch

Ein wenig Nostalgie, ein Hauch von Kindheit und Autoquartett und nicht zuletzt die Faszination für die Schönheit historischer Mechanik: Den meisten Menschen wird beim Anblick eines Oldtimers warm ums Herz. Kein Wunder, dass immer mehr Deutsche auch einen Oldtimer besitzen wollen – der Bestand in Deutschland liegt bei rund 345.000 Exemplaren.

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Puristen quittieren technische Eingriffe mit hochgezogenen Augenbrauen.

In der etablierten Klassikerszene der großen Sammler, der spezialisierten Händler und Werkstätten sowie der Auktionshäuser wird der Wert auch durch Historie und die Nähe zum Originalzustand bestimmt. Schon technische Eingriffe, die Fahrerlebnis und Komfort modernisieren, quittieren Puristen mit hochgezogenen Augenbrauen. Und dann erst noch das Ansinnen, einen wunderbar kehligen, dröhnenden, fauchenden Motor alter Schule durch Batterie und alternativen Antrieb surren zu lassen? Darf man das? Egal, denn es passiert tatsächlich. Langsam etabliert sich ein Markt für den Umbau von Classic Cars, deren Herz mit Volt statt Oktan schlägt. Kurzum: Die als Oldtimer zum Elektroauto werden.

Schon Ferdinand Porsche baute ein Elektroauto

Schon zu Beginn der Automobilgeschichte war die Mehrzahl der Autos elektrifiziert. Wie zum Beispiel der 1900 vorgestellte Lohner-Porsche, der für die Lohner-Werke vom jungen Konstrukteur Ferdinand Porsche entwickelt worden war. Mehr als hundert Jahre später konnten Besucher der Stuttgarter Retro Classics den EVEX Porsche 910 bewundern - Motorsportfans ein Begriff als legendäre Rennmaschine der Sportwagen-Weltmeisterschaft vor 50 Jahren. „Mit diesem straßentauglichen Rennwagen dürfen Sie in jede Innenstadt, und die anderen Boliden haben das Nachsehen,” sinniert Geschäftsführer Siegfried Lapawa. Die EVEX Fahrzeugbau hatte den rassig gewölbten 910 ursprünglich in den siebziger Jahren in geringer Stückzahl nachgebaut. In einer alten Halle fanden sich - als wäre die Zeit stehen geblieben - alle Komponenten, um den Porsche als Elektrorakete 910e wieder zu beleben.

Porsche Evex 910e
490 PS aus zwei Elektromotoren: Die Firma Kreisel Electric verschaffte dem Porsche 910 rund 350 Kilometer Reichweite. Foto: Kreisel Electric GmbH - Peter Scherb

Nach Mercedes jetzt ein Renner von Porsche

Der österreichische Spezialist Kreisel Electric, der bereits eine Mercedes G-Klasse unter Strom gesetzt hat, verbaute unter der alten Kunststoffkarosserie statt dem bewährten Sechszylinder zwei Elektromotoren mit zusammen 360 kW (490 PS) und 770 Nm Drehmoment, die den 1100 Kilo schweren 910e in 2,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Das Lithum-Ionen-Batteriepaket soll eine Reichweite von 350 Kilometern ermöglichen. Dass dieses Herzstück als Novum sowohl gekühlt wie auch gewärmt werden kann, muss den Fans des limitierten Sportwagens eine Million Euro wert sein.

In weniger astronomischen Höhen bewegen sich die Käfer und Bullis von VW, die David Benardos kalifornische Firma Zelectric umrüstet. Je nach Aufwand kann das den Kunden mindestens 50.000 US-Dollar kosten. An Stelle des rasselnden Boxers arbeitet dann eine E-Maschine mit 65 kW, die eine Reichweite von über 100 Kilometer erlaubt. Gerade an der Westküste genießen die Volkswagen der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre Kultstatus. Und der Umbau ist, so Benardo, der einst im Silicon Valley beschäftigt war, denkbar einfach. Denn nur der kleine Boxer muss ausgebaut werden - ansonsten war der geliebte „Bug” in seiner besten Zeit nur spartanisch ausgestattet.

Sogar die großen Hersteller selbst springen auf den Zug auf: Jaguar hat gerade einen historischen E-Type der Serie 1.5 aus dem Jahr 1968 zum Elektroauto umgebaut und auf dem "Tech Fest" in London vorgestellt. Der Jaguar E-Type Zero leistet 220 kW und schafft unter Alltagsbedingungen eine Reichweite von 270 Kilometern.

Der alte Trabant schafft 100 Kilometer Reichweite.

In Deutschland haben sich zunehmend Werkstätten auf den fachmännischen Umbau von Lieferwagen oder aktuellen Pkw zu E-Mobilen spezialisiert. Da ist es dann nur aus Spaß an der Freude ein kleiner Schritt, sich der Herausforderung eines Oldtimers zu stellen. Ostalgikern zum Trotz hat zum Beispiel der Hamburger Elektroauto-Spezialist Karabag nach einem Fiat 500 einen Trabant auf Flüsterantrieb umgerüstet. Angetrieben wird er von einem asynchronen Drehstrommotor, wie man ihn von Gabelstaplern kennt. Damit schafft er immerhin ein Drehmoment von 148 Nm und erzielt sogar eine Reichweite von 100 Kilometern.

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Trabi mit Elektromotor von Karabag
Elektropappe: Der Hamburger Elektroauto-Spezialist Karabag hat einen Trabant zum E-Auto umgerüstet. Die Firma ist inzwischen in der ReeVOLT GmbH aufgegangen. Foto: Reevolt / Karabag

Defekte Oldtimer beginnen ein zweites Leben

Beim Umbau eines historischen Porsche 912, in dessen Heck jetzt eine Elektromaschine arbeitet, kamen dem Geologen Uwe Koenzen und dem Maschinenbauer Jens Broedersdorff eine zukunftsfähige Geschäftsidee. Gerade weil es doch relativ viele Oldtimer mit defektem Antrieb gibt, bieten sie Besitzern eines Karmann Ghia oder eines betagten Porsche für bis zu 10.000 Euro Umbausätze an, mit denen beherzte Schrauber zuhause ihren Oldie elektrisch fit machen können. Auch Lorey Maschinenbau und Murschel Electric Cars bieten diesen Service an, der offensichtlich auf eine steigende Nachfrage reagiert. Als würde man jungen Wein durch alte Schläuche schicken, verjüngen sie den Antrieb nicht nur kostspieliger Marken, sondern widmen sich auch einem Opel Kadett, einem Renault R4 oder dem 2CV von Citroën.

Das Beste beider Welten: Der Chame des Altmetalls – und modernste Technik.

Die Hüter der wahren Lehre haben in den letzten Jahren schon erleben müssen, dass immer mehr Käufer nicht nur möglichst nah am Originalzustand restaurierte Klassiker schätzen, sondern durchaus die sogenannten Restomods, deren historische Karosserie modernste Technologie verbirgt. Die Umrüstung eines Oldtimers zum voll funktionsfähigen Stromer ist nur ein weiterer Schritt vor dem Hintergrund des Umdenkens in Politik und Gesellschaft. Und man hat das Beste beider Welten: den Charme des Altmetalls – unter dessen schöner Haut modernste Technik arbeitet.

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