Elektromobilität

Der ideale Kindersitz: Kinder im Auto richtig gesichert

von Peter Michaely

Smarte Autos gibt es schon, smarte Kindersitze nicht. Umso wichtiger, die Kleinen im Auto richtig unterzubringen. Mit zehn Tipps auf der sicheren Seite.

Kind im Kindersitz
Kindersitze sind für die Sicherheit der Kleinen unverzichtbar. Aber viele Eltern sind mit Richtlinien, Normen und der richtigen Befestigung nicht genug vertraut. Foto: picture alliance / Mint Images

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Hälfte aller 2016 im Straßenverkehr getöteten Kinder starb im Auto
  • Statistiken zeigen: Jeder dritte Kindersitz ist falsch montiert
  • Um Kinder richtig zu sichern, gibt es einiges zu beachten

Richtig gesichert im Straßenverkehr

Klingt doch super: Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zufolge fuhren im Jahr 2016 insgesamt 99 Prozent aller Kinder unter 12 Jahren gesichert im Auto mit. Ohne Zweifel eine Traumquote, auch wenn der smarte Kindersitz noch lange auf sich warten lässt. Doch warum starb von den 2016 im Straßenverkehr getöteten 66 Kindern unter 15 Jahren noch immer die Hälfte im Auto? Als Fußgänger kamen 41 Prozent der Kinder ums Leben, knapp acht Prozent als Fahrradfahrer.

Laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) liegt die Fehlerquote bei der Nutzung von Kinder-Rückhaltesystemen bei knapp 65 Prozent.

Ein Grund für die Diskrepanz ist, dass die Sicherungsquote nichts darüber aussagt, ob Kinder auch in einem geeigneten und korrekt verwendeten Rückhaltesystem mitfahren, also je nach Alter in einer Babywanne, auf einem Kindersitz oder einer Sitzerhöhung. Verkehrsbeobachtungen zeigten, dass 2016 allein 27 Prozent der 6- bis 12-Jährigen innerorts auf dem Beifahrersitz saßen, gesichert mit dem Gurt – und damit in der Regel falsch. 69 Prozent befanden sich in einem Rückhaltesystem. Ergibt eine Quote von vier Prozent völlig ungesicherter Kinder im Straßenverkehr. Und: Die Statistik sagt nichts darüber aus, ob es sich in jedem Einzelfall um ein geeignetes und korrekt verwendetes System gehandelt hat. Hinzu kommt ein erschreckendes Maß an Fehlbedienungen: Laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) liegt die Fehlerquote bei der Nutzung von Kinder-Rückhaltesystemen bei knapp 65 Prozent. Vor allem ausländische Mitbürger haben laut dieser Studie mit dem komplexen Thema oft Probleme.

So klappt es mit dem Kindersitz:

  • Rechtslage kennen
    In Deutschland müssen Kinder bis zu ihrem zwölften Geburtstag in einem geeigneten Rückhaltesystem gesichert sein, sofern sie kleiner als 1,50 Meter sind. Bedeutet im Umkehrschluss: Kinder, die jünger, aber bereits größer als 1,50 Meter sind, müssen nicht mehr in einem Kindersitz sitzen.
  • Prüfnormen beachten
    Zugelassen sind Rückhaltesysteme, welche die Prüfnormen ECE-R 44/04 (nach Gewicht) oder die Vorgabe ECE-R 129 (nach Größe, auch i-Size-Norm genannt, seit 2014) erfüllen. In Deutschland dürfen auch Sitze mit der Freigabe nach ECE-R 44/03 weiterverwendet werden. Aufschluss über die jeweilige Norm gibt das Prüfsiegel am Sitz. Es muss vorhanden sein.
  • Sitzarten unterscheiden
    Sogenannte Isofix-Sitze haben über zwei genormte Befestigungspunkte eine starre Verbindung zum Auto und bieten daher hohen Schutz. Zusätzlich ist ein weiterer Verankerungspunkt vorhanden: Entweder ein Stützfuß oder ein oberer Haltegurt (Top Tether genannt). Das vereinfacht die Bedienung und reduziert somit die Fehlerquote. Listen der Sitzhersteller geben darüber Auskunft, ob Sitz und Auto kompatibel sind. Praktisch: Viele Isofix-Sitze eignen sich auch für die Befestigung mit Dreipunktgurten, so dass sie in mehreren Autos verwendet werden können. i-Size-Sitze sind die weiterentwickelte Variante, bei der sich Auto- und Kindersitzhersteller auf eine gemeinsame Norm verständigt haben. Die Hersteller informieren umgekehrt im Internet darüber, ob ein Isofix-Sitz auch in ein i-Size-Auto passt.
  • Testergebnisse zu Rate ziehen
    Organisationen wie die Stiftung Warentest, der ADAC sowie Fachzeitschriften führen regelmäßig Kindersitztests durch. Informieren Sie sich also vor dem Kauf bei den unterschiedlichen Testern.
  • Vorsicht bei gebrauchten Sitzen!
    Stammen die Sitze aus sicheren Quellen? Sonst ist nicht auszuschließen, dass sie bereits beschädigt sind oder schon einen Unfall hinter sich haben. Außerdem müssen sie mindestens der Norm ECE-R 44/03 entsprechen.
  • Kind(er) beim Kauf unbedingt mitnehmen
    Das Thema Kindersitze ist komplexer, als es auf den ersten Blick aussieht. Deshalb: Nur wer den Einbau – am besten beim Fachhändler – im eigenen Auto ausprobiert, erhält eine gute Beratung und findet den passenden Sitz. Was oft unterschätzt wird: Das Kind muss sich in seinem Sitz wohlfühlen, daher ausreichend Zeit einplanen. Wichtig: Wenn der Sitz in verschiedenen Autos zum Einsatz kommen soll, muss er für alle zugelassen sein und passen. Auch später, im Alltag, müssen sich Erwachsene ausreichend Zeit nehmen, um Kinder korrekt zu sichern – auch wenn es unter Zeitdruck schnell zum Supermarkt um die Ecke geht!
  • Vorwärts oder rückwärts?
    Bei nach dem Gewicht der Kinder unterteilten Systemen gibt es insgesamt fünf Gruppen (Bis 13 kg: Klasse 0/0+; 9 bis 18 kg: Klasse I; 15 bis 25 kg: Klasse II; 22 bis 36 kg: Klasse III). Generell gilt, dass Kinder, bis sie rund drei Jahre alt sind, besser rückwärtsgerichtet sitzen, im Idealfall hinten rechts. So sind sie bei einem Frontalaufprall besser geschützt, da ihr ganzer Körper in die Sitzschale gedrückt wird. Wichtig: Beim Kauf solcher Systeme prüfen, ob die Gurte für diese Art der Befestigung lang genug sind! Bei i-Size-Systemen werden Kinder bis zum Alter von 15 Monaten rückwärtsgerichtet untergebracht. Sobald der Kopf des Kindes über den Rand der Babyschale hinausragt, ist der Wechsel in die nächste Gruppe fällig. Danach sollten Sie in die jeweils nächsthöhere Kategorie wechseln, wenn der Kopf mehr als zwei Zentimeter über den Rand der Rückenstütze ragt.
  • Beifahrerairbag bei rückwärts gerichteten Systemen abschalten
    Wenn rückwärts gerichtete Kindersitze auf dem Beifahrersitz befestigt sind, müssen Sie den Beifahrerairbag abschalten. Sonst besteht bei einem Unfall Lebensgefahr für das Kind.
  • Sitzerhöhung verwenden, wenn die Mindestgröße noch nicht erreicht ist
    Kinder, die bereits 12 sind, aber noch nicht 1,50 Meter groß, brauchen eine Sitzerhöhung (idealerweise mit Rückenstütze), damit der Gurtverlauf optimal ist. Damit der Beckengurt über dem Hüftknochen des Kindes verläuft, sollte die Sitzerhöhung Führungshörner aufweisen. Darunter fädeln Sie den Gurt ein.
  • Bedienungsanleitung lesen und Gurte straff ziehen
    Klingt trivial, bleibt aber oft auf der Strecke: die Bedienungsanleitung lesen. Außerdem sind die Gurte oft nicht richtig straff, was bei Unfällen zu einem erhöhten Verletzungsrisiko für das Kind führt.

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