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Elektromobilität

Wettrennen in der Luft: Linienflüge mit Elektromotor

von Leonie Butz

Norwegen führt auf Straße und Wasser die Elektromobilität an. Jetzt will das Land auch in der Luft Vorreiter für die Elektromotor-Entwicklung werden.

Der Elektromotor geht in die Luft
Mit dem Elektromotor abheben: Lilium ist Vorreiter bei der Entwicklung von kleinen E-Flugzeugen. Der Lilium Jet hob erstmals im April 2017 in München ab. Foto: Lilium

Das erfahren Sie gleich:

  • Norwegen kündigt jetzt an, bis 2040 auf Kurzstrecken rein elektrisch zu fliegen
  • Auch andere Unternehmen testen den Elektromotor in der Luft
  • Im Wasser hat der Umstieg auf Elektromobilität bereits begonnen

Land, Wasser, Luft: Alles wird Elektro

Auf den Straßen sind bereits Millionen von Elektroautos unterwegs – in vielen Teilen Europas und in China soll der Elektroantrieb bald alle Verbrenner ersetzen. Aber der Elektromotor wird zukünftig nicht nur auf den Straßen Einzug halten. Auch auf dem Wasser ist Elektromobilität angekommen – in der Luft soll es ebenfalls bald losgehen.

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Bereits 2016 nahm an Norwegens Ostküste die erste elektrisch betriebene Autofähre den Dienst auf. Die 80-Meter-Fähre "Ampere" schafft mit zwei Elektromotoren à 450 Kilowatt die sechs Kilometer lange Strecke über den Sognefjord in 20 Minuten. Und auch bei Containerschiffen sind die Norweger die Vorreiter. Die beiden Unternehmen Yara und Kongsberg entwickeln gerade den ersten Elektrofrachter, der 2018 auslaufen soll.

Aber auch in Deutschland ist jüngst die erste vollelektrische Autofähre vom Stapel gelaufen. Die "Sankta Maria II" hatte im Oktober 2017 ihre Jungfernfahrt in Stralsund. Ende des Jahres soll die Fähre mit Platz für sechs Autos und 45 Passagiere auf der Mosel zwischen Oberbillig in Rheinland-Pfalz und Wasserbillig in Luxemburg verkehren.

Im April 2017 startete der erste völlig autarke Katamaran seine sechsjährige Weltumrundung.

Völlig autark soll hingegen der Katamaran der beiden Franzosen Victorien Erussard und Jérôme Delafosse unterwegs sein. Die „Energy Observer“ ist ein ehemaliger Wettkampf-Katamaran, den die Segler in dreijähriger Arbeit zu einem Elektroschiff umgebaut haben. Zwei Windturbinen sowie 130 Quadratmeter Solarzellen auf dem Dach des 30 Meter langen Schiffs sorgen dafür, dass die beiden Elektromotoren genug Strom haben. Zusätzlich filtert das Schiff Wasserstoff als Energiespeicher aus dem Meer. Im April 2017 startete der erste völlig autarke Katamaran so seine sechsjährige Weltumrundung.

Land, Wasser, Luft: Alles wird Elektro
Mehr als nur elektrisch: Energy Observer ist der erste völlig autarke Katamaran mit Elektromotor. Foto: Energy Observer/ Jerémy Bidon

Der Elektromotor in der Luft

In der Luft steckt der Elektromotor noch am Anfang. Trotzdem kündigte Norwegens staatliche Fluggesellschaft Avinor jetzt an, dass alle ihre Kurzstreckenflüge ab 2040 elektrisch fliegen sollen. Mit diesem Schritt will das Unternehmen die weltweit erste rein elektrische Linienflotte in die Luft bringen, so der Chef der Fluggesellschaft Dag Falk-Petersen. Das berichtet jetzt die französische Presseagentur AFP.

Alle Flüge mit einer Dauer von bis zu eineinhalb Stunden sollen dann mit Elektromotor stattfinden. „Wenn wir unser Ziel erreicht haben, werden Flugreisen kein Problem für die Umwelt mehr darstellen“, sagt Falk-Petersen. Um dieses Ziel zu erreichen, will Avinor sehr bald einen Auftrag ausschreiben – denn 2025 sollen die ersten 19-sitzigen Passagierflugzeuge elektrisch fliegen. Bis der Umstieg auf Elektro vollends vollzogen ist, will die Fluggesellschaft sich auf Biotreibstoff und Hybride konzentrieren.

Auf Hybrid-Flugzeuge konzentriert sich derzeit auch Airbus. Gemeinsam mit Siemens will der Flugzeugbauer so bis zu 100 Passagiere mit einer Reichweite von 1000 Kilometern befördern. Und auch bei einem kleinen Passagierflugzeug des israelischen Unternehmens Eviation mischt Siemens mit: Für den Elf-Sitzer entwickelt Siemens besonders leichte Aggregate, die eine Höchstgeschwindigkeit von 444 Stundenkilometern und eine Reichweite von 1000 Kilometern möglich machen sollen. 2018 will Eviation den ersten Prototypen präsentieren, 2020 soll die industrielle Fertigung beginnen.

Und auch Boeing prescht mit eigener Risikokapital-Firma namens HorizonX in den Markt vor. Bereits 2013 investierte der größte amerikanische Flugzeughersteller in das US-Unternehmen Zunum Aero, das bereits 2019 erste kleine elektrisch betrieben Modelle vorstellen will. Hybrid-Regionalflugzeuge für 10 bis 50 Passagiere sollen später folgen. Aber nicht nur Boeing investiert in das Unternehmen: Auch die US-Billigairline JetBlue steckte Kapital in Zunum Aero. Nicht die einzige Billig-Fluglinie, die den Trend erkennt.

Auch Billig-Airlines setzen auf Elektro

Jüngst kündigte auch EasyJet an, dass das Unternehmen bei der Elektromobilität mitmischen wird. In Kooperation mit dem Start-up Wright Electric will die Billig-Airline den ersten Passagierflieger mit Elektromotor bereite in zehn Jahren in die Luft bringen. Das erste von Wright Electric entwickelte Elektroflugzeug hat zwar seinen Jungfernflug bereits hinter sich. Dabei handelt es sich aber um einen Zwei-Personen-Flieger, in dem ein einzelner Pilot 1600 Kilometer weit flog. Bis ein Elektromotor eine 150-Passagier-Maschine antreibt, wird also noch viel Zeit ins Land gehen.

Auch wenn Batterien ständig besser und leistungsstärker werden, sind noch 40 Jahre Entwicklung nötig, um Passagierflugzeuge elektrisch zu betreiben.

Die Pläne von EasyJet sind vor allem deshalb sehr ambitioniert, da bisher keine Batterie existiert, die einerseits leicht genug ist, aber andererseits genug Energie aufbringt, um ein Passagierflugzeug anzutreiben. Auch wenn Batterien ständig besser und leistungsstärker werden, schätzen Experten, dass noch knapp 40 Jahre Entwicklung nötig sind, um ein Passagierflugzeug mit reiner Elektrokraft auf Langstreckenflüge zu schicken. Denn neben Effizienz und Gewicht der Batterien benötigen auch die Flugzeuge selbst eine Überarbeitung, die sie energieeffizienter macht.

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