Elektromobilität

Der blinde Fleck autonomer Autos: An der falschen Stelle gespart

von Marten Zabel

Bei der Aufarbeitung des tödlichen Uber-Unfalls wird klar: Es wurde an den notwendigen Lidar-Sensoren gespart – das autonome Auto hatte einen blinden Fleck.

Lichtspuren eines Lkw in einem Tunnel
Das Licht der Lidar-Laser soll das autonome Auto vor einem Unfall bewahren. Bei zu wenigen Lidar-Sensoren – und somit zu wenig Licht für die Selbstfahrer – kann es jedoch zu schweren Unfällen kommen. Foto: Shutterstock / Nikifor Todorov

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Kosteneinsparungen zu einem blinden Fleck bei autonomen Uber-Autos führen
  • Weshalb ein einzelner Lidar-Sensor nicht genug ist
  • Wie Tesla mit den tödlichen Unfällen seiner teilautonomen Autos umgeht
  • Wieso die Straße als Experimentierplatz momentan ungeeignet ist

Warum Kosteneinsparungen zu einem blinden Fleck bei autonomen Uber-Autos führen

Nach dem ersten Unfall mit einem autonomen Uber-Auto, bei dem die Fußgängerin Elaine Herzberg getötet wurde, ist jetzt klar, dass die aktuellen Fahrzeuge von Uber – im Gegensatz zu ihren Vorgängern – über einen blinden Fleck verfügen. Und der ist das Resultat von Kosteneinsparungen an einer gefährlichen Stelle.

Neben Kameras, die ähnlich der menschlichen Augen die Umwelt visuell erfassen, nutzen die meisten Testprojekte Lidar. Das System tastet die Umgebung per Laser ab, um andere Verkehrsteilnehmer und Hindernisse zu erkennen – die Zukunft der Elektromobilität.

Die erste Generation von Ubers Testfahrzeugen hatte noch sieben Sensoren rund um das Auto montiert. Bei den aktuellen selbstfahrenden Autos ist es nur noch einer auf dem Dach. Das Unfallfahrzeug ist ein Volvo XC90.

Weshalb ein einzelner Lidar-Sensor nicht genug ist

In einem Statement stellt Volvo klar, dass der Unfall kein Fehler der Technik war. Im Gegensatz zu Uber haben andere Firmen aber bei ihren Testfahrzeugen nicht an den Lidar-Sensoren gespart. Waymo hat an seinen Autos je sechs der Komponenten angebracht und General Motors fünf.

Ein einzelner Lidar-Sensor auf dem Dach ist laut ehemaligen Uber-Mitarbeitern nicht ausreichend. Deren Aussagen tauchen im Bericht der US-Verkehrsbehörde auf.

In einem Radius von drei Metern um das Auto entsteht so ein blinder Fleck, da der Taststrahl ganz wie ein Radar auf einem Schiff einen Bereich hat, den er nicht erreichen kann. Vor allem kleinere Objekte wie Fußgänger, Radfahrer und Tiere übersieht der Steuerungscomputer des Fahrzeugs dadurch.

Ein Lidar-Sensor eines autonomen Ford Fusion
Die Anzahl der Lidar-Sensoren spielt eine entscheidende Rolle beim autonomen Fahren: Beim Ford Focus sind zwei Sensoren verbaut – bei anderen Herstellern bis zu fünf. Foto: Shutterstock / Ed Aldridge

Das Video des Unfalls zeigt eine Situation, die bei einem aufmerksamen menschlichen Fahrer vermutlich nicht tödlich geendet hätte. Die Frau mit dem Fahrrad ist für mehrere Sekunden gut sichtbar. Ein Fahrer hätte zumindest abgebremst und dem Aufprall so vielleicht seine tödliche Heftigkeit genommen.

Wie Tesla mit den tödlichen Unfällen seiner teilautonomen Autos umgeht

Und auch Tesla tauchte jüngst wieder negativ in den Nachrichten auf. In einem Statement zu dem tödlichen Unfall eines Model-X-Fahrers im März 2018 in Kalifornien gab das Unternehmen dem Fahrer Walter Huang die alleinige Schuld. Der Wagen fuhr ungebremst in eine Leitblanke aus Beton – er starb noch am Unfallort.

Huang hätte zuvor bereits über Fehlfunktionen des Autopiloten geklagt, heißt es in Medienberichten – und ihn trotzdem verwendet. Außerdem würde der Autopilot Warntöne einspielen, wenn der Fahrer das Steuer nicht mehr mit den Händen berühre.

Diese müsse der Fahrer wohl ignoriert haben. Das teile Tesla in einem E-Mail-Statement mit. Besonders der letzt Satz des Statements brachte die Nutzer gegen das Unternehmen auf: "Der Grund, dass andere Familien nicht im TV sind, ist, dass ihre Angehörigen noch leben".

Bereits nach einem tödlichen Unfall im Mai 2017 hatte Tesla betont, dass der Autopilot nicht für ein reines autonomen Fahren gedacht sei. Die Augen des Fahrers müssen trotzdem auf der Straße, die Hände am Lenkrad bleiben, so Tesla.

Auch der Fahrer des Model S hatte vermutlich nicht auf die Warnhinweise des im teilautonomen Modus fahrenden Autos reagiert, auf die Straße zu achten.

Die Kameras des Teslas hatten einen Lkw übersehen, weil dieser mit seiner weißen Lackierung für den Computer nicht vom Himmel zu unterscheiden war. Mit überhöhter Geschwindigkeit hatte sich der Wagen deshalb seitlich unter den Lkw geschoben.

Wieso die Straße als Experimentierplatz momentan ungeeignet ist

Die Schuldfrage bei Unfällen mit autonomen Fahrzeugen wird Ethiker und Juristen noch eine Weile beschäftigen. Experten kritisieren unterdessen die Methode, nach der die selbstfahrenden Autos auf die Straßen losgelassen werden.

Die Straßentests laufen nach keinem erkennbaren Muster ab und es gibt keine Zielsetzung für die lernfähigen KIs an Bord. Zu viele Variablen sind vorhanden und werden obendrein auch noch durch kleinteilige Änderungen an der Hardware verändert.

Langfristig dürften lernfähige Algorithmen mit leistungsfähigen Sensoren deutlich sicherer Fahren als Menschen. Unfälle wird es trotzdem geben – und genau wie beim Tod von Elaine Herzberg werden diese teils deutlich anders aussehen, als es bei menschlichen Fahrern der Fall gewesen wäre.

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Letztlich sind autonome Fahrzeuge aber vorerst wie Fahrschüler: Ihr Verhalten ist nicht immer berechenbar und könnte eine Gefahr für ihre Umgebung darstellen. In die praktische Fahrprüfung müssen sie teilweise bereits.

Damit die reale Umgebung sich aber darauf einstellen kann, sollten die Autos nach Ansicht einiger Experten besonders markiert werden – ganz wie Fahranfänger. Dann hätten Fußgänger zumindest die Chance, sich mit Bedacht und Vorsicht zu verhalten, wenn sie auf einen rollenden Computer treffen, der gerade erst lernt, die Straßen zu benutzen.

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