Leben

Der Arbeitsweg als Albtraum: Ab wann das Pendeln richtig stresst

von
Peter Michaely

Stress im Job beginnt für Berufspendler schon auf dem Arbeitsweg. Das zeigt eine Sonderauswertung zum "Glücksatlas 2018", den die Deutsche Post herausgibt.

Eine Frau im Auto telefoniert mit dem Handy in der Hand.
Multitasking auf dem Arbeitsweg funktioniert meistens nicht. Für die junge Frau im Bild hoffen wir, dass das Auto steht und der Motor aus ist. Foto: Shutterstock / michaelheim

Das erfahren Sie gleich:

  • Wann ein langer Arbeitsweg laut "Glücksatlas 2018" Berufspendler stresst
  • Welche Dauer Pendler für zumutbar halten und wann sie zufrieden sind
  • Wie Arbeitgeber zumutbare Bedingungen für Pendler schaffen können

Wirklich jede Stunde Lebenszeit zählt. Doch schon vor der Ankunft am Arbeitsplatz herrscht oft Chaos. Auch im Kopf von Pendlern. Verstopfte Straßen, genervte Fahrer, Zeitdruck. Immer mehr Menschen leiden unter der Länge ihres Arbeitswegs. Rund 60 Prozent aller Arbeitnehmer und damit über 18 Millionen Menschen pendeln in Deutschland täglich zur Arbeit.

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Betroffen sind vor allem Menschen in teuren Ballungsräumen, allen voran München, aber auch Berlin mit der höchsten Zuwachsrate. Doch was ist zumutbar und was nicht, und wann sind Pendler zufrieden?

Glücksatlas 2018: Hohe Lebenszufriedenheit

Auf dem Papier sieht zunächst alles nach heiler Welt aus. 2018 erreichte das sogenannte Glücksniveau in Deutschland laut "Glücksatlas 2018" auf einer Skala von 0 bis 10 einen Wert von 7,05 Punkten. Das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres.

So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) unter über 5000 Deutschen, die neben Daten aus dem sogenannten Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) die Grundlage für den Glücksatlas bildet. In Auftrag gibt ihn jährlich die Deutsche Post.

Vor allem die brummende Konjunktur und die damit verbundene gute Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgt bei den Deutschen für Glücksgefühle, vermuten die Macher der Studie.

In Schleswig-Holstein leben die Glücklichsten

Die Aufschlüsselung der Lebenszufriedenheit nach Bundesländern zeigt: Wer in Norddeutschland lebt, fühlt sich besonders wohl.

Lebenszufriedenheit nach Regionen

  • Platz
  • Bundesland
  • Punkte
  • 1
  • Schleswig-Holstein
  • 7,44
  • 2
  • Hamburg
  • 7,36
  • 3
  • Hessen
  • 7,27
  • 4
  • Franken
  • 7,26
  • 5
  • Nordrhein / Köln
  • 7,24
  • 6
  • Baden
  • 7,23
  • Rheinland-Pfalz / Saarland
  • 7,23
  • 8
  • Bayern (Süd)
  • 7,22
  • 9
  • Niedersachsen / Nordsee
  • 7,20
  • 10
  • Niedersachsen / Hannover
  • 7,19
  • 11
  • Nordrhein / Düsseldorf
  • 7,16
  • Württemberg
  • 7,16
  • 13
  • Westfalen
  • 7,13
  • 14
  • Thüringen
  • 7,03
  • 15
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 6,96
  • 16
  • Berlin
  • 6,94
  • 17
  • Sachsen
  • 6,91
  • 18
  • Sachsen-Anhalt
  • 6,88
  • 19
  • Brandenburg
  • 6,84

Quelle: Glücksatlas 2018

Wie stark der Arbeitsweg die Pendler stresst

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt - vor allem, wenn man zwischen den Zeilen liest. Denn im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktthemas "Arbeit und Mobilität" befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap 1002 Pendler ab 16 Jahren, wie sich das tägliche Pendeln auf ihre persönliche Arbeits- und Lebenszufriedenheit auswirkt.

Außerdem abgefragt: Was halten Pendler in diesem Zusammenhang von Elektromobilität und Homeoffice? Die Auswertung übernahm der renommierte Sozialökonom Professor Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.

Die Studie beweist: Pendeln erzeugt Stress

Glück hin oder her: Die Studie zeigt, dass Menschen, die täglich mit dem Auto oder anderen Verkehrsmitteln von ihrer Wohnung zur Arbeit fahren, häufig stark unter Stress leiden - vor allem in den Metropolregionen. 54 Prozent aller Arbeitnehmer, die täglich 40 Minuten oder länger pendeln, empfinden dies als Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Ein Massenproblem, denn mehr als jeder vierte Berufspendler ist länger als eine halbe Stunde von seiner Wohnung oder seinem Haus zur Arbeit unterwegs. Solche langen Arbeitswege kosten also nicht nur Zeit, sondern verursachen auch enormen Stress.

In zwei Reihen stehen Autos an einer Kreuzung.
Die meisten Pendler fahren mit dem Auto zur Arbeit – und brauchen dafür mehr als 30 Minuten. Foto: Shutterstock / Dmitry Kalinovsky

Was ist für Pendler auf dem Arbeitsweg zumutbar?

Eine einfache Lösung für das Problem gibt es nicht, denn die Gründe sind vielschichtig. Noch immer ist das Auto für Berufspendler das Transportmittel Nummer eins auf dem Weg zum Arbeitsplatz.

Meistgenutzte Verkehrsmittel von Pendlern

  • Platz
  • Verkehrsmittel
  • Prozent
  • 1
  • Auto
  • 68
  • 2
  • Öffentliche Verkehsmittel
  • 14
  • 3
  • Fahrrad
  • 9
  • 4
  • zu Fuß
  • 8

Quelle: Glücksatlas 2018

Wie sieht die Zukunft aus?

Das Dilemma: Die Zahlen des "Glücksatlas 2018" belegen, dass es an nachhaltigen Mobilitätsangeboten wie Carsharing-Diensten mangelt. 63 Prozent der Befragten befürworten sie, im Fall der 16- bis 24-Jährigen sind es sogar 76 Prozent. 68 Prozent könnten sich beispielsweise vorstellen, ihren Arbeitsweg mit dem Elektroauto zurückzulegen.

Doch grau ist alle Theorie: Absichtserklärungen sind noch lange keine Garantie für eine Wende im Mobilitätsverhalten. Ob es tatsächlich zum Umdenken kommt, wenn neue Angebote zur Verfügung stehen, bleibt abzuwarten.

Wie kann Arbeitszeit sinnvoll genutzt werden?

Um die Stunden, die im Laufe der Zeit beim Pendeln verloren gehen, aufzufangen, sind neue Wege gefragt. Beispiel Homeoffice:

  • 26 Prozent der Deutschen arbeiten ab und zu im Homeoffice
  • 84 Prozent der Homeoffice-Nutzer sind überzeugt davon, dass die Auswirkungen auf ihre Lebensqualität positiv sind.
  • 74 Prozent der Arbeitnehmer haben Homeoffice noch nie ausprobiert

Diese 74 Prozent nehmen lieber den stressigen Weg zur Arbeit in Kauf, als die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben und den sozialen Kontakt mit Kollegen zu opfern. In 30 Prozent der Fälle glauben sie aber auch, dass ihr Arbeitgeber die Homeoffice-Lösung ohnehin nicht gutheißen würde.

Ein Mann sitzt mit einem Laptop am Küchentisch.
Homeoffice kann eine Lösung gegen das Pendlerleid sein. Bisher arbeiten aber weniger als ein Drittel der Deutschen von zuhause. Foto: Shutterstock / Halfpoint

Auch Arbeitgeber sind in der Pflicht

Leben und leben lassen: Wer seinen Job zuhause erledigt und nicht zur Arbeit fährt, ist auf die Unterstützung seines Arbeitgebers angewiesen. Denn der Arbeitgeber muss die nötigen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Hier hapert es noch. Deutlich weniger als die Hälfte aller Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit zuhause verbringen könnten, erhält die notwendige technische Ausstattung.

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Ein Dilemma, denn Prof. Raffelhüschen ist sich sicher: "Wer selbstbestimmt arbeiten kann, ist zufriedener als jemand, der nach der Stechuhr arbeiten muss."

Lesen Sie weiter: Auch das Karriereportal "Stepstone" hat die Zufriedenheit von Pendlern untersucht.

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