Technik

Dem El-Niño-Phänomen auf der Spur – mit autonomen Segeldrohnen

von Paul Bandelin

Autonome Segelboote des Start-ups Saildrone Inc. sollen nach wie vor undurchsichtige Meeresströmungen erforschen – und Phänomene wie El Niño untersuchen.

Eine Saildrone in stürmischer See, um sie herum nur Meer
Die Saildrone auf hoher See: Anders als herkömmliche Bojen soll die smarte Drohne auch bei stürmischer See stabil arbeiten – und so verlässliche Daten zur Meeresströmung oder dem El-Niño-Phänomen liefern. Foto: Saildrone

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie eine Drohne bei der Untersuchung der Meeresströmungen helfen kann
  • Warum die Saildrone ein Schlüssel zum Ergründen des El-Niño-Phänomens sein könnte
  • Wie auch die Fischerei von den Forschungen der Saildrones profitieren könnte

Den Meeresströmungen auf der Spur

In Kooperation mit der amerikanischen Wetter und Ozeanografiebehörde NOAA hat das amerikanische Start-up Saildrone Inc. ein autonomes Segelboot namens Saildrone entwickelt, das künftig Überwachungs-Bojen ersetzen und ein detaillierteres Bild der Meeresströmungen zeichnen kann.

Das ambitionierte Projekt leiten der Amerikaner Richard Jenkins und der Belgier Sebastien de Halleux. Sie schicken Segeldrohnen in den Pazifik, um diesen zu überwachen und zu untersuchen.

Die über eine App gesteuerten und somit unbemannten autonomen Segelboote nennen sich auch Saildrones. Sie haben einen etwa sieben Meter langen Unterbau. Darauf ist eine fünf Meter hohe segelähnliche Konstruktion befestigt, die teilweise aus Solarpanelen besteht.

Bei einem Gewicht von rund 300 Kilogramm können sie zwischen sechs und zwölf Monaten auf dem Meer verbleiben. Geringere Instandhaltungskosten und exakte Bilder dank Sensoren bieten außerdem Vorteile gegenüber herkömmlichen Bojen.

Besonders in Stürmen geraten klassische Bojen häufig unter schwer manövrierbare Schiffe – ein jährlicher Schaden in Millionenhöhe. Die Technik der Saildrones kann hingegen aktiv ausweichen.

Zwei Saildrones auf dem Meer, die einem Surfbrett ohne Surfer ähneln
Wo ist denn der Surfer abgeblieben? Nein, das sind keine autonomen Surfbretter: Die Saildrones sehen futuristisch aus und können neben der Meeresforschung auch der Fischerei dienlich sein. Foto: Saildrone

Die Saildrones sammeln Daten über Meeresströmungen, Windgeschwindigkeiten, Temperaturänderungen, die derzeitige Luftfeuchtigkeit oder die Wellenhöhe. Zudem messen sie den Salzgehalt sowie den Kohlenstoffdioxidgehalt.

Die Daten übertragen sie in Echtzeit auf die Steuerungs-App. Drohnen für den Umweltschutz, das ist keine neue Idee, aber das Konzept funktioniert. Das zeigen zum Beispiel Drohnen, die in Brasilien Wälder aufforsten.

Entschlüsselung des El-Niño-Phänomens

Eine der Hauptaufgaben der Saildrones soll es in Zukunft sein, die bislang noch undurchsichtigen Klimaschwankungen im äquatorialen Pazifik zu untersuchen – die sogenannten El-Niño-Strömungen.

Dazu schicken die Entwickler die Drohnen zum Geburtsort der Anomalien, dem äquatorialen Pazifik. Dort sollen sie in den nächsten Monaten eine Vielzahl von Daten über die Entstehung des Phänomens sammeln.

El Niño sorgt in äquatorialen Breitengraden immer wieder für unberechenbare Wasserzirkulationen. Mit einem besseren Verständnis des Phänomens durch die Saildrones, ließen sich resultierende Katastrophen eindämmen. Dazu zählen unter anderen das unkontrollierte Massensterben von Meerestieren, Seevögeln und Korallen. Aber auch zu enormen wirtschaftlichen Schäden.

Auswirkungen auf die Fischerei

Ein weiterer Plan des NOAA und der Macher ist es, demnächst eine ganze Flotte der Saildrones auf die Weltmeere zu schicken. Mit umfassenden Informationen über die Fischbestände etwa, ließe sich eine Fangquoten ermitteln.

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Die Drohnen lassen sich außerdem darauf programmieren, einem Tier über einen längeren Zeitraum hinweg zu folgen. So könnten die Forscher beispielsweise wichtige Informationen zum Fressverhalten ausgesuchter Spezies erhalten und mehr über das Verhalten der Meerestiere lernen. Auch für die Fischerei böte das einen großen Gewinn.

Auch die staatliche Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung, CSIRO, arbeitet mit Saildrone Inc. zusammen und lässt seit Januar 2018 die Gewässer vor Melbourne untersuchen.

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