Elektromobilität

Delbrück: Kleinod der deutschen Elektromobilität

von
Thomas Pitscheneder

In der Nähe von Paderborn liegt das lauschige Delbrück. Rund um die Stadt gibt es schöne Landschaften – und den Sportwagenhersteller Artega.

Designer von Artega bei der Arbeit
Bei der Firma Artega entstehen sportliche Autos mit Elektroantrieb. Das Unternehmen ist tief in Delbrück verwurzelt. Foto: Artega

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo dieses Delbrück eigentlich liegt
  • Welche Firmen dort an der Zukunft des Verkehrs arbeiten
  • Warum eines der günstigen Elektroautos bald aus dem Delbrücker Land kommen könnte

Zwischen Paderborn und Gütersloh in Nordrhein-Westfalen liegt ein kleines Örtchen namens Delbrück. Rund 32.000 Menschen leben dort im Kreis Paderborn auf einer Fläche von 157,28 Quadratkilometern. Das mag verschlafen klingen, ist jedoch viel moderner als sich erahnen lässt. Dafür sorgen in erster Linie zwei Unternehmen, die sich mit dem Thema Elektromobilität beschäftigen.

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Genauer geht es um die in Westenholz ansässige Paragon AG und den Autobauer Artega. Die Firmen schaffen vor Ort nicht nur zahlreiche neue Arbeitsplätze, sondern rücken Delbrück auch immer wieder ins große Scheinwerferlicht. Doch was hat es damit auf sich?

Paragon AG: Aufstrebendes Unternehmen aus Delbrück

Auf eine lange Firmengeschichte kann die Paragon AG noch nicht zurückblicken. Im Jahr 1988 gegründet, ist sie heute nur 30 Jahre alt. Doch offenbar erwischte das Unternehmen einen sehr günstigen Zeitpunkt für den Einstieg in die Fertigung von Elektronik. Ein zweiter Standort ließ deshalb nicht lange auf sich warten: 1991 kaufte Paragon das Robotron-Werk in Zella-Mehlis.

Dort fertigte das Unternehmen unter anderem Luftgütesensoren für Autos, die 1995 erstmals zum Einsatz kamen. Das Geschäft lief so gut, dass Paragon 2003 sogar die entsprechende Sparte von Bosch übernahm. In den folgenden Jahren kam es zu einer zunehmenden Spezialisierung auf Fahrzeugtechnik. Dazu gehören etwa Mediasysteme für Autos und Anzeigeelemente. Seit 2010 konzentriert sich Paragon vollständig auf den Bereich Automotive und fungiert entsprechend als Zulieferer für die Industrie.

Vor rund sieben Jahren erstellte die Firma einen Baukasten für Elektromobilität, seit fünf Jahren baut Paragon eigene Batteriepacks für Elektroautos in Delbrück. Um den steigenden Anforderungen zu begegnen, gliederte Paragon die Sparte 2014 in eine eigene Firma aus.

Voltabox: Firma für E-Mobilität gegründet

Die Produktion von Batteriesystemen ist komplex, zumal der Bedarf stetig wächst. Große Konzerne wie Daimler und Volkswagen planen deshalb etwa eine eigene Fertigung. Um sich für die Zukunft zu rüsten, zog Paragon deshalb Experten in die neue Firma und heuerte neue Mitarbeiter mit Know-How an. Hauptsitz ist weiterhin Delbrück, wo auf 2000 Quadratmetern Batterien auf Lithium-Ionen-Basis entstehen. Sie kommen etwa in Mildhybrid-Systemen zum Einsatz.

Die Forschung und Entwicklung erfolgt zudem an einem neuen Standort in Aachen, den Vertrieb der Batterien in Nordamerika übernimmt eine Niederlassung in Austin, Texas. Wie wichtig dieser Markt ist, zeigte auch der Besuch von Paragon und der Tochter Voltabox auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Dort stellten die Unternehmen neue Akkus für E-Bikes vor. Auch eine Starter-Batterie für Motorräder hatte Voltabox aus dem Delbrücker Land im Gepäck.

Vor der ausgegründeten Firma hatte die Paragon AG auch bei einem Automobilhersteller die Finger im Spiel. Natürlich sitzt auch dieser in der Stadt Delbrück, nahe Paderborn.

Artega: Sportwagen und E-Autos aus Delbrück

Um die eigene Fahrzeugtechnik zu testen und sich ganz nebenbei noch ein zweites Standbein aufzubauen, gründete der Elektronikhersteller im Jahr 2006 die Marke Artega. Drei Jahre arbeitete die junge Firma an ihrem Erstlingswerk. Im Mai 2009 lieferte die Marke den Sportwagen Artega GT aus. Der kam mit einem Benziner, der aus 3,6 Liter Hubraum 220 kW Leistung generierte. Von Elektromobilität war damals bei Artega noch nichts zu spüren.

Erst auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2011 stellte die Firma den Artega GT als Elektroauto vor. Danach war es allerdings wieder lange Still um das Konzept. Der Grund war eine Insolvenz des Unternehmens im Jahr 2012. Darauf folgte der Ausstieg der Paragon AG und die Neugründung als Artega GmbH. Den Posten als Geschäftsführer hat noch immer Paragon-Chef Klaus Dieter Frers inne.

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Vier Jahre später gab es dann das Modell Artega Scalo zu sehen. Der Stromer sollte es auf 300 kW Systemleistung aus zwei Elektromotoren bringen. Eine Serienfertigung gab es nicht, stattdessen baute die Marke das Auto nur auf Bestellung – ab rund 170.000 Euro. Auf dem Genfer Autosalon 2017 gab es den Supersportwagen Artega Scalo Superelletra zu sehen. Der basiert im Grunde auf dem elektrischen Artega GT, allerdings mit satten 750 kW aus vier Elektromotoren.

Artega soll in Delbrück auch günstige Stromer produzieren

Der Elektro-Sportwagen Scalo Superelletra dürfte erneut in nur schwer bezahlbaren Regionen angesiedelt sein. Doch Artega will auch günstige Fahrzeuge bauen. Dafür sicherte sich die Marke die Rechte am Microlino von Micro Mobility Systems und dem Micro-Stromer Tazzari – wie Microlino im Dezember 2018 bekannt gab. Das erste Fahrzeug aus dem Microlino-Projekt wird somit in Delbrück produziert.

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