Elektromobilität

Flettner-Rotor kommt jetzt auch bei Maersk Tankers zum Einsatz

von Carsten Fischer

Ein finnisches Ingenieurbüro kam auf die Idee, den ausgedienten Flettner-Rotor wieder in Mode zu bringen – auch Maersk Tankers fahren jetzt damit.

Die Viking Grace.
Mit Windenergie unterwegs: Die Viking Grace. Foto: Viking Line

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich eine Fähre den Flettner-Rotor und den Magnus-Effekt zunutze macht
  • Wie Finnland mit der Viking Grace das Segelschiff wiederentdeckt
  • Warum Dekarbonisierung das große Ziel ist – besonders in der Schifffahrt

Zwischen der schwedischen Hauptstadt Stockholm und der westfinnischen Hafenstadt Turku verkehrt die Personenfähre „Viking Grace“ von der finnischen Viking Line-Reederei. Um Treibstoff zu sparen und die CO2-Emissionen zu reduzieren, setzen die Finnen eine knapp 100 Jahre alte technische Finesse ein – den Flettner-Rotor.

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Dieses in Vergessenheit geratene Antriebsprinzip heißt nach seinem Erfinder Anton Flettner. Der Frankfurter Ingenieur entwickelte den Antrieb mit besonders gutem Wirkungsgrad in den 1920er Jahren – Windantrieb statt Diesel oder Elektro. In Zukunft sollen noch mehr Schiffe damit fahren.

Maersk Tankers setzt auf Flettner-Rotoren

Auch in Japan scheint die Technik gefallen zu finden. Das macht zumindest das Unternehmen Mitsui & Co deutlich. Es hält seit 2017 die Mehrheit an Maersk Tankers. Die Firma mit dem Stern als Logo ist auch hierzulande sehr bekannt – die Schiffe tauchen oft in deutschen Häfen auf.

Vielleicht auch die Maersk Pelican, die ab sofort mit Flettner-Rotoren ausgestattet ist. Eine erste Testfahrt startete vom Hafen Rotterdam aus. Die Pelican allerdings nur ein Vorreiter sein, denn die Japaner planen Säulen auch auf weiteren Tankern. Das soll in erster Linie Geld sparen, denn Treibstoff ist teuer.

Flettner-Rotor mit Magnus-Effekts für finnisches Fährschiff

Die Funktionsweise ist simpel und macht sich den Magnus-Effekt zunutze. Dabei bläst Wind gegen einen rotierenden Zylinder, wodurch dieser dort beschleunigt, wo Drehsinnrichtung des Zylinders und Windrichtung zusammenkommen. Auf der gegenüberliegenden Zylinderseite wird er abgebremst und strömt somit langsamer.

Dadurch entstehen ein Unterdruck auf der einen Seite des Zylinders und ein Überdruck auf der gegenüberliegenden Seite. Daraus resultiert in der Summe eine quer zur Luftströmung wirkende Ablenkungskraft. Ein so angetriebenes Schiff muss im Wind kreuzen, da es mit dem Flettner-Rotor nicht einfach geradeaus fahren kann.

Der über 20 Meter hohe und im Durchmesser vier Meter starke Flettner-Rotor ist auf dem hinteren Bereich der Fähre montiert und schafft laut Riski ein Maximum von 225 Umdrehungen pro Minute.

Finnische Fähre segelt effizient

Tuomas Riski, Geschäftsführer von Norsepower, kam 2012 während eines Gesprächs mit einem befreundeten Architekten auf die Idee, den Flettner-Rotor wiederzubeleben. In der Viking Grace arbeitet er vollautomatisch und schaltet sich zusätzlich zur Schiffsmaschine ein, wenn Windstärke und Windrichtung stimmen.

Ersten Schätzungen zufolge wird der 24 Meter hohe Rotor der Fähre so pro Jahr rund 300 Tonnen Treibstoff einsparen und die CO2-Emissionen um bis zu 900 Tonnen reduzieren.

Mit Blick auf das Jahr 2020 wird die Schifffahrt einer der größten Emittenten sein, wenn wir nichts unternehmen.

Andrew Scott, Projektleiter beim britischen Energy Technologies Institute

Wie hoch die Kosten für den Anfang 2018 durchgeführten Umbau genau sind, dazu machte die Reederei keine Angaben. Fakt ist aber, durch den LNG-Antrieb (Flüssigerdgas) und den auf dem obersten Deck montierten Rotor ist die Viking Grace nicht nur eine der umweltfreundlichsten Fähren weltweit, sondern auch das erste Hybridschiff mit LNG/Wind-Antrieb.

Dekarbonisierung ist das große Ziel

Täglich fährt die 218 Meter lange Fähre durch die Ostsee und kann dabei bis zu 2800 Passagiere transportieren. Klar, dass da Massen an CO2 entstehen. Weltweit steht die Schiffsindustrie in der Kritik. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent der global beförderten Güter – Tendenz steigend – sind die hohen Emissionen der vielen Containerschiffe ein gewichtiger Faktor im Klimawandel.

Daher werden die Rufe nach einer fortschreitenden Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs laut. Besonders in Hamburg, wo die ersten Dieselfahrverbote bereits ausgesprochen wurden, ist die Empörung über die Schiffe groß.

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Norsepower hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese Mission tatkräftig und mit Innovationen zu unterstützen. Das Unternehmen plant, die Kraftstoff sparenden mechanischen Segel in die Decks der riesigen Tanker einzubauen, die heute die Meere durchstreifen.

Tuomas Riskis Segel ist aber nur eine von vielen Entwicklungen, die dabei helfen sollen, die Schifffahrt zu revolutionieren und gleichzeitig sauberer zu machen. Darüber hinaus hat Viking Line bereits die nächsten beiden umweltfreundlichen Schiffe in der Pipeline, die derzeit in China gefertigt werden. Elektrische Frachter hat das Land sogar bereits zu Wasser gelassen.

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