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Technik

Defekte Geräte: Gesetz gegen geplante Obsoleszenz

von Carola Franzke

US-Bundesstaat Washington will gegen geplante Obsoleszenz vorgehen und das Recht zur Reparatur einführen. Apple und andere Hersteller rufen zum Widerstand.

XBox-Controller in Einzelteilen
Ist die Elektronik erst einmal kaputt, landet sie um Müll? Das soll sich mit einem Gesetz für das "Recht zur Reparatur" bald ändern. Foto: Unsplash/Sean Whelan

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Debatte um ein Gesetz gegen geplante Obsoleszenz ist in den USA wieder aufgeflammt
  • Eine Gesetzesvorlage sieht ein „Recht zur Reparatur“ und Zugang zu Ersatzteilen vor – so könnte man das Handy selbst reparieren
  • Bei vielen Handys lässt sich der Akku nicht wechseln, sondern ist fest eingebaut

Geplante Obsoleszenz: Mythos oder Ärgernis?

Die Waschmaschine gerade aus der Garantie und dann kaputt; das Handy eigentlich noch prima in Ordnung, nur der Akku ist nach einem halben Tag platt: Das Stichwort dazu heißt „geplante Obsoleszenz“, also geplante Veraltung, und hat wohl in jedem Haushalt schon mal zu erbosten Diskussionen geführt. Teuer reparieren lassen oder noch teurer neu anschaffen? Und immer der Gedanke, dass das doch kein Zufall sein kann.

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Apples Akku-Problem heizt Diskussionen an

Die Hersteller der betreffenden Geräte weisen die Unterstellungen der geplante Obsoleszenz üblicherweise von sich, dass der Produktlebenszyklus ein geplantes Ende hat. Im Falle von Smartphones müssen sie sich in den USA allerdings warm anziehen, denn es gibt eine Gesetzesvorlage zum Recht auf Reparatur. Ein entsprechender Entwurf wurde schon 2017 in insgesamt acht Bundesstaaten vorgelegt, aber nun ist die Diskussion zur geplanten Obsoleszenz neu entflammt. Anlass sind die Akkus in alteniPhones: Apple musste einräumen, dass in älteren iPhones die Leistung gedrosselt wird. Angeblich wird mit der Drosselung verhindert, dass sich die iPhones bei Akkus mit geschwächter Kapazität einfach abschalten. Im US-Bundesstaat wird die Gesetzesvorlage nun mit einem Zusatz über den Austausch von Akkus neu diskutiert.

Handy selbst reparieren – Fehlanzeige

Das Problem betrifft nicht nur Apple allein: Bei den meisten Herstellern ist es gängige Praxis, dass die Smartphone-Akkus fest verbaut sind und nicht einfach ausgetauscht werden können. Verhindert wird das durch den verwendeten Kleber und durch gekapselte Gehäuse, die sich entweder gar nicht zerstörungsfrei öffnen lassen, oder nur mit spezieller Anleitung und besonderem Werkzeug.

Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass die Hersteller Originalersatzteile an unabhängige Werkstätten und an Endkunden verkaufen müssen.

So wird verhindert, dass Konsumenten ihr Handy selbst reparieren oder mit dem Gerät in eine günstige freie Werkstatt gehen können. Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass die Hersteller Originalersatzteile an unabhängige Werkstätten und an Endkunden verkaufen müssen. Zudem sollen sie verpflichtet werden, bisher nicht veröffentlichte Diagnose- und Reparaturanleitungen herauszugeben.

Hersteller formieren sich zum Widerstand

Schon bei der ersten Vorlage in 2017 hatten Apple und weitere Hersteller sich zum Widerstand gegen das geplante Gesetz zusammengeschlossen. Ihr Argument lautet, dass nur eigene oder autorisierte Fachwerkstätten garantieren können, dass eine Reparatur ordnungsgemäß und mit Originalteilen durchgeführt wird. Insbesondere bei den Akkus heißt es laut Apple, bei unsachgemäßer Reparatur bestünde die Gefahr, das Gerät in Brand zu setzen. Auch andere Hersteller schließen sich der Warnung an und sprechen von Gefahren für Geräte und Nutzer.

Smartphone mit leerem Akku
Der defekte Akku veranlasste Nutzer früher, sich einen neuen Akku zu besorgen. Mit verbauten Akkus ist der Wechsel meist so teuer wie ein neues Gerät. Foto: Unsplash/rawpixel.com

Nicht einfach selbst den Handy-Akku wechseln

Tatsächlich ist an der Argumentation der Hersteller in Sachen Akku etwas dran – man muss nur an Samsungs Rückruf-Aktionen für das Galaxy Note 7 und das Note 4 denken, weil jeweils Brand- und Explosionsgefahr bestand. Insbesondere das Note 4 stimmt nachdenklich: An der Rückruf-Aktion waren nämlich gefälschte Akkus schuld. Warnungen sind daher nicht aus der Luft gegriffen, und man sollte nicht ohne weiteres selbst versuchen, den Handy-Akku zu wechseln. Im Zweifelsfall kann das gefährlich werden.

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Das Gesetz zum Akku-Wechel bei Elektrogeräten klingt eindeutig, ist aber Auslegungssache.

Hier in Deutschland sollte das Elektro- und Elektronikgerätegesetz, kurz ElektroG, dieses Thema regeln: In §4 scheint geregelt, dass es keine fest verbauten Akkus geben dürfte, sofern es sich nicht um „Konstruktionsmerkmale“ handelt, die „rechtlich vorgeschrieben“ sind. Absatz 1 enthält die Vorgabe: „Elektro- und Elektronikgeräte (...) sind möglichst so zu gestalten, dass Altbatterien und Altakkumulatoren durch Endnutzer problemlos entnommen werden können.“ Klingt eindeutig, ist aber leider Auslegungssache. Die gängige Interpretation lautet, dass nirgendwo von zerstörungsfreier Entnahme während der Nutzung die Rede ist. Sprich: wenn das Gerät ausgedient hat, ist es dem Gesetzgeber zufolge egal, ob es bei der Entnahme des Akkus kaputt geht.

Ein Ärgernis, mit dem sich Umwelt- und Verbraucherschützer gern befassen könnten.

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