Elektromobilität

Das Rennrad knackt immer neue Geschwindigkeitsrekorde

von Ji-Hun Kim

Von wegen langsam: Extreme Rennräder fahren schneller als so manche Autos. Lesen Sie doch mal, welche Rekorde Hochleistungsräder schon aufgestellt haben.

Das Rennrad als High-Tech-Maschine
Wer mit dem Rennrad einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen knackt, der hat sich danach eine Verschnaufpause redlich verdient. Foto: CC0: Unsplash/Beau Runsten

Das erfahren Sie gleich:

  • Extremsportler erreichen auf dem Rennrad über 200 km/h
  • Downhill mit 210 km/h auf einem Serien-Mountainbike
  • Das S-Pedelec erlaubt starke Beschleunigung auch in der Stadt

Das Rennrad als High-Tech-Maschine

Als im Jahr 1817 der badische Erfinder Karl Freiherr von Drais mit seiner Laufmaschine, später Draisine genannt, den Vorläufer des Fahrrads erfand, war das Reisetempo noch ziemlich gemächlich. Heute, 200 Jahre später, sind Fahrräder zu High-Tech-Maschinen geworden, die Geschwindigkeiten erreichen, an die Drais wohl in seinen kühnsten Erfinderträumen nicht gedacht hat.

Durch Computer errechnete Aerodynamik, hochwertige Carbonfaser-Konstruktionen und Ingenieurskunst des 21. Jahrhunderts erzielen heute Höchstgeschwindigkeiten, die sich durchaus mit motorbetriebenen Autos messen können. Einmal im Jahr treffen sich daher in der Nähe des amerikanischen Battle Mountain/Nevada Rennteams aus aller Welt, um sich bei der World Human Powered Speed Challenge zu messen. Im vergangenen Jahr stellte Todd Reichert mit dem kanadischen Team AeroVelo einen neuen Weltrekord auf. 144,17 km/h wurden auf der geraden Landstraße gemessen.

Das Rennvehikel Eta erinnert mit seiner windschnittigen Außenhülle eher an eine Kampfjet-Pilotenkanzel als an ein Fahrrad; Partner wie die University of Toronto und das Tech-Unternehmen Google untermauern unterdessen aber den Anspruch, dass es hierbei um mehr geht als nur eine spleenige Spielerei kleiner Hobby-Teams. „Welche Rolle werden pedalbetriebene Carbonkapseln wie das Eta für die Mobilität der Zukunft spielen?“, lautet eine der Kernfragen bei diesem seit 17 Jahren ausgetragenen Wettbewerb.

So altbewährt die Fortbewegung mit dem Fahrrad auch sein mag, sie kommt nicht aus der Mode.

Fahrräder sind so vielseitig wie kaum ein anderes Vehikel. Vom BMX, Mountainbike, Rennrad, Fixie, Tourenrad, Cargo Bikes, mit denen man Kinder durch die Stadt chauffieren kann, bis hin zu neuen E-Bikes, die mit elektrischen Motoren und modernen Technologien ausgestattet sind, wie man sie auch von Autobauern wie Tesla kennt. Denn so altbewährt die Fortbewegung mit dem Fahrrad auch sein mag, sie kommt nicht aus der Mode. Ganz im Gegenteil: urbane Entwicklungen, nachhaltiges Umdenken und neue Anforderungen an Mobilität machen das Fahrrad heute wieder zu einem der hoffnungsvollsten Fortbewegungsmittel für eine grüne, ökologische und CO2-neutrale Zukunft.

Das Rennrad knackt immer neue Geschwindigkeitsrekorde
Sieht schon schnell aus, geht aber noch schneller: Extremsportler erzielen mit dem Rennrad unfassbare Geschwindigkeiten. Foto: CC0: Unsplash/OSCAR AGUILAR

Downhill mit über 210 km/h

So divers Fahrräder sind, so vielseitig sind auch die Versuche an Geschwindigkeitsrekorden, die Technik-Fans und Fahrrad-Enthusiasten auf der ganzen Welt begeistern. Die Amerikanerin Denise Mueller darf sich seit einem Jahr die schnellste Frau auf einem Fahrrad nennen. In den Bonneville Salt Flats in Utah erreichte sie mit einer Spezialanfertigung auf der glatten Salzwüste eine Geschwindigkeit von 236,57 km/h.

Anders als Todd Reichert bekam Mueller indes Starthilfe von einem Auto. Sie wurde zunächst auf eine Geschwindigkeit von rund 140 km/h gezogen und beschleunigte dann mit Muskelkraft im Windschatten des getunten Range Rover auf die 236,57 km/h. Trotz der technischen Hilfsmittel bleibt aber auch das eine gefährliche und anspruchsvolle Angelegenheit: „Der Windschatten ist eng; wenn bei einer Geschwindigkeit von über 200 km/h dieser auch nur kurz verlassen wird, würde der Wind mich sprichwörtlich vom Fahrrad treten“, so die Sportlerin.

Ebenfalls nicht ungefährlich sind Geschwindigkeitsrekorde bei rasanten Bergabfahrten, dem sogenannten Downhill. In dieser Disziplin definiert der Österreicher Markus Stöckl die Messlatte, wenn es um Höchstgeschwindigkeiten geht, die von ihm beeindruckenderweise auf einem handelsüblichen Serien-Mountainbike absolviert werden. Dieses Jahr erreichte er bei einer Vulkanabfahrt in der Atacamawüste die Top-Geschwindigkeit von 167,6 km/h. Seit zehn Jahren ungebrochen ist sein Rekord auf Schnee mit 210,4 km/h.

Das S-Pedelec hängt alle ab

Ohne Zweifel handelt es sich bei diesen Geschwindigkeiten um keine, die im Alltag in der Stadt eine relevante Rolle spielen würden. Allerdings zeigen diese Beispiele, dass auch das Konzept des Fahrrads sich ständig weiterentwickelt. Gerade beim Thema E-Bike gibt es derzeit spannende Entwicklungen. Mit der Unterstützung von E-Motoren kann ein S-Pedelec wie das Specialized Turbo S heute schon an der Ampel schneller beschleunigen als ein Sportwagen. Zwar nur bis zu einer Geschwindigkeit von rund 20 km/h; aber in Ballungsräumen und Großstädten wird zur Rush-Hour auch in Autos selten ein höheres Tempo erreicht. Mountainbikes wie das Stealth Electric Bike versprechen gar bis zu 80 km/h Höchstgeschwindigkeit.

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Wie bei E-Autos auch, befindet man sich aber erst noch in der Anfangsphase. Leistungsstärkere und leichtere Batterien, effizientere Motoren und die ständige Beeinflussung durch digitale Technologiebranche lassen Kreative und Start-ups interessante Fortbewegungsmittel erfinden. Der Outrider beispielsweise ist ein Liegedreirad mit E-Motor und brachialem Mad-Max-Design, das so vor 15 Jahren unvorstellbar gewesen wäre.

Dass man also irgendwann mit leisen, regensicheren, windschnittigen E-Bike-Kapseln statt im Auto zur Arbeit fährt, erscheint daher alles andere als verrückt, wahrscheinlich ist es nur logisch und konsequent.

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