Abonnieren Sie kostenlos unsere Updates zum Thema Elektromobilität

Anmelden

Elektromobilität

Das Luftschiff kehrt zurück: Nicht nur Frankreich hat große Pläne

von Marten Zabel

Das Luftschiff könnte schon bald eine Renaissance erleben. Neben Flying Whales in Frankreich steht eine ganze Reihe weiterer Projekte in den Startlöchern.

Das Luftschiff Airlander von Hybrid Air Vehicles in der Luft; im Hintergrund sind Wolken zu sehen.
England, USA, Kanada: Derzeit arbeiten Unternehmen in unterschiedlichsten Ländern an eigenen Zeppelinen. Das Luftschiff Airlander von Hybrid Air Vehicles beispielsweise entsteht in England. Foto: Hybrid Air Vehicles

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie in Frankreich das Luftschiff zurückkehren soll
  • Welche Projekte in Sachen Lufttransport es sonst noch gibt
  • Was sich beim Antrieb seit 1937 getan hat
  • Wie die Giganten Luftfracht in entlegene Gebiete bringen sollen

Wie in Frankreich das Luftschiff zurückkehren soll

Für Fans von Luftschiffen gibt es in Frankreich einen neuen Hoffnungsträger. Denn Flying Whales will mit Frachtzeppelinen in naher Zukunft Holz und Bauteile für Windräder leise, elektrisch und umweltschonend durch die Luft transportieren.

Weitergedacht

Nachhaltige Mobilität – wie geht das?

Mehr erfahren bei Audi

Dafür entwickelt das Unternehmen nahe Paris derzeit ein Luftschiff von 150 Metern Länge. Die Frachtkapazität beträgt bis zu 60 Tonnen – per Seilwinde lässt sich die Fracht aus der Luft be- und entladen.

In den vergangenen Jahren arbeiten immer mehr Akteure an der Wiederauferstehung des Luftschiffs. Im Jahr 2002 ging das deutsche Start-up Cargolifter spektakulär pleite und hinterließ mitten in Brandenburg die größte freistehende Halle der Welt, in der sich heute ein Erlebnisbad befindet.

Die Pläne von Flying Whales unter CEO Sébastien Bougon sehen ein ähnliches Konzept des fliegenden Krans mit Heliumbefüllung vor. Aber Flying Whales ist nicht die einzige Firma, die derzeit versucht, das Luftschiff wieder an den Himmel zu bringen – und so einen Teil zur Verbreitung der Elektromobilität in der Luft beizutragen.

Das Luftschiff Airlander von Hybrid Air Vehicles am Himmel.
Mit seiner aerodynamischen Form ist das Luftschiff Airlander schneller als gewöhnliche Zeppeline – derzeit ist es jedoch nicht in der Luft unterwegs. Foto: Hybrid Air Vehicles

Welche Projekte in Sachen Lufttransport es sonst noch gibt

Der Airlander von Hybrid Air Vehicles in England ist ein Hybridluftschiff. Einen Teil seines Auftriebs nimmt es aus seiner aerodynamischen Form. Damit ist es schneller als ein herkömmlicher Zeppelin, benötigt aber auch eine Start- und Landebahn. Das 105 Meter lange Testfahrzeug war im November 2011 bei einem Testflug abgestürzt und befindet sich seitdem am Boden.

In den USA arbeitet Lockheed Martin gemeinsam mit Hybrid Enterprises am Hybrid Airship für zivile Frachtflüge in Alaska und anderen entlegenen Regionen. Das Luftfahrzeug wurde, ebenso wie der Airlander, ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt. Nun soll es in einer zivilen Rolle Luftfracht in großen Mengen transportieren. Die ersten Auslieferungen waren ursprünglich für 2018 vorgesehen.

In Kanada hofft Buoyant Aircraft Systems International auf den Durchbruch. Das riesige Land hat etwa 70 Prozent Territorium, die nicht per Straße erreichbar sind. Hier wären Luftschiffe eine günstige Alternative zu anderen Lufttransportmöglichkeiten.

Ebenfalls an der Erschließung des kanadischen Nordens, aber auch am chinesischen Hinterland und der Versorgung von Flüchtlingslagern, ist das Unternehmen Solar Ship aus Toronto interessiert. Dessen mit Solarzellen besetzten Hybridluftschiffe sind allerdings bislang großteils nur ein Konzept.

Einen ganz anderen Zweck verfolgen die Zeppeline des amerikanischen Unternehmens Altaeros: Die smarten Luftschiffe sollen als eine Art Funkmast Breitband-Internet in die entlegenen Winkel der Erde bringen.

Neben den Zeppelinen sind auch die Flugzeuge auf dem Weg in Richtung Elektromobilität – in der Luft tut sich also einiges in Sachen Umweltschutz.

Und wie sieht eigentlich die Vergangenheit der Luftschiffe aus?

Ihren Zenit hatte die Luftschifffahrt vor fast einem Jahrhundert. Als die Giganten der Lüfte noch genauso schnell waren wie die ersten Flugzeuge, dabei aber deutlich mehr Menschen transportieren konnten, waren sie eine große Hoffnung der Luftfahrt.

Durch eine Mischung aus politischen Entscheidungen und einem geschwächten Vertrauen der Öffentlichkeit endete ihre Zeit mit dem zweiten Weltkrieg. Während die ersten Luftschiffe mit günstigem Wasserstoff als Traggas flogen, waren spätere Modelle für den Betrieb mit dem schwereren und teureren, dafür aber nicht entflammbaren Helium konzipiert.

Die Hindenburg konnte 1937 nur deshalb in Brand geraten, weil ein Handelsembargo gegenüber Deutschland den Import von Helium aus den USA verhinderte. Daher mussten sie Wasserstoff als Traggas verwenden, was die große Brandkatastrophe erst möglich machte.

Was sich beim Antrieb seit 1937 getan hat

Anders als die historischen Vorbilder sind moderne Luftschiffe dabei allesamt für Helium konzipiert. Dabei macht es keinen Unterschied, um welche Bauart es sich handelt. Also ob starr, halbstarr oder ballonartig und ob nun mit Auftrieb aus Vortrieb oder kompletter Tragfähigkeit durch das Gas.

Da Helium in den vergangenen Jahren immer teurer geworden ist, verursacht das auch bei den Luftschiffen hohe Kosten. Zumal Luftschiffe im Normalfall Traggas verbrauchen, also Gas für den Auftrieb nutzen und dieses ablassen, wenn sie an Höhe verlieren sollen.

Auch dafür gibt es allerdings technische Lösungsansätze, die Projekte in den Jahrzehnten seit dem Ende der Luftschifffahrt verfolgen:

  • Zum einen gab es in der Sowjetunion den Thermoplan. Das Luftschiff verfügte neben einem Heliumballon über eine Schicht mit Luft. Diese ließ sich mit den Triebwerken aufheizen, um die Tragfähigkeit zu verändern
  • Zum anderen arbeitet das US-Unternehmen Aeros am Aeroscraft. Das Luftschiff kann bei Bedarf Traggas mit einem Kompressor wieder verdichten und in Drucktanks aufbewahren – es verliert sie also nicht

Das Luftschiff Airlander von Hybrid Air Vehicles über der chinesischen Mauer.
Airlander war auch bereits in China unterwegs: Das 105 Meter lange Hybridluftschiff benötigt – anders als andere Zeppeline – eine Start und Landebahn. Foto: Hybrid Air Vehicles

Wie die Giganten Luftfracht in entlegene Gebiete bringen sollen

Insgesamt sind Luftschiffe weniger für den internationalen Verkehr als für entlegene Gegenden großer Länder geeignet. Kanadas Norden, die Weiten Alaskas oder das mit Bodenfahrzeugen kaum erreichbare Hinterland der chinesischen Seidenstraße. Ebenso als Einsatzgebiet dienen die Forstwälder Frankreichs.

Entsprechend stammen die staatlichen Gelder für die Entwicklung auch aus diesen Gegenden. Neben französischen Investoren unterstützt auch China Flying Whales finanziell.

Mehr als 15 Jahre nach dem Ende von Cargolifter scheinen gleich mehrere Firmen und Staaten daran interessiert, die Vision von Luftschiffen als Alternative zu Frachtflugzeugen umzusetzen. Und es sieht ganz so aus, als könnte moderne Technik die Schwächen der Wale der Lüfte ausgleichen.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen